Der 18. Sonntag nach Trinitatis ist bestimmt vom Evangelium über das „höchste Gebot“, das sowohl von der Gottesliebe als auch der Nächstenliebe redet. Dies gibt uns erneut Gelegenheit, über das Verhältnis der Christen zum jüdischen Volk nachzudenken, denn dieses höchste Gebot stammt in seiner zweifachen Ausrichtung vollständig aus der jüdischen Tradition. Allerdings haben die anderen Texte nicht immer das „höchste Gebot“ im Sinn, sondern reden auch von der Nachfolge im Allgemeinen. Der alttestamentliche Text ist die Perikope mit den "10 Geboten".
Zu den Perikopen
Präfamen:
Martin Luther hatte seine Probleme mit dem Jakobusbrief, denn in ihm wird der Grundsatz „Allein durch Glauben“
scheinbar in Frage gestellt. Aber wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir, dass es Jakobus um die Früchte des Glaubens geht,
die dazugehören, wie auch Jesus selbst gesagt hat. Glaube, der sich nur um sich selbst kreist, ist nicht genug. Der Glaube treibt
uns zu unseren Mitmenschen, denn er vertraut auf die große Liebe Gottes, die wir nicht für uns behalten können,
sondern weitergeben dürfen und, weil sie uns so selig macht, auch müssen. Es ist kein Zwang, sondern ein Bedürfnis, das
aus dem Glauben erwächst. So hört, was geschrieben steht im Brief des Jakobus im 2. Kapitel.
Was hilft's, liebe Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen? 15Wenn ein Bruder oder eine Schwester Mangel hätte an Kleidung und an der täglichen Nahrung 16und jemand unter euch spräche zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gäbet ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat – was könnte ihnen das helfen? 17So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber. 18Aber es könnte jemand sagen: Du hast Glauben und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken. 19Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben's auch und zittern. 20Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist? 21Ist nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerecht geworden, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte? 22Da siehst du, dass der Glaube zusammengewirkt hat mit seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden. 23So ist die Schrift erfüllt, die da spricht (1.Mose 15,6): „Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden“, und er wurde „ein Freund Gottes“ genannt (Jesaja 41,8). 24So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein. 25Desgleichen die Hure Rahab, ist sie nicht durch Werke gerecht geworden, als sie die Boten aufnahm und ließ sie auf einem andern Weg hinaus? 26Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. 12Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir's hören und tun? 13Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir's hören und tun? 14Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.
Präfamen:
Wer kann selig werden? Jesu Antwort auf diese Frage kann einem Angst machen, denn sie bedeutet eine völlige Umkehr -
oder besser Wegkehr - von einem Leben in Wohlstand und Sicherheit hin zu einem Leben im Vertrauen auf Gott. Und doch gibt es Hoffnung,
denn bei Gott sind alle Dinge möglich. Doch soll uns das nicht in Sicherheit wiegen. Nachfolge Jesu bleibt eine lebenslange
Herausforderung. So hört, was geschrieben steht im Evangelium nach Markus im 10. Kapitel.
Und als er [Jesus] sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm
nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?
18Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut?
Niemand ist gut als Gott allein.
19Du kennst die Gebote: «Du sollst nicht töten;
du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden
berauben; ehre Vater und Mutter.»
20Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten
von meiner Jugend auf.
21Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm:
Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben,
und komm und folge mir nach!
22Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon;
denn er hatte viele Güter.
23Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie
schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!
24Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber
Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist's, ins Reich Gottes zu kommen!
25Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als
dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.
26Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander:
Wer kann dann selig werden?
27Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist's
unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.
Präfamen:
Das Beste aus allem machen - das ist das Ziel der meisten Menschen. Wer sein Leben unter den
Schirm Gottes stellen will und sich der Gnade, die in Jesus Christus offenbart wurde, anvertrauen möchte,
der gewinnt einen anderen Blick auf das Leben: Alles kommt von Gott und ist darum Geschenk. So steht an erster Stelle nicht
der Versuch, aus allem das Beste zu machen, sondern der Dank gegen Gott für seine Liebe. Und aus dieser Liebe
erwächst unsere Liebe zum Nächsten. So hört, was geschrieben steht im Brief des Paulus an die Epheser im 5. kapitel:
So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. 19Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 21Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.
Präfamen:
Tausende von Seiten umfassen die Gesetzeswerke unseres Landes. Selbst unser Grundgesetz, das nur grundlegende
Gesetze enthält, umfasst 146 Artikel, von denen viele noch untergliedert sind. Gott hält nur 10 Gesetze für wichtig und ausreichend.
Und wenn man es genau betrachtet, dann ist es tatsächlich so. So hört, was geschrieben steht im Buch Exodus im 20. Kapitel:
Und Gott redete alle diese Worte:
2Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich
aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.
3Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
4Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder
von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:
5Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der
Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins
dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,
6aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und
meine Gebote halten.
7Du sollst den Namen des Herrn, deines
Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen
missbraucht.
8Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
9Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
10Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn,
deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht
dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.
11Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel
und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der
Herr den Sabbattag und heiligte ihn.
12Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest
in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.
13Du sollst nicht töten.
14Du sollst nicht ehebrechen.
15Du sollst nicht stehlen.
16Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
17Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht
begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.
Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. 8Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn "die Liebe deckt auch der Sünden Menge" (Sprüche 10,12). 9Seid gastfrei untereinander ohne Murren. 10Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: 11wenn jemand predigt, dass er's rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Mt 22, 35-40
Röm 14, 17-19
Jak 2, 1-13
Röm 14, 17-19:
Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geist.
18Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet.
19Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.
Jak 2, 1-13:
Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der
Person.
2Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit einem goldenen Ring und
in herrlicher Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung
3und ihr sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu
ihm: Setze du dich hierher auf den guten Platz! und sprächet zu dem Armen: Stell du dich dorthin! oder: Setze dich unten zu meinen
Füßen!,
4ist's recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit
bösen Gedanken?
5Hört zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der
Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben?
6Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt
gegen euch üben und euch vor Gericht ziehen?
7Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch genannt ist?
8Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3. Mose 19,18):
«Liebe deinen Nächsten wie dich selbst», so tut ihr recht;
9wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt
vom Gesetz als Übertreter.
10Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges
Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig.
11Denn der gesagt hat (2. Mose 20,13.14): «Du sollst nicht ehebrechen»,
der hat auch gesagt: «Du sollst nicht töten.» Wenn du nun nicht die Ehe brichst, tötest aber, bist du ein
Übertreter des Gesetzes.
12Redet so und handelt so wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden
sollen.
13Denn es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht
Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht.