Der 18. Sonntag nach Trinitatis ist bestimmt vom Evangelium
über das "höchste Gebot", das sowohl von der Gottesliebe als auch der
Nächstenliebe redet. Dies gibt uns erneut Gelegenheit, über das
Verhältnis der Christen zum jüdischen Volk nachzudenken, denn dieses
höchste Gebot stammt in seiner zweifachen Ausrichtung vollständig aus
der jüdischen Tradition. Allerdings haben die anderen Texte nicht immer
das "höchste Gebot" im Sinn, sondern reden auch von der Nachfolge im
Allgemeinen. Der alttestamentliche Text ist die Perikope mit den "10
Geboten".
Präfamen: Gerne denken wir, dass das höchste Gebot aus dem Buch des zweiten Bundes, dem sogenannten Neuen Testament,
stammt, aber da irren wir uns. Dort wird nur erzählt, wie ein Schriftgelehrter nach den wichtigsten Geboten fragt. Als Jesus ihm
diese beiden Gebote aus dem Buch des ersten Bundes,
das wir auch das Alte Testament nennen, zitiert, ist für ihn klar, dass Jesus recht, d.h. richtig, lehrt.
Jesus spricht diesem Schriftgelehrten zu, dass er nicht weit vom Reich
Gottes entfernt ist. So hört, wie geschrieben steht im Evangelium nach Markus im 12. Kapitel:
Es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er
ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus aber antwortete ihm:
Das höchste Gebot ist das: "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen
Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften" (5. Mose 6,4.5).
31 Das andre ist dies: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot
größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer,
und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und
seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Als Jesus aber sah,
dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.
Präfamen: Paulus fasst die 10 Gebote in seinem Brief an die Römer zusammen und nimmt dabei die Verwirklichung des Reiches
Gottes in den Blick. Durch den Lebenswandel und den Umgang miteinander wird auch das Reich Gottes unter uns schon verwirklicht.
So hört, wie er im 14. Kapitel des Briefes an die Römer schreibt:
Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geist.
18 Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. 19 Darum laßt uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.
Und als er
sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte
ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber
Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.
Du kennst die Gebote: «Du sollst nicht töten; du sollst nicht
ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du
sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.» Er aber sprach zu ihm:
Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn
an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe
alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel
haben, und komm und folge mir nach! Er aber wurde unmutig über das Wort
und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Und Jesus sah um
sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das
Reich Gottes kommen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine
Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie
schwer ist's, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel
durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.
Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann
dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist's
unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei
Gott.
Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus
Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der
Person. 2 Denn wenn in eure Versammlung ein Mann
käme mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es käme aber
auch ein Armer in unsauberer Kleidung 3 und ihr
sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu ihm: Setze
du dich hierher auf den guten Platz! und sprächet zu dem Armen: Stell du
dich dorthin! oder: Setze dich unten zu meinen Füßen!,
4 ist's recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht
und urteilt mit bösen Gedanken? 5 Hört
zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der
Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen
hat denen, die ihn lieb haben? 6 Ihr aber habt dem
Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch
üben und euch vor Gericht ziehen? 7
Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch
genannt ist? 8 Wenn ihr das königliche Gesetz
erfüllt nach der Schrift (3. Mose 19,18): «Liebe deinen
Nächsten wie dich selbst», so tut ihr recht; 9
wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet
überführt vom Gesetz als Übertreter. 10
Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen
ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig. 11
Denn der gesagt hat (2. Mose 20,13.14): «Du sollst nicht
ehebrechen», der hat auch gesagt: «Du sollst nicht
töten.» Wenn du nun nicht die Ehe brichst, tötest aber, bist du
ein Übertreter des Gesetzes. 12 Redet so und
handelt so wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden
sollen. 13 Denn es wird ein unbarmherziges Gericht
über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber
triumphiert über das Gericht.
Präfamen: Tausende von Seiten umfassen die Gesetzeswerke unseres Landes. Selbst unser Grundgesetz, das nur grundlegende
Gesetze enthält, umfasst 146 Artikel, von denen viele noch untergliedert sind. Gott hält nur 10 Gesetze für wichtig und ausreichend.
Und wenn man es genau betrachtet, dann ist es tatsächlich so. So hört, was geschrieben steht im Buch Exodus im 20. Kapitel:
Und Gott redete alle diese Worte: 2 Ich bin der HERR,
dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft,
geführt habe. 3 Du sollst keine anderen Götter haben neben
mir. 4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder
von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem,
was im Wasser unter der Erde ist: 5 Bete sie nicht an und diene ihnen
nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat
der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer,
die mich hassen, 6 aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die
mich lieben und meine Gebote halten. 7 Du sollst den Namen des HERRN,
deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft
lassen, der seinen Namen mißbraucht. 8 Gedenke des Sabbattages,
dass du ihn heiligest. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle
deine Werke tun. 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN,
deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine
Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in
deiner Stadt lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde
gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage.
Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. 12 Du sollst
deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem
Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. 13 Du sollst nicht
töten. 14 Du sollst nicht ehebrechen. 15 Du sollst nicht
stehlen. 16 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen
Nächsten. 17 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du
sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch
alles, was dein Nächster hat.
So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise,
16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17 Darum werdet nicht unverständig,
sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches
Wesen folgt, sondern laßt euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und
geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für
alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.