das Kirchenjahr

Miserikordias Domini

Der gute Hirte

Predigtanregung

Der Name des Sonntags Miserikordias Domini leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: Misericordias Domini plena est terra. (Ps 33, 5; deutsch s. Antiphon).
Der Sonntag Miserikordias Domini wird durch das Evangelium vom Guten Hirten bestimmt. Der Hirte sorgt für seine Schafe, die ihm treu folgen. Gleichzeitig wird aber auch der Hinweis laut auf die "falschen Hirten", die nur an ihren eigenen Vorteil denken. Entscheidend ist jedoch die Zusage Jesu, dass er als der gute Hirte sein Leben hingibt für die Schafe. Das bedeutet, dass wir umfassenden Schutz genießen und uns vor nichts zu fürchten brauchen, auch wenn es dunkel um uns wird.

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IV - Joh 21, 15-19

Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! 17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. 19 Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Jesus redet Petrus an. Dabei provoziert er ihn zunächst, indem er ihn an die dreifache Verleugnung erinnert. Petrus erinnert sich und wird deswegen traurig. Der ganze Dialog ist aber darüber hinaus beachtenswert. Dreimal fragt Jesus: Hast du mich lieb? Dreimal antwortet Petrus: Ja, du weißt, dass ich dich lieb habe. Dabei ist nicht unbedeutend, dass Petrus darauf hinweist, dass Jesus es schon weiß, die Frage daher also eigentlich überflüssig ist. Jesus zieht eine Konsequenz: Weide meine Schafe. Die Frage, die sich erhebt, ist folgende: Will Jesus mit diesem Auftrag die Stellung des Petrus besonders hervorheben? Will er damit genereller sagen, dass der, der Jesus lieb hat, durchaus auch in der Lage ist, Führungsfunktionen zu übernehmen? Es ist wohl eher wahrscheinlich, dass Johannes bereits gewachsene Tradition hier verarbeitet: Petrus stand im Mittelpunkt der Gemeinde. Darum wird er hier auch besonders beauftragt. Denn wenn es ein allgemeiner Auftrag wäre, der nur deswegen ergeht, weil Petrus seinen Herrn lieb hat, dann würde sofort die Frage im Raum stehen, was mit den "Schafen" los ist: haben sie Jesus etwa weniger lieb? Das ist äußerst unwahrscheinlich.
Gehen wir also davon aus, dass hier die Position des Petrus hervorgehoben wird, dann muss man gleich weiter fragen, ob damit auch die Gemeindestruktur definiert wird. Bedeutet dieser Text, dass es immer einen Hirten geben muss, der die Schafe weidet? Muss dieser Hirte immer von Jesus (durch einen anderen "Hirten") berufen und eingesetzt werden?
Hier geht wohl die Interpretation des Textes zu weit. Es geht hier um Petrus, und nicht um ein Amt. Petrus hatte eine leitende Funktion, in der er der ganzen ersten Christenheit vorstand. Diese wird hier begründet, aber nicht institutionalisiert.
Zugleich wird durch die Anknüpfung an die Verleugnung deutlich, dass das Amt, das Petrus innehat, in keiner Weise eine Belohnung für außerordentliche Leistungen oder überaus starken Glauben ist. Im Gegenteil. Petrus war ein "Schwächling", ein Versager. Dennoch wird er in eine besondere Stellung berufen.
Die Verse 18 und 19 erscheinen etwas merkwürdig. Natürlich sollen sie auf den Märtyrertod hinweisen, den Petrus aller Wahrscheinlichkeit nach erlitten hat. Aber die Art und Weise, wie dies angezeigt wird, ist beachtenswert. Sie geht davon aus, dass der Leser weiß, wie Petrus starb.
Da diese Verse im Zusammenhang mit dem Auftrag "Weide meine Schafe" stehen, kann man versuchen, sie von daher zu verstehen: Petrus wird als Hirte irgendwann in seinem Leben selbst wieder zu einem Schaf werden, das geführt wird. Dabei ist das Ziel des geführten Weges unerwünscht, eben, der Märtyrertod. Dadurch deutet der Text an: auch wer zum Hirten berufen ist, bleibt doch selbst Schaf. Insofern kann man vielleicht sogar eher von "Leithammel" reden. Der wirkliche und einzige Hirte ist Jesus Christus.
Von daher ergibt sich auch der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang. Der gute Hirte ist natürlich nicht Petrus, sondern Jesus Christus. Er offenbart sich dadurch, dass er seine Schafe führt, so wie es ein Hirte tut. Ziel ist in der Regel immer die grüne Aue, aber manchmal auch Leiden und Sterben. Das hängt von Dingen ab, auf die wir keinen Einfluss haben. Diesen Gedanken kann die Predigt thematisieren.

Liedvorschläge zur Predigt:


Nun, was du, Herr, erduldet (EG 85, 5-5.8-10)
Wenn ein Schaf verloren ist (EG 353, 3-6)
Volles G'nügen, Fried und Freude (EG 386, 9-10)
*Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (EG 397)
Ich will dich lieben, meine Stärke (EG 400)
Meinen Jesus lass ich nicht (EG 402)

Fürbittengebet

Du, Herr, bist unser Hirte. Du bist uns nahe, auch in dunklen Stunden, auch dann, wenn wir dich nicht sehen können: dein Stecken und Stab trösten uns. Wir danken dir, dass du für uns sorgst, und bitten dich:
Gehe denen nach, die meinen, es alleine schaffen zu können, die glauben, dass sie den Weg auch ohne dich kennen. Hilf ihnen auch auf ihrem Weg. Sei ihr Licht, damit sie erfahren, dass du ihr Hirte bleibst, auch dann, wenn sie vom Weg abschweifen.
Nimm dich der jungen Menschen an, so wie ein Hirte sich um die Lämmer in der Herde kümmert. Hilf ihnen, auf die Beine zu kommen, wenn sie gestrauchelt sind. Hilf ihnen, Vertrauen zu entwickeln, und führe ihnen Menschen zu, die dieses Vertrauen verdienen. Lass uns selbst ihnen Hilfe und Stütze sein.
Nimm dich der Hungernden in der Welt an. Öffne den Reichen die Augen, und lass uns erkennen, wie sehr wir durch unseren Lebensstil mit ihrem Leben verquickt sind. Fülle ihre Hände, zeige uns Wege zu größerer Gerechtigkeit, zu wahrem Frieden.
Nimm dich derer an, die sich bemühen, ihr Leben durch ihrer Hände Werk zu fristen. Lass nicht zu, dass Großgrundbesitzer sie in die Enge treiben, und hilf, dass der Ertrag ihrer Felder reicht, um ein Leben in Frieden führen zu können. Hilf, dass die in Wirtschaft und Politik Mächtigen endlich bereit sind, Schulden zu erlassen und wahre Hilfe zu leisten.
Nimm dich unserer Kranken und Schwachen an, so wie ein Hirte das kranke Schaf auf seine Schultern legt. Lass sie erfahren, dass du sie trägst. Heile sie an Leib und Seele.
Alles, was uns noch bewegt, bringen wir vor dich in der Stille. Stille... Nimm dich unser gnädig an. Rette und erhalte uns, denn dir allein gebührt Ruhm, Ehre und Anbetung, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen



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