das Kirchenjahr

13. Sonntag nach Trinitatis

*Die Liebe Gottes

Predigtanregung

Der 13. Sonntag nach Trinitatis redet von der Liebe zu Gott und ihren Ausdrucksformen. Die Liebe zu Gott kann so wie jede menschliche Liebe zur Eifersucht führen, die vor dem Verbrechen nicht zurückschreckt (Kain und Abel), sie kann aber auch zur barmherzigen Tat veranlassen (das Evangelium). Wer seine Liebe zu Gott zur Schau stellt und damit zum Selbstzweck verkommen lässt, braucht von Gott nichts mehr erwarten.

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IV - Lk 10, 25-37

Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 27 Er antwortete und sprach: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst" (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18). 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.
29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. 31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Jesus wird von einem Schriftgelehrten angesprochen. Lukas deutet dies gleich als eine Versuchung. Aber vielleicht ist es auch nur eine neugierige Frage, denn diese Frage hat man sich oft gestellt und stellt sich auch heute noch: was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? (Es war übrigens damals durchaus nicht üblich, an ein ewiges Leben zu glauben).
Jesus antwortet auf die Frage mit einer Gegenfrage, die der Schriftgelehrte perfekt beantwortet. Als Jesus ihn nun zum Handeln auffordert, wird der Schriftgelehrte unsicher (ich zweifle an der Interpretation des Lukas, dass er sich selbst rechtfertigen wolle). Auf die Frage, wer sein Nächster sei, antwortet er mit dem allseits bekannten GLeichnis vom "Barmherzigen Samariter".
Das Gleichnis selbst findet seine Spitze darin, dass Priester und Levit, die nun genau dieses Gesetz vorbildlich umsetzen sollten, aufgrund anderer ritueller Pflichten (sie sind auf dem Weg nach Jerusalem zum Tempeldienst, den sie nur begehen können, wenn sie sich nicht vorher mit Blut verunreinigt haben) es nicht tun. Dazu kommt, dass der, der die Barmherzigkeit ausübt, einer ist, der von den religiös "richtig" orientierten Schriftgelehrten und Pharisäern geächtet wird, eben einer aus Samaria.
Interessant ist dann die Frage Jesu: welcher dem dem, der unter die Räuber gefallen ist, der Nächste gewesen? Die Antwort ist klar, es kann nur der Samariter gewesen sein. Aber diese Frage hat mit dem Doppelgebot der Liebe zunächst nichts zu tun, denn wenn man herausfinden will, wer der Nächste im Sinn dieses Gebotes ist, dann hätte man fragen müssen, wer dem Priester und dem Levit und zuletzt dem Samartier der Nächste war. Jesus stellt diese Frage aber nicht! Von daher scheint mir, dass die Spitze, die wir oft als solche empfinden, nämlich dass sich die Frommen der Barmherzigkeit verschließen, gar nicht relevant ist.
Man neigt zwar bei diesem Gleichnis leicht dazu, die Priesterschaft (Pharisäer?) zu verurteilen, aber ich möchte dies zumindest in Frage stellen. Es geht im Gleichnis nur darum, klar zu machen, wer dem Geschundenen der Nächste wird. Die Konsequenz "So geh hin und tu desgleichen" besagt dann nicht, dass man helfen soll, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, sondern dass man sich auf die Suche begeben muss nach dem, dessen Nächster man schon längst ist. Man begegnet seinem Nächsten also nicht zufällig - der/die Nächste ist längst da!
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist recht offensichtlich. Die Liebe Gottes gilt allen Menschen und wird in dem Doppelgebot der Liebe zum Ausdruck gebracht. Wir lieben Gott, weil er uns liebt - anders ist unsere Liebe nicht möglich. Und weil er uns liebt, können wir auch unseren Nächsten lieben.

Liedvorschläge zur Predigt:


Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232)
Herz und Herz vereint zusammen (EG 251)
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
Ich will dich lieben, meine Stärke (EG 400)
Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt (EG 413)
Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)
In Gottes Namen wolln wir finden (EG 631)



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