das Kirchenjahr

21. Sonntag nach Trinitatis

Die geistliche Waffenrüstung

Predigtanregung

Der 21. Sonntag nach Trinitatis wird von der Epistel her bestimmt. Es ist dort die Rede von der "Waffenrüstung Gottes" - Paulus vergleicht die Instrumente des Krieges mit denen des Glaubens. Dem ist das Evangelium von der Feindesliebe entgegengestellt - es handelt sich bei diesem Text allerdings nur um die Zusammenfassung der längeren Liste aus Epheser 6. Der alttestamentliche Text scheint nicht viel mit "geistlicher Waffenrüstung" zu tun zu haben, es sei denn, man betrachtet den Vers 7 als Hinweis auf die Waffe, mit der das jüdische Volk sich im Exil am Leben erhalten hat. Von einer Waffenrüstung zu reden - gleich ob geistlich oder nicht - trifft heute normalerweise auf Befremden. Diese Bilder gehören in eine extremistische Welt, nicht aber in die friedvolle Welt der Kirche. Dabei übersehen wir oft, dass es auch in der Kirche menschlich zugeht und auch dort Waffen benutzt werden - diese sind dann allerdings oft nicht die, von denen Paulus redet.

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IV - Joh 15, 9-12 (13-17)

Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. 11 Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. 12 Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. 13 Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15 Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe. 17 Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.

Dieser Abschnitt kann verwirren, vor allem wenn man die eingeklammerten Verse hinzuzieht, aber auch schon in den "Hauptversen" 9-12. In der Klammer wird die anfangs durch die Aufforderung zur Liebe proklamierte Selbständigkeit des Menschen negiert, indem dann die Abhängigkeit des Menschen vom Handeln und Willen Gottes herausgestellt wird (Vers 16). Dies scheint einen Widerspruch darzustellen.
Dazu kommt, dass einmal die Liebe ein Resultat des Haltens der Gebote (Vers 10), ein andermal die Liebe selbst geboten wird (Vers 12). Diese Spannung entsteht allerdings schon im Hauptteil der Perikope und nicht erst in der Klammer. In der Klammer wird das Liebesgebot untermauert, d.h. die Behauptung, dass der Mensch nicht ohne den Willen Gottes lieben kann. So scheint es zumindest.
Sicher steht das Liebesgebot aus Vers 12 im Mittelpunkt, es wird in Vers 17 ja noch einmal wiederholt und damit unterstrichen. Nur was es nun eigentlich bedeutet, bleibt bis zu einem gewissen Grade offen.
Jesus fordert zur Liebe untereinander auf, wobei das Einhalten der Gebote eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen scheint. Lieben kann man nur, wenn man auf einer festen Grundlage, den Geboten, steht. Nur eines macht uns Probleme: es gibt eigentlich keinen "Gebotekatalog" im Johannes-Evangelium, und wir sollten diesen Zusammenhang nicht verlassen, wenn wir uns bemühen, diesen Text zu verstehen. Hier die Bergpredigt einzubeziehen oder gar Stücke aus den paulinischen Briefen, wäre verfehlt. Dieses Problem hat der Autor wohl auch erkannt oder bewusst geschaffen, denn in Vers 12 kommt ja nun das Gebot Jesu: dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Was zunächst wie ein Widerspruch erscheint, beginnt nun einzuleuchten: Es gibt nur dieses eine Gebot, und dieses Gebot gilt es natürlich einzuhalten - doch wenn es eingehalten wird, dann bleiben wir auch in der Liebe, die uns von Gott in Jesus Christus gezeigt wird. So schließt sich ein Kreis, der erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang, der von der Epistel her begründet ist, ist schwer nachzuvollziehen. Worin ist hier eine "geistliche Waffenrüstung" zu erkennen? Sicher ist die Liebe die größte und wirklungsvollste Waffe, mit der wir kämpfen können, aber das Bild wird hier nicht ausgeführt oder aufgenommen. Dennoch kann diese Thematik für die Predigt herangezogen werden. Denn tatsächlich ist die Liebe die einzige Waffe, mit der wir uns gegen die Gewalt und den Hass in dieser Welt einsetzen können und die tatsächlich eine Veränderung bewirkt.

Liedvorschläge zur Predigt:


Nun bitten wir den heiligen Geist (EG 124)
Herz und Herz vereint zusammen (EG 251)
Einer ist's, an dem wir hangen (EG 256, 1-2)
Liebe, die du mich zum Bilde (EG 401)
So jemand spricht... (EG 412)
Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein (EG 417)
Herr, der du einst gekommen bist (KHW/HN-EG 586)



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