das Kirchenjahr

3. Sonntag nach Trinitatis

Das Wort der Versöhnung

Predigtanregungen

Der 3. Sonntag nach Trinitatis stellt in gewisser Weise die Fortsetzung des 2. Sonntags nach Trinitatis dar, denn nun geht es um die offenen Arme, die den empfangen, der schon lange eingeladen ist. Die Gleichnisse vom "Verlorenen" oder die Geschichte vom Zachäus unterstreichen dies sehr deutlich. Gott will die Sünder selig machen, darum geht es, und er hindert keinen einzelnen, zu ihm zu kommen.

Zu den Perikopen

  • I: 1. Tim 1, 12-17

    Es fällt nicht leicht, über solche Texte zu predigen, da sie sehr persönlicher Natur sind. Aber doch enthält natürlich auch dieser Abschnitt aus der Einleitung des Paulus zu seinem 1. Brief an Timotheus Kernaussagen, die für die ganze Gemeinde von Bedeutung sind.
    Paulus stellt seine Situation vor seiner Berufung knapp dar, und dankt Gott dafür, dass er ihn zum Glauben geführt und in das Amt eingesetzt hat. Welcher Natur das Amt ist, bleibt zunächst offen. Gemeint ist aber wohl das Apostelamt, das Paulus in eine Reihe stellt mit den Zwölfen, denen er anfangs nachstellte.
    Paulus hat das Besondere seiner Berufung längst begriffen, für ihn ist es ein Wunder sondergleichen, und Verantwortung zugleich. Die Verantwortung besteht darin, Vorbild zu sein allen Menschen; eine Rolle, die man ihm oft aus Neid nicht zugestand. Denn Vorbilder sind bewundernswert, ihr Lebenswandel ist untadelig, was man vom Wandel des Paulus zumindest vor seiner Bekehrung ja nicht sagen kann. In mancher Augen ist er ein "Dahergelaufener", einer, der diese Würde nicht verdient hat. Daran stört sich Paulus nicht. Er weiß, wie er mit der Gnade, die Gott ihm erwiesen hat, umgehen muss, und handelt entsprechend. Ob er dafür nun verachtet oder bewundert wird, spielt keine Rolle, denn allein Gott gebührt die Ehre in Ewigkeit.
    Vers 15 ist eigentlich ein Lehr- und Lernsatz, ein Wort, das man (mit Ausnahme des Zusatzes am Ende) durchaus auswendig können sollte. Es ist der Kernsatz biblischer Verkündigung: Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen. Das ist unser Glaube, und das ist wert, geglaubt zu werden - so sagt Paulus. Gott macht die Sünder selig, er versöhnt sie mit sich selbst.
    Damit wird auch der kirchenjahreszeitliche Zsammenhang deutlich.

  • II: Mi 7, 18-20

    Gott steht zu seinen Zusagen, er steht zu seinem Bund, den er mit Abraham geschlossen hat. Es geht auch nicht anders, denn sonst wäre Gott ein Meineidiger, ein Lügner. Es ist wichtig, dass wir uns bei der Predigt über einen Text aus dem Buch des ersten Bundes immer bewusst bleiben, dass hier nicht von Gott als dem Gott aller Menschen, sondern von Gott als dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs gesprochen wird. Diese innige Beziehung, die vor tausenden von Jahren begann, wird nie aufgehoben, und wir Christen stehen da zunächst einmal außen vor, denn wir gehören schlicht nicht zum Volk Israel. Erst durch Christus hat sich die Tür zu den Heiden, zu denen wir gehören, geöffnet, wurde ein neuer Bund (s. Abendmahlsworte) geschlossen, der den alten aber nicht ersetzt, sondern nur ergänzt.
    Die Worte des Propheten richten sich an das nachexilische Volk Israel, das in sein Land zurückkehrt und erkennt, dass Gottes Zorn nicht ewig ist.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang führt uns allerdings eher auf den Aspekt der Sündenvergebung. Gott ist barmherzig, das ist die klare Aussage, die der Prophet Micha hier formuliert, und dies sollte auch der Kern der Predigt sein. Dabei werden wir vielleicht Schwierigkeiten haben mit dem Aspekt des „Zornes Gottes”, doch müssen wir uns auch das gefallen lassen: Gott leidet unter unser Engherzigkeit, unter unserem Kleinmut, aber auch unter unserem Hochmut und unserer Arroganz. Und dementsprechend sucht er nach Wegen, uns wieder zu ihm zu führen. Doch wie das geschieht, bleibt sein Geheimnis. Es gibt keine so einschneidenden Ereignisse wie das damalige Exil (außer vielleicht die Corona-Pandemie, die tatsächlich so etwas wie ein Exil auch für die Christen bedeutete, da keine Gottesdienste möglich waren), und selbst wenn es sie gibt, wäre es sicher zu einfach, in ihnen einen Ausdruck des Zornes Gottes erkennen zu wollen. Gott will unsere Antwort auf seine Einladung, seinen Willen zu tun. Er will unser Reden und Handeln so, dass es unseren Mitmenschen förderlich und nicht schädlich ist. Er zwingt uns aber nicht mit schrecklichen Ereignissen zu dieser Antwort, auch wenn uns solche Ereignisse widerfahren. Ihm ist es lieber, dass wir uns ihm ohne irgendeinen Schrecken im Nacken zuwenden, als dass wir es nur in der Not tun.
    Die Predigt wird versuchen, den Aspekt der Liebe Gottes trotz aller entgegenstehenden Eigenschaften des Menschen in die Mitte zu rücken, ohne sie billig zu machen. Am Ende darf es nicht heißen: Gott liebt uns, egal was wir tun. Sondern: Gott liebt uns so sehr, dass wir nicht still bleiben können, sondern diese Liebe weitergeben und -sagen müssen. Gottes Liebe (nicht seine schrecklichen Taten) provoziert eine Antwort.

