Der 11. Sonntag nach Trinitatis widmet sich unserer Einstellung zu Gott und zu seinem Gnadenhandeln. Dafür werden im Evangelium die zwei völlig unterschiedlichen Charaktere des Pharisäers und des Zöllners einander gegenüber gestellt. Die übrigen Texte weisen mehr in die Richtung des "Seligwerdens aus Gnade" und nicht aus Werken. Unsere Einstellung zu der Gnade Gottes ist entscheidend dafür, ob wir sie auch empfangen werden.
Zu den Perikopen
Hiob antwortete Elifas und sprach:
2Auch heute lehnt sich meine Klage auf; seine Hand drückt schwer, dass
ich seufzen muss. 3Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seinem
Thron kommen könnte! 4So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen
Mund mit Beweisen füllen 5und erfahren die Reden, die er mir
antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde. 6Würde er mit
großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde Acht haben
auf mich. 7Dann würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer
würde ich entrinnen meinem Richter! 8Aber gehe ich nun vorwärts,
so ist er nicht da; gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht. 9Ist
er zur Linken, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich zur
Rechten, so sehe ich ihn nicht.
10Er aber kennt meinen Weg gut. Er prüfe mich, so will ich erfunden
werden wie das Gold. 11Denn ich hielt meinen Fuß auf seiner Bahn und
bewahrte seinen Weg und wich nicht ab 12und übertrat nicht das Gebot
seiner Lippen und bewahrte die Reden seines Mundes bei mir. 13Doch
er ist der Eine – wer will ihm wehren? Und er macht's, wie er
will. 14Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch
mehr derart im Sinn. 15Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht,
und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. 16Gott
ist's, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der
mich erschreckt hat; 17denn nicht der Finsternis wegen muss ich
schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.
Präfamen:
Zöllner und Pharisäer, Sünder und Gerechter - und doch geht der Sünder gerechtfertigt nach Hause, während der
Gerechte noch gar nicht verstanden hat, worauf es ankommt. Wie stehen wir zu unserer eigenen Schuld? Hört das Gleichnis aus dem Lukas-Evangelium im
18. Kapitel:
Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Präfamen:
Die Gnade Gottes können wir uns nicht erwerben - sie ist ein unverdientes Geschenk, das wir nur dankbar annehmen können.
Diese Gnade befreit uns von der Schuld, die wir immer wieder neu auf uns laden. Darum ist es vielleicht so schwer, sie anzunehmen. Wäre es
nicht besser, wir könnten selbst für unsere Taten sühnen? Aber hätten wir dann Teil am Reich Gottes? So schreibt der
Apostel Paulus im Brief an die Epheser im 2. Kapitel:
Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –; 6und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Präfamen:
Niemand ist davor gefeit. Israels König David, der Liebling Gottes, wie er oft dargestellt wird, ist selbst Opfer seiner
Macht geworden und hat sich hinreißen lassen, eine Frau, die er begehrte, seinem untergebenen Soldaten Uriah fortzunehmen und
Uriah selbst töten zu lassen. Nathan, der Prophet, stellt ihn zur Rede. David erkennt seine Schuld und nimmt die Strafe an. Als die
Strafe erfolgt ist, kann er wieder aufatmen, denn er weiß, dass Gott ihm seine Schuld vergeben. Hört, was geschrieben steht im
2. Buch Samuel im 12. Kapitel.
Und der Herr sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer
in einer Stadt, der eine reich, der andere arm.
2Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder;
3aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er
gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem
Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt's wie eine Tochter.
4Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht über
sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das Schaf des armen Mannes
und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.
5Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der Herr lebt:
der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!
6Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.
7Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der Herr, der Gott Israels:
Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls
8und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen, und habe dir das Haus
Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazu tun.
9Warum hast du denn das Wort des Herrn verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel?
Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter.
10Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und
die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei.
11So spricht der Herr: Siehe, ich will Unheil über dich kommen lassen aus deinem
eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne.
12Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz Israel und im Licht der Sonne.
13Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den Herrn. Nathan sprach
zu David: So hat auch der Herr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.
14Aber weil du die Feinde des Herrn durch diese Sache zum Lästern gebracht hast,
wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.
15Und Nathan ging heim.
Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch.
37Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im
Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl
38und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße
mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küßte seineFüße
und salbte sie mit Salböl.
39Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich
selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und was für eine Frau
das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.
40Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach:
Meister, sag es!
41Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig.
42Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er's beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?
43Sie antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach
zu ihm: Du hast recht geurteilt.
44Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus
gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit
Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet.
45Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen,
meine Füße zu küssen.
46Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt.
47Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem
aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
48Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben.
49Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser,
der auch die Sünden vergibt?
50Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!
Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. 17Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden - ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne! 18Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter. 19Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. 20Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. 21Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.
Hiob 22, 21-30
Mt 23, 1-12
Matthäus 23, 1-12:
Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern
2und sprach:
Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer.
3Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt
ihr nicht handeln; denn sie sagen's zwar, tun's aber nicht.
4Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen
auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen.
5Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen
ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß.
6Sie sitzen gern obenan bei Tisch und in den Synagogen
7und haben's gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten
Rabbi genannt werden.
8Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr
aber seid alle Brüder.
9Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater,
der im Himmel ist.
10Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus.
11Der Größte unter euch soll euer Diener sein.
12Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt,
der wird erhöht.