das Kirchenjahr

Christfest II

Die Geburt des Herrn

Predigtanregung

Das Christfest II ist zugleich der Tag des Erzmärtyrers Stephanus. Inhaltlich ist dieser Tag, wenn er als "Tag nach der Geburt des Herrn" gefeiert wird, nur noch ein Abglanz. Seine Existenz geht auf das Verlangen zurück, die Weihnachtsbotschaft immer und immer wieder zu hören, gewissermaßen das Geschehen der Christnacht zu einem andauernden Erlebnis werden zu lassen. Eine besondere Stellung erhält dieser Tag jedoch durch das Evangelium, das den Prolog des Johannes-Evangeliums enthält und so die Geburt Jesu in den Kontext der Schöpfung stellt. Von daher ist dieser Tag vielleicht gerade heute von besonderer Bedeutung.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

III - Hebr 1, 1-4(5-14)

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, 2 hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. 3 Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe 4 und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name. 5 Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt (Psalm 2,7): „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt”? und wiederum (2. Samuel 7,14): "Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein"? 6 Und wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er (Psalm 97,7): "Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten." 7 Von den Engeln spricht er zwar (Psalm 104,4): ”Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen„, 8 aber von dem Sohn (Psalm 45,7-8): ”Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches. 9 Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen.„ 10 Und (Psalm 102,26-28): ”Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. 11 Sie werden vergehen, du aber bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; 12 und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.„ 13 Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt (Psalm 110,1): ”Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache„? 14 Sind sie nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen?

In diesem Text geht es offenbar darum, die Gottessohnschaft Jesu gegen die Ansicht zu verteidigen, er sei ein auf Erden gekommener Engel bzw. ein von Gott geschaffenes Wesen, das zwar vom Geist Gottes erfüllt, aber nicht Gott ist. Der Autor des Hebräerbriefes will, wie man im sppäteren Verlauf des Hebräerbriefes erkennen kann, deutlich machen, dass nur dann, wenn Jesus Gottes Sohn und damit „eines Wesens mit dem Vater” ist, sein Tod am Kreuz die entscheidende Bedeutung haben kann, die ihm durch die Christen seiner Zeit weithin beigemessen wurde: das Heil, die Rechtfertigung vor Gott.
Man sollte meinen, dass man sich mit einer anderslautenden Ansicht heute nicht beschäftigen müsse, denn über mehrere Jahrhunderte haben die Kirchenväter um diese Erkenntnis gerungen und sie schließlich in den Glaubensbekenntnissen der Kirche festgeschrieben. Das Gegenteil aber ist der Fall: heute gibt es immer mehr zur Kirche gehörende Menschen, die in Jesus wohl einen besonders begabten und aus der Masse herausgerufenen Menschen, aber nicht Gottes Sohn im Sinne eines von Gott Gezeugten erkennen wollen. Selbst unter Theologen wird diese Ansicht immer öfter hörbar.
So bietet dieser Text, der allerdings mit nicht gerade stichhaltigen Zitaten aus den Psalmen den Anspruch der Gottessohnschaft Jesu untermauern möchte, eine Grundlage für eine Erörterung dessen, was durch die Geburt Jesu von seiten Gottes bewirkt und erwirkt wurde.
Es geht immer um unser Verhältnis zu Gott und die Vermessenheit des Menschen, zu meinen, seinen Hals selbst und ohne Hilfe aus der Schlinge ziehen zu können. Jesus hat schon deutlich gemacht, dass kein Mensch in der Lage ist, ohne Sünde zu leben (s. Mt 5), und dementsprechend es auch unmöglich ist, sündfrei vor Gott zu treten. Insofern müsste jeder Mensch den ewigen Tod als „Lohn der Sünde” empfangen. Aber Gott hatte einen anderen Plan für uns Menschen, weswegen er seinen Sohn in die Welt sandte, um die nötige Versöhnung zu bewirken. Die Sühne erfordert ein Opfer und kann nur von dem ein für allemal vollbracht werden, der selbst ohne Sünde ist. Der Tod Jesu am Kreuz ist dieses Opfer, und erst dadurch können wir vor Gott treten, ohne zum Tod verurteilt werden zu müssen. Wir können im Gegenteil zur Gemeinschaft der Heiligen hinzugefügt werden. Das ist möglich, indem wir im Glauben auf dieses Heilswerk Gottes vertrauen.
Soweit kann man wohl, ganz grob, den Hebräerbrief zusammenfassen. Die Predigt sollte versuchen, diese theologischen Gedankengänge den Zuhörern zugänglich zu machen. Dabei liegt der Schwerpunkt darauf, dass Gott Mensch wurde, und zwar nicht nur, um uns nahe zu sein oder um uns zu zeigen, wie man eigentlich als Menschen miteinander leben müsste, sondern um uns von der Schuld zu befreien, die unweigerlich auf uns lastet.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich aus dem Aspekt der Menschwerdung Gottes, denn das ist es, was an diesem Tag gefeiert wird.

Liedvorschläge zur Predigt:

Gelobet seist du, Jesu Christ (EG 23)
Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich (EG 27)
Es ist ein Ros entsprungen (EG 30)
Fröhlich soll mein Herze springen (EG 36)
Ich steh an deiner Krippen hier (EG 37)
In diesem Lichte kannst du sehen (EG 40, 3-5)
Dies ist der Tag, den Gott gemacht (EG 42)
Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich (EG 351)



Buchempfehlungen:
  • Die Lesepredigt 2020/2021 - Perikopenreihe IIIWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . 54. Jahrgang v. Horst Gorski, VELKD (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2020, 552 S. - 1. Auflage.
    Loseblattausgabe mit CD-ROM. Bewährte Arbeitshilfe für Pfarrer/innen, Lektor(inn)en und Prädikant(inn)en.
Weitere Buchvorschläge rund um den Gottesdienst...