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4. Sonntag nach Trinitatis
Die Gemeinde der Sünder - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

Der 4. Sonntag nach Trinitatis wendet sich der Gemeinde zu. Sie wird als Gemeinde der Sünder gesehen, die der Gnade Gottes bedarf. Ohne die Erkenntnis der eigenen Sünde ist es unmöglich, die Gnade Gottes anzunehmen, weil man sie nicht für nötig hält. Selbstgerechtigkeit entsteht, die dann in Überheblichkeit und Menschenverachtung mündet. Wichtig ist der Aspekt der Gemeinschaft; wir sind Sünder eben nicht (nur) als Individuen, sondern als Gemeinschaft, indem wir z.B. durch Schweigen teilhaben an dem Unrecht, das an anderen durch Menschen unserer Gemeinschaft geschieht.

III - 1. Mose 50, 15-21*
Rev. 2014: Lk 6, 36-42 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. 16 Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: 17 So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als sie solches zu ihm sagten.
18 Und seine Brüder gingen hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. 19 Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Statt? 20 Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. 21 So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Eine sehr menschliche Erzählung. Da verstecken sich die Brüder Josefs hinter der Autorität des vor kurzem gestorbenen Vaters, und die Gnade und Vergebung Josefs zu erlangen. Die "Missetat" selbst wird gar nicht beschrieben, es genügt, dass von der "Missetat" geredet wird. Man kann darüber schmunzeln, aber man kann auch fragen, warum sie nicht mit erhobenem Kopf auf Josef zugingen, anstatt sich im Schatten des übergroßen Vaters zu verstecken, und die Schuld offen vor ihm zuzugeben und um Vergebung zu bitten? Wir alle haben die Erfahrung gemacht und wissen, wie schwer solch ein Gang ist. Um wieviel leichter wird er, wenn man irgendwo eine Autorität herausholen kann, die dabei hilft.
Josefs Reaktion ist von Großmut gezeichnet. Gott hat aus dem Bösen Gutes getan, und darum ist alles, was ihm weh getan hat, vergeben und vergessen. Auch will er sich nicht an Gottes, des Richters, Statt stellen.
Denken wir kurz über die Alternative nach: Die Brüder hätten auch kommen und sagen können: "Du bist unser Bruder, du bist reich geworden mit unserer Hilfe (denn ohne uns wärst du ja nie nach Ägypten gekommen), deswegen lass uns teilhaben an deinem Reichtum, baue uns Häuser, gib uns Land und Vieh und Knechte, die für unser Land und Vieh sorgen." Nichts dergleichen. Es ist eben doch das Bewußtsein der Missetat da, die Brüder schauen nicht auf das Ergebnis so wie Josef, sondern auf ihre ganz konkrete Tat.
Ein solches Verhalten läßt sich immer recht leicht aktualisieren: Für geschehenes Unrecht läßt sich oft eine Gutmachung vorkramen, die dann evtl. das Schuldbekenntnis überflüssig macht. Ganz banal: einem wird die Vorfahrt genommen, es geschieht aber kein Unfall, man neigt schnell dazu, zu sagen: es ist ja alles gut gegangen. Der "Schuldige" fühlt sich nicht mehr schuldig.
Es ist gut zu wissen dass Gott aus auch Bösem Gutes machen kann, und manchmal auch verworrene Wege beschreitet, um zum Guten zu kommen. Aber das ist kein Freibrief, Böses zu tun.
Topaktuell wäre in diesem Zusammenhang der Krieg der Nato zur "Befreiung" des Kosovo. Hier wurden nun unzählige Menschen heimatlos gemacht, viele wurden getötet (nicht nur Albaner, sondern auch Serben), usw. Man muss sich davor wehren, den Erfolg zur Rechtfertigung des Leids, das dieser Krieg ausgelöst hat, heranzuziehen. Es ist Unrecht geschehen, es sind Menschen umgekommen, es ist Hab und Gut zerstört worden. Es ist noch nicht mal richtig, hier zwischen den Albanern und Serben zu unterscheiden. Beide haben gleichermaßen unter dem Krieg gelitten. Nun wird die Nato die Mittel bereitstellen, den Kosovo wieder bewohnbar zu machen, und die Akte mit dem guten Gefühl schließen, einen Menschenverächter, einen Faschisten zum Nachgeben gezwungen zu haben. Opfer müssen für dieses hehre Ziel wohl gebracht werden... ?!
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang erinnert uns daran, dass Unrecht oft gemeinschaftlich geschieht, auch wenn nur wenige es ausführen. Auch wenn einzelne Soldaten beim bombardieren Fehler gemacht haben, ist doch die Nato als Organisation verantwortlich. Auch wenn nicht alle Brüder aktiv mitgemacht haben beim Verkauf Josefs nach Ägypten, haben doch alle zugestimmt. Auch wenn nicht jeder Deutsche die Juden usw. in die KZs geschickt und dort mißhandelt hat, so haben wir doch wenigstens indirekt davon gewußt und zugestimmt, ja die Propaganda u.U. sogar mit verbreitet.

Liedvorschläge zur Predigt:

Heilger Geist, du Tröster mein (EG 128)
Lehr uns, einander zu vergeben (EG 240, 3)
All unsre Schuld vergib uns, Herr (EG 344, 6-9)
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)
O Durchbrecher aller Bande (EG 388)
Ein wahrer Glaube Gott's Zorn stillt (EG 413)
Fürchte dich nicht (NB-EG 595)
Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen (NB-EG 612;KHW-EG 628)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

Zuletzt überarbeitet: 24 Juni 2015
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