  • III: Lk 15, 1-10

    folgt später

  • IV: Hes 18, 1-4.21-24.30-32

    Der Anfang dieses prophetischen Wortes ist zunächst ein klares Zurechtrücken der Vorstellung, dass Sünde auf die Nachkommen vererbt wird bzw. die Folgen der Sünde die Nachkommen auszubaden haben. Sicher stammt diese Vorstellung aus den Heiligen Schriften (ich werde heimsuchen die "Missetat der Väter ... bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen$quot; (2. Mose 20, 5), aber dort war sie wohl eher eine Rechtfertigung für die Beobachtung, dass nicht unbedingt der Bösewicht direkt gestraft wurde, sondern es ihm vielmehr gut ging, bzw. dass Menschen, die sich redlich bemühten und nach den Geboten lebten, schwer gestraft schienen. So rechtfertigte das Sprichwort aus Vers 2 bestimmte Beobachtungen, die sonst Gott in einem ungerechten Licht hätten erscheinen lassen. Denn warum sollte Gott Menschen, die vor dem Gesetz gerecht sind, mit Krankheit, Elend und Not plagen, während er Bösewichter leer ausgehen lässt?
    Gott straft den Sünder, das wird in Vers 4 dann ganz deutlich gesagt, und nicht seine Nachkommen. Trotz aller gegenteiliger Erfahrung bleibt dieser Satz nun ganz kritiklos stehen. Der Sünder kann die Strafe Gottes abwenden, indem er sich von seinen Sünden bekehrt. Sogar den Tod soll dieser Mensch nicht erleiden - auch das eine Aussage, die jeder Erfahrung widerspricht. Gott spricht zum Volk Israel und gibt seinem Volk eine Chance, zu leben. Er wird sie richten, einen jeden individuell nach seinem Weg, d.h. nach der Art und Weise, wie er oder sie gelebt hat. Merkwürdig ist die Aufforderung in Vers 31, sich einen neuen Geist und ein neues Herz zu machen. Gemeint ist sicher das, was wir als Gesinnungswandel bezeichnen, im religiösen Sprachgebrauch auch Buße genannt.
    Ebenso merkwürdig erscheint die Formulierung in Vers 32, Gott habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden. Hier ist wohl gemeint, dass der Sünder ein Sterbender Mensch ist, während der Gerechte ein lebender Mensch ist.
    Es ist klar, dass solche Aussagen zu Überlegungen führen, die das Jenseits dieses Lebens betreffen. Wenn das, was wir in unserem Leben erfahren, nicht die Strafe Gottes ist, dann muss Gottes Strafe uns zu einer anderen Zeit, also jenseits dieses Lebens, treffen. Nur so wäre auch zu verstehen, dass Gott keinen Gefallen am Tod des Sterbenden hat - denn der Sterbende wird den ewigen Tod erleiden - sondern am Tod des Lebenden, denn der Lebende wird nach dem Tod seinen Lohn empfangen, d.h. in der Gegenwart Gottes leben.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird deutlich darin, dass Gott hier jedem einzelnen die Versöhnung anbietet, der sich verwandelt. Diese Verwandlung muss allerdings von einem selbst ausgehen - Gott begegnet einem in dieser Verwandlung, schenkt sie aber nicht. Es ist also nicht so, dass man auf Gottes Handeln warten könnte, sondern der erste Impuls geht von einem selbst aus. Aber wenn man es genau nimmt, geht der erste Impuls doch von Gott aus, denn er ruft sein Volk, seine Gemeinde zur Buße. Er ermahnt sie, dass sie ihren Lebenswandel ändern müssen, um zu leben, und dass sie als Lebende schon tot sind, wenn sie sich nicht von ihren alten Wegen abkehren. Das Motto "nach mir die Sintflut" gilt einfach nicht mehr.
    Angesichts der Tatsache, dass hier einige Aussagen gemacht werden, die darauf abzielen, das Heil im Jenseits zu suchen, muss man in der Predigt behutsam vorgehen, denn eine Vertröstung auf das Jenseits ist billig und hilft den Menschen nicht sonderlich, die das Heil jetzt brauchen. Darum sollte man in der Predigt versuchen, dieses versöhnende Wort Gottes weiterzugeben: tut Buße, erkennt die Wege Gottes, sucht sie und geht auf ihnen! Denn dadurch verliert der Tod seine beängstigende Macht, das Leben wird spür- und erfahrbar.

