das Kirchenjahr

Ostermontag

Auf dem Weg*

Predigtanregung

Der Ostermontag nimmt Bezug auf die Ereignisse unmittelbar nach der Auferstehung. Die Reaktion der Jünger und die ersten Erscheinungen Jesu stehen nun im Mittellpunkt, wobei auch die Konsequenzen der Auferstehung schon deutlich werden.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

IV - Jona 2 (1-2)3-10(11)

Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. 2 Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches 3 und sprach:
Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes und du hörtest meine Stimme.
4 Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, 5 dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. 6 Wasser umgaben mich und gingen mir ans Leben, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. 7 Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott! 8 Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. 9 Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade. 10 Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will ich erfüllen dem HERRN, der mir geholfen hat.
11 Und der HERR sprach zu dem Fisch und der spie Jona aus ans Land.

Vom „Zeichen des Jona” hat Jesus geredet, und das ist wohl auch der Anlass dafür, dass ein Abschnitt aus dem Jona-Buch am Ostermontag als Predigttext vorgeschlagen wird. Das Dankgebet des Jona spricht zwar vom Tod und vermittelt den Eindruck, dass der so betende Mensch aus einer todbringenden Situation errettet wurde - was ja auch stimmt. Jona hat den Tod nicht erlitten. Aber er war eine Zeit lang untergetaucht, bewahrt im Bauch eines Fisches. Inwieweit es sich bei der Jonageschichte um Wahrheit oder „nur” Bildworte handelt, ist nicht relevant. Es geht um die Erfahrung, allem Leben entzogen zu sein. Jona war praktisch gesehen tot, denn er konnte keinen Umgang mehr mit anderen Menschen haben. Erst als er wieder an Land gespien wurde, kehrte er gewissermaßen zum Leben zurück. Deswegen hat auch die frühe christliche Kirche die Erzählung von Jona als Hinweis auf Jesu Tod und Auferstehung gedeutet.
Allerdings bestehen zwischen Jesu Tod und Auferstehung und Jonas „Untertauchen” gravierende Unterschiede, weswegen es weniger sinnvoll scheint, diese Verbindung zu betonen, sondern vielmehr auf die Erfahrung Jonas zu schauen. Er deutet mit den ersten Sätzen wohl auf die Schiffsreise hin (Vers 3) und darauf, dass er dann über Bord geworfen worden war (Vers 4). Es ist interessant, dass Jona hier Gott selbst als Ursache für diese verzweifelte Tat der Schiffsleute bezeichnet - dabei hatte er selbst sie dazu aufgefordert, ihn über Bord zu werfen. Jona stellt damit sein gesamtes Handeln unter den Willen Gottes und sieht darum auch in seinen eigenen Verfehlungen letztlich Gott am Werk. Tatsächlich erscheint uns die kurze uns bekannte Episode aus dem Leben Jonas so, als ob er hätte tun können, was er wollte, immer wäre es darauf hinausgelaufen, dass er nach Ninive gezogen und dort die Bußpredigt gehalten hätte. Gab es für ihn einen Ausweg? Wohl kaum.
Hier wäre nun eine deutlichere Parallele zu Jesu Tod (und Auferstehung) zu erkennen: Jesus sträubte sich ja auch (Gebet in Gethsemane), fügte sich aber dem Willen Gottes, der zum Kreuz führte. Man könnte von hier aus zu dem Schluss kommen, dass der Mensch nicht frei ist in seinen Entscheidungen, sondern Gott am Ende seinen Willen immer durchsetzt (Prädestination). Das würde aber wohl zu weit führen. Denn sowohl Jona als auch Jesus haben freiwillig entschieden, den Weg zu gehen, den sie gegangen sind. Es ist die Erkenntnis, dass wir Gott nicht entrinnen können, wenn wir uns auf Gott eingelassen haben, die uns Schritte tun lässt, die wir sonst vielleicht nicht tun würden. Und wer weiß, ob das nicht auch für die Menschen gilt, die von Gott nichts wissen wollen. Aber es heißt nicht, dass wir wie Marionetten von Gott gesteuert werden.
Am Ostermontagmorgen noch einmal auf den Karfreitag zurück zu blicken, was angesichts dieses Predigttextes nötig wäre, scheint falsch zu sein (die Perikope wird ja auch schon für den Karsamstag vorgeschlagen). Auch Vers 9, der eine ganz wesentliche, vielleicht sogar die wichtigste, Aussage der Perikope enthält, passt nicht zum Ostermontag. Von daher bin ich versucht, zu empfehlen, einen der Marginaltexte auszuwählen und auf die Auslegung dieses Textes zu verzichten. Wenn es aber doch dieser Text sein soll, wird es nötig sein, die Erfahrung Jonas mit dem Ostergeschehen in Beziehung zu setzen : so wie Jonas erkennt, dass Gott uns aus dem Tod herausholt (auch wenn Jona nicht tot war), so dürfen wir erkennen, dass die (Schein-)Realität des Todes nicht endgültig ist.

Liedvorschläge zur Predigt:


Christ ist erstanden (EG 99)
Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100)
Christ lag in Todesbanden (EG 101)
Jesus Christus, unser Heiland (EG 102)
Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 107)
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
Auf, auf, mein Herz, mit Freuden (EG 112)
Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin (EG 114)
Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt (EG 154)
Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518)



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