das Kirchenjahr

3. Sonntag nach Trinitatis

Das Wort der Versöhnung

Predigtanregung

Der 3. Sonntag nach Trinitatis stellt in gewisser Weise die Fortsetzung des 2. Sonntags nach Trinitatis dar, denn nun geht es um die offenen Arme, die den empfangen, der schon lange eingeladen ist. Die Gleichnisse vom "Verlorenen" oder die Geschichte vom Zachäus unterstreichen dies sehr deutlich. Gott will die Sünder selig machen, darum geht es, und er hindert keinen einzelnen, zu ihm zu kommen.

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IV - Hes 18, 1-4.21-24.30-32

Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2 Was habt ihr unter euch im Lande Israels für ein Sprichwort: "Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden"? 3 So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: dies Sprichwort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel. 4 Denn siehe, alle Menschen gehören mir; die Väter gehören mir so gut wie die Söhne; jeder, der sündigt, soll sterben.
21 Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Gesetze und übt Recht und Gerechtigkeit, so soll er am Leben bleiben und nicht sterben. 22 Es soll an alle seine Übertretungen, die er begangen hat, nicht gedacht werden, sondern er soll am Leben bleiben um der Gerechtigkeit willen, die er getan hat. 23 Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? 24 Und wenn sich der Gerechte abkehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Unrecht und lebt nach allen Greueln, die der Gottlose tut, sollte der am Leben bleiben? An alle seine Gerechtigkeit, die er getan hat, soll nicht gedacht werden, sondern in seiner Übertretung und Sünde, die er getan hat, soll er sterben.
30 Darum will ich euch richten, ihr vom Hause Israel, einen jeden nach seinem Weg, spricht Gott der HERR. Kehrt um und kehrt euch ab von allen euren Übertretungen, damit ihr nicht durch sie in Schuld fallt. 31 Werft von euch alle eure Übertretungen, die ihr begangen habt, und macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? 32 Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der HERR. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben.

Der Anfang dieses prophetischen Wortes ist zunächst ein klares Zurechtrücken der Vorstellung, dass Sünde auf die Nachkommen vererbt wird bzw. die Folgen der Sünde die Nachkommen auszubaden haben. Sicher stammt diese Vorstellung aus den Heiligen Schriften (ich werde heimsuchen die "Missetat der Väter ... bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen$quot; (2. Mose 20, 5), aber dort war sie wohl eher eine Rechtfertigung für die Beobachtung, dass nicht unbedingt der Bösewicht direkt gestraft wurde, sondern es ihm vielmehr gut ging, bzw. dass Menschen, die sich redlich bemühten und nach den Geboten lebten, schwer gestraft schienen. So rechtfertigte das Sprichwort aus Vers 2 bestimmte Beobachtungen, die sonst Gott in einem ungerechten Licht hätten erscheinen lassen. Denn warum sollte Gott Menschen, die vor dem Gesetz gerecht sind, mit Krankheit, Elend und Not plagen, während er Bösewichter leer ausgehen lässt?
Gott straft den Sünder, das wird in Vers 4 dann ganz deutlich gesagt, und nicht seine Nachkommen. Trotz aller gegenteiliger Erfahrung bleibt dieser Satz nun ganz kritiklos stehen. Der Sünder kann die Strafe Gottes abwenden, indem er sich von seinen Sünden bekehrt. Sogar den Tod soll dieser Mensch nicht erleiden - auch das eine Aussage, die jeder Erfahrung widerspricht. Gott spricht zum Volk Israel und gibt seinem Volk eine Chance, zu leben. Er wird sie richten, einen jeden individuell nach seinem Weg, d.h. nach der Art und Weise, wie er oder sie gelebt hat. Merkwürdig ist die Aufforderung in Vers 31, sich einen neuen Geist und ein neues Herz zu machen. Gemeint ist sicher das, was wir als Gesinnungswandel bezeichnen, im religiösen Sprachgebrauch auch Buße genannt.
Ebenso merkwürdig erscheint die Formulierung in Vers 32, Gott habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden. Hier ist wohl gemeint, dass der Sünder ein Sterbender Mensch ist, während der Gerechte ein lebender Mensch ist.
Es ist klar, dass solche Aussagen zu Überlegungen führen, die das Jenseits dieses Lebens betreffen. Wenn das, was wir in unserem Leben erfahren, nicht die Strafe Gottes ist, dann muss Gottes Strafe uns zu einer anderen Zeit, also jenseits dieses Lebens, treffen. Nur so wäre auch zu verstehen, dass Gott keinen Gefallen am Tod des Sterbenden hat - denn der Sterbende wird den ewigen Tod erleiden - sondern am Tod des Lebenden, denn der Lebende wird nach dem Tod seinen Lohn empfangen, d.h. in der Gegenwart Gottes leben.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird deutlich darin, dass Gott hier jedem einzelnen die Versöhnung anbietet, der sich verwandelt. Diese Verwandlung muss allerdings von einem selbst ausgehen - Gott begegnet einem in dieser Verwandlung, schenkt sie aber nicht. Es ist also nicht so, dass man auf Gottes Handeln warten könnte, sondern der erste Impuls geht von einem selbst aus. Aber wenn man es genau nimmt, geht der erste Impuls doch von Gott aus, denn er ruft sein Volk, seine Gemeinde zur Buße. Er ermahnt sie, dass sie ihren Lebenswandel ändern müssen, um zu leben, und dass sie als Lebende schon tot sind, wenn sie sich nicht von ihren alten Wegen abkehren. Das Motto "nach mir die Sintflut" gilt einfach nicht mehr.
Angesichts der Tatsache, dass hier einige Aussagen gemacht werden, die darauf abzielen, das Heil im Jenseits zu suchen, muss man in der Predigt behutsam vorgehen, denn eine Vertröstung auf das Jenseits ist billig und hilft den Menschen nicht sonderlich, die das Heil jetzt brauchen. Darum sollte man in der Predigt versuchen, dieses versöhnende Wort Gottes weiterzugeben: tut Buße, erkennt die Wege Gottes, sucht sie und geht auf ihnen! Denn dadurch verliert der Tod seine beängstigende Macht, das Leben wird spür- und erfahrbar.