  • V: Jona (3,10); 4,1-11

    folgt später

  • VI: Lk 15, 1-3.11b-32

    Das Gleichnis vom "Verlorenen Sohn" ist weithin bekannt. Es steht für die rückhaltlose Gnade, die wir von Gott erwarten dürfen. In der Abgrenzung der Perikope wurde jedoch bewusst auf die Verse 1-3 des 15. Kapitels des Lukas-Evangeliums nicht verzichtet! Denn durch diese drei Verse wird die Gruppe der Adressaten bekannt, und das ist äußert wichtig für das richtige Verstehen und Auslegen. Dieses Gleichnis ist den Pharisäern und Schriftgelehrten zugesprochen, die es nicht verstehen, dass sich Jesus mit den Sündern zusammensetzt.
    Von daher ist es wohl angebracht, danach zu fragen, ob wir uns vielleicht in derselben Gruppe wiederfinden? Gewiß, heutzutage gehört es zum guten Ton jeder Gemeinde, sich auch sozial zu engagieren, den Außenseitern unter die Arme zu greifen und sie, soweit möglich, einzugliedern. Aber ist dies genug? Das Gleichnis vom "verlorenen" Sohn ist ja eine bewusste Provokation. Man stelle sich vor, Jesus lebte in unserer Zeit, und er gesellte sich nicht mal zu den sozialen Randgruppen, derer wir uns ja schon annehmen, sondern zu den Skinheads, den Neonazis, den Reichen, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld? Sind dies nicht auch Menschen, die der Liebe Gottes bedürfen, damit sie sich ändern können? Könnte es tatsächlich sein, dass ein Skinhead oder Neonazi der verlorene Sohn ist? Oder ein Arbeitgeber, der, nachdem er sein Bankkonto noch schnell aufgefüllt hat, den Bankrott anmeldet und hunderte von Arbeitern entläßt?
    Unsere Stellung im Gleichnis vom "verlorenen" Sohn ist klar: wir sind, wenn wir die Gedanken oben weiter verfolgen, an die Stelle des zurückgebliebenen Sohnes zu setzen, der sich auflehnt, der sich ärgert, weil der Vater nun praktisch von seinem Erbe nimmt und mit dem feiert, der nicht hätte zurückkommen dürfen. Wir ärgern uns, dass unser Erbteil nun scheinbar auch noch verprasst wird, dass Energien dahin gehen, wo wir sie nicht einsetzen wollen. Wir sind nicht der verlorene Sohn. Wir sind die Adressaten, die Pharisäer, die Schriftgelehrten, die meinen, alles richtig zu machen, die meinen, den Platz bei Gott schon in der Tasche zu haben.
    Es hat Versuche gegeben, das Gleichnis weiterzudenken. Was ist mit dem älteren Sohn? Was wird aus ihm? Wird er schließlich doch mitfeiern? Vielleicht ist gerade dies die Frage, die Jesus uns mit dem Gleichnis stellen will. Sie wäre auch in der Predigt erneut zu stellen. Nun stehen wir da draußen mit unserem Ärger, und die Tür schließt sich womöglich vor uns, obgleich wir immer gedacht haben, alles richtig zu tun...
    Vom Thema des Sonntags her sollte wohl noch angemerkt werden, dass wir die Träger der Versöhnung sind. Wir sind ja schon Empfänger der Versöhnung, nun müssen wir sie auch hinaustragen in die Welt, zu denen, die sie brauchen, die sie noch nicht kennen, die im tiefsten Inneren danach hungern.

  • Marginaltexte: Joh 6, 37-40

    folgt später



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