das Kirchenjahr

Christfest II

Die Geburt des Herrn

Predigtbeispiele

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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe VI - 2. Kor 8, 7-9

Liebe Gemeinde!
Arm und reich – das ist ein Thema für sich. Es wird immer häufiger darüber gesprochen, immer mehr Menschen wird bewusst, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer und weiter wird.
In unserem Predigttext geht es auch um arm und reich, aber nicht darum, dass die Kluft zwischen beiden größer wird, sondern darum, dass es zu einem Wechsel kommt.
Arm wird reich, und reich wird arm.
Das sagt sich so leicht dahin, aber es umzusetzen scheint unmöglich.
Wir sehen ja in unserer Umgebung, wie die Armut immer mehr zunimmt, während einige wenige immer mehr vom Reichtum dieser Welt ihr Eigentum nennen.
Davon abgeben tun sie zwar, aber das sind nur Almosen, die die entstandenen ungerechten Strukturen nicht verändern, sondern eher noch untermauern.
Ein Wechsel zwischen Arm und Reich, wie er im Magnifikat, dem Lobgesang der Maria, angekündigt wird, indem sie sagt: die Hungrigen füllt er mit Gütern, und die Reichen lässt er leer ausgehen, scheint kaum möglich.
Aber die Begriffe „Arm“ und „Reich“ können auch anders gefüllt werden. Es muss nicht an der Menge des Besitzes oder an der Höhe des Einkommens festgemacht werden, ob einer arm oder reich ist.
Materieller Reichtum kann nämlich andererseits ganz schön arm machen, weil Reichtum leicht korrumpiert. Man meint, sich alles kaufen zu können. Reichtum hat außerdem die Eigenschaft, Verlangen zu wecken: man will immer mehr. Das, was man hat, genügt einem nicht, obwohl man viel mehr hat, als man zum Leben tatsächlich braucht. Man will dennoch mehr und mehr und wendet, um dies zu erreichen, immer mehr Zeit und Geld dafür auf.
Weil Reichtum einem das Gefühl vermittelt, alles haben zu können, meint man auch, sich das Glück selbst kaufen zu können. Doch Glück kann man sich nicht kaufen, und so wird das Leben ein rastloses Suchen voller Enttäuschungen. Jedes Mal, wenn man meint, das Glück gefunden zu haben und sich die Ursache dieses vermeintlichen Glücks gekauft hat, sieht man irgendwo etwas, wovon man meint, dass es einem mehr Glück schenken würde, und kauft es dann auch. Nach kurzer Zeit ist auch diese Glücksquelle kraftlos geworden, man kauft sich wieder etwas anderes, und so geht es weiter und weiter.
Auf der anderen Seite sind die Armen. Viele leiden unter ihrer Armut, ihnen geht es nicht gut. In vielen Ländern der Welt können sie noch nicht mal mehr die Dienste eines Arztes in Anspruch nehmen, wenn sie krank sind. Sie leiden unter einseitiger Ernährung, weil Gemüse und Obst zu teuer sind.
Aber diese Menschen erfahren ihr Leben oftmals nicht nur als Überlebenskampf. Auch für sie gibt es Dinge, die sie als Glück bezeichnen. Aber sie kaufen sich diese Dinge nicht. Sie sind vielmehr Bestandteil ihres Lebens, greifen direkt in ihre Lebenserfahrung ein. So freuen sie sich und sind glücklich, wenn sie einmal etwas mehr zu essen bekommen als sonst. Oder wenn ein Arzt sie kostenlos behandelt und sie wieder gesund werden. Dazu kommt, dass sie meist in einer großen Familie leben, durch die sie trotz aller Armut Hilfe und Trost erfahren.
Nun, das klingt alles sehr stereotyp, und das ist es sicher auch. So einfach darf man es sich nicht machen, denn darin liegt ja auch die Gefahr, die Armut zu glorifizieren, was sicher nicht geschehen darf.
Dennoch bergen diese Aussagen etwas Wahrheit in sich. Denn auch wenn es nicht immer so ist, erfahren Reiche ihr Glück doch überwiegend dadurch, dass sie ihren Reichtum auf irgendeine Weise vermehren. Die Armen hingegen erfahren Glück, indem sie ihr Leben auf ganz existenzieller Ebene wahrnehmen und so gut es geht gestalten.
Und dann kann man schon die Frage stellen, wer arm und wer reich ist.
Gerade im Angesicht Gottes wird diese Frage leicht zu beantworten sein: reich ist, wer sein