Liedvorschläge zur Predigt:


Gott der Vater steh uns bei (EG 138)
Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232)
So wahr ich lebe, spricht dein Gott (EG 234)
Und suchst du meine Sünde (EG 237)
Kehret um, und ihr werdet leben (KHW-EG 615, NB-EG 606)
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen (KHW-EG 640)

Fürbittengebet

Herr, allmächtiger Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus gehst du uns nach und willst uns dein Heil widerfahren lassen. Wir bitten dich:
Lass die Sehnsucht nach dir in uns wach bleiben, damit du uns erkennst. Rühre uns an, damit Liebe wachsen kann, die diese Welt spürbar verändert.
Wir bitten dich für die Menschen, die Verantwortung tragen in Politik und Wirtschaft:
hilf, dass sie deinen Ruf vernehmen, dass sie sich einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden in der ganzen Welt. Führe sie neue Wege, damit sie frei werden von der Macht des Geldes.
Wir bitten dich für die Menschen, die sich von deiner Gemeinde abgewandt haben: rufe sie mit Namen. Hilf, dass sie nicht verbittern, sondern sich deiner Liebe öffnen, die frei macht und verbindet.
Wende dich denen zu, die keine Hoffnung mehr haben, die am Leben verzweifeln. Eröffne ihnen Wege zu neuer Hoffnung. Mach dich ihnen erkennbar, dass sie Sehnsucht nach deiner Liebe verspüren.
Lass nicht zu, dass Armut ihre Herrschaft ausbreitet und immer mehr Menschen unter ihre Gewalt bringt, während andere danach streben, ihren Überfluss ins Unermessliche zu steigern. Lass deinen Ruf nach Recht und Gerechtigkeit weithin hörbar werden, damit alle Welt Unrecht erkennt und ihm ein Ende bereitet.
Lass die Kranken dein Heil erfahren, indem du Menschen an ihre Seite stellst, die sich um Leib und Seele kümmern.
Lass uns Gemeinde sein, indem wir uns auf deinen Geist einlassen und uns von ihm antreiben lassen, Liebe zu üben, damit Friede werde.
Das bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen



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