das Kirchenjahr

18. Sonntag nach Trinitatis

Das höchste Gebot

Predigtanregung

Der 18. Sonntag nach Trinitatis ist bestimmt vom Evangelium über das "höchste Gebot", das sowohl von der Gottesliebe als auch der Nächstenliebe redet. Dies gibt uns erneut Gelegenheit, über das Verhältnis der Christen zum jüdischen Volk nachzudenken, denn dieses höchste Gebot stammt in seiner zweifachen Ausrichtung vollständig aus der jüdischen Tradition. Allerdings haben die anderen Texte nicht immer das "höchste Gebot" im Sinn, sondern reden auch von der Nachfolge im Allgemeinen. Der alttestamentliche Text ist die Perikope mit den "10 Geboten".

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IV - Eph 5, 15-20

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Christlicher Lebenswandel - das ist ein Thema, das heute ungerne angesprochen wird. Denn wie sieht solch ein Lebenswandel aus? Ist nicht das, was in der Bibel steht, längst überholt?
Gewiss sind die Worte der Bibel auch vom sozialen Gefüge ihrer Zeit geprägt, und doch können wir sie nicht beiseite legen und ganz von vorn anfangen. Und wir müssen uns sicher auch hüten, sie zu selektiv zu lesen, denn durch jedes Wort will Gott zu uns und zur sprechen. So auch durch diese Perikope, die ja vornehmlich ein Aufruf zum regelmäßigen Gottesdienstbesuch ist. Aber nicht nur das: natürlich kann man auch in den Häusern Lieder singen und musizieren, so wie es die Christen durch alle Jahrhunderte getan haben. Denn Gott zu loben ist zugleich ein Weg, sich der Liebe Gottes zu versichern. Füreinander zu beten, kann stark machen.
Doch schwieriger wird es mit den Versen "am Rande": Da ist als erstes der Aufruf, auf den eigenen Lebenswandel zu achten und als "Weise" zu leben, also Menschen, die im geistlichen Sinn weise sind und darum die Zeit ausnutzen. Dass es böse Zeit ist, ist nichts Neues - die Liebe Gottes kann sich nicht durchsetzen, ohne dass der Mensch sie annimmt. Dafür können wir nur etwas tun, indem wir zeigen, dass die Liebe Gottes uns selbst verwandelt hat und neue Menschen aus uns gemacht hat.
Man hat hier sogar Gelegenheit, etwas gegen Säufer zu sagen, aber da sollte man doch behutsam sein. Oft wird man in den Alkoholkonsum hineingetrieben, und Menschen, die nicht mehr anders können, brauchen Hilfe. Man kann ihnen ihr Schicksal nicht unbedingt vorwerfen, sondern vielleicht sogar muss man den anderen vorwerfen, nicht Hilfe geleistet zu haben, als es noch möglich war. Also sollte der Aufruf, sich nicht volllaufen zu lassen, wohl eher so interpretiert werden, dass man die Menschen, die in der Gefahr sind, sich mit Alkohol zu betäuben und über ihre Situation hinwegzutäuschen, aufsucht und ihnen andere Möglichkeiten der Bewältigung ihrer Situation aufzeigt. Denn die Hörer werden schwerlich Säufer sein oder solche, die in der Gefahr sind, sich mal so richtig zu betrinken. Sich hingegen vom Geist leiten zu lassen, kann einen ähnlichen Effekt haben: man tut unvernünftige Dinge (vom Verstand her), die aber von der Liebe her durchaus vernünftig sind.
Sich einander unterzuordnen, gefällt sicher nicht jedem. Aber das "einander" ist entscheidend. Es funktioniert nur, wenn beide Seite es tun. Nur wer macht den Anfang? Denn wenn beide auf den anderen warten, wird es nie etwas...
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt nahe, den Schwerpunkt der Predigt auf Vers 17 zu legen: "versteht, was der Wille des Herrn ist." Der Wille des Herrn ergibt sich aus dem höchsten Gebot (Gott lieben und seinen Nächsten wie sich selbst), und wir hier indirekt konkretisiert, indem der übermäßige Alkoholkonsum angesprochen wird. Daraus können und sollten wir den Aufruf zur Hilfe für die Menschen ableiten, die keinen Ausweg mehr wissen und darum den Weg des Vergessens suchen.

Liedvorschläge zur Predigt:


O Heilger Geist, kehr bei uns ein (EG 130)
Sende dein Licht und deine Wahrheit (EG 172)
Ein reines Herz, Herr, schaff in mir (EG 389)
Dass du mich einstimmen lässt (EG 580, 3-4)



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