das Kirchenjahr

6. Sonntag nach Trinitatis

Leben aus der Taufe

Predigtanregung

Der 6. Sonntag nach Trinitatis konzentriert sich diesmal auf die Taufe als dem Beginn eines neuen Lebens. In diesem Zusammenhang wird auch der Gedanke eines "lebenslangen Bundes" aufgenommen. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als "Sakramentssonntage" bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in seiner Bedeutung für das Leben des Christen gedacht.

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III - Mt 28, 16-20

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Der "Missionsbefehl" begründet unsere Taufe genauso, wie er alle Missionsbemühungen der vergangenen Jahrhunderte und auch dieses Jahrhunderts begründet. Dabei ist man teilweise recht spitzfindig gewesen, was die Reihenfolge (Taufe und dann Lehre, oder anders herum?) angeht. Auch hat man die Authentizität dieser Worte angezweifelt, was angesichts der trinitarischen Formel, die Jesus wohl nie angewandt haben dürfte, durchaus legitim ist. Dabei gibt es in diesem kurzen Abschnitt noch manches Bemerkenswerte.
Da ist zunächst die Tatsache, dass "einige aber zweifelten". Auch diesen gilt das, was Jesus sagt. Sie gehören dazu. Nun mag sich dieser Zweifel darauf beziehen, dass sie vermuten, Jesus würde dort gar nicht erst auftauchen, weil er ja gestorben ist. Aber sie hatten immerhin den Bericht ihrer Brüder vernommen, die den Auferstandenen gesehen hatten, und die ihnen den Bescheid Jesu, zu diesem Berg zu gehen, weitergesagt hatten. Klar, dass man da Zweifel hegt, solange man den Auferstandenen nicht selbst gesehen hat.
Gewiss sind wir alle solche Zweifler, denn wir alle wissen es nur aus Berichten. Die Zweifler damals sind jedenfalls mitgegangen und haben nicht im Vorfeld schon resigniert. Sie haben sich auf das Wagnis des Glaubens, das auch von Zweifel begleitet ist, eingelassen.
Dann ist da die lapidare, aber klare Aussage: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden." Ich habe bewusst das Wort "mir" hervorgehoben, weil darauf die Betonung liegen sollte. Denn dies ist der Grund für den nachfolgenden Auftrag: weil IHM die Macht gegeben ist, darum überhaupt können wir auch hinausgehen, um es zu verkündigen. Es gibt keine anderen Mächte mehr, die über diese Welt herrschen, die eine solche Gewalt haben, dass nicht die Liebe Gottes sie überwinden könnte.
Über den Tauf- und Missionsbefehl nur so viel: Dieser Befehl hat viel Unheil angerichtet, aber auch viel Segen gestiftet. Wo immer das Evangelium die Menschen erreicht, bewirkt es Veränderungen, die manches Mal weitgreifend und schmerzhaft sind. Die Geschichte der Mission wird oft einseitig als kolonialistische Bewegung betrachtet - denen, die so denken, empfehle ich eine tiefergehende Beschäftigung mit der Missionsgeschichte, die manches Mal sich gegen die Kolonialherren und ihre Machenschaften wandte und die Einheimischen ohne Diskriminierung in Schutz nahm. Freilich war das nicht immer der Fall.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt den Schwerpunkt des Predigttextes auf die Taufe. Mit der Taufe wird die Nachfolge Jesu begründet (jedoch nicht bei den ersten Jüngern!), was in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung sein kann, denn normalerweise verstehen wir heutzutage die Taufe als eine Zusage Gottes, die an keine Bedingungen geknüpft ist. Deswegen taufen wir Kinder und Säuglinge. Der Predigttext aber legt nahe, hier an mehr zu denken: die Taufe ist der erste Schritt auf einem Weg, den jeder Mensch selbst gehen muss. Auf diesem Weg erfolgt auch die Lehre, die unabdingbar mit der Taufe verknüpft ist. Das eine geht ohne das andere nicht. Während das noch bis vor wenigen Jahren selbstverständlich war, sieht man heute oft von der Konfirmation, dem Unterricht, ab. Es stellt sich aber die Frage, ob die Taufe allein genug ist, und wenn ja, wofür?
Die Lehre erfolgt freilich nicht nur im Konfirmandenunterricht, sondern auch im Gottesdienst. An der Lehre zu bleiben, ist wichtiger Bestandteil dieser letzten Worte Jesu.
So wird die Predigt die Vielschichtigkeit dieses Wortes darzustellen versuchen. Es wird nötig sein, darauf hin zu weisen, dass Leben aus der Taufe ein Leben in der Lehre ist. Immer wieder müssen wir darüber nachdenken, was wir in unserem Leben falsch gemacht haben, was wir besser machen könnten. Es ist wichtig, zu erfahren, was der Wille Gottes ist und wie wir ihn am besten tun können. Dazu hilft die Predigt und der Gottesdienst.

Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus Christus herrscht als König (EG 123, 1-6)
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (EG 126)
Gott der Vater steh uns bei (EG 138)
Gelobet sei der Herr (EG 139)
Gehet hin in alle Welt (EG 201)
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (EG 241)
Gleichwie mich mein Vater gesandt hat (EG 260)
Christus ist König, jubelt laut (EG 269)
Siehe, ich bin bei euch alle Tage (EG 419)



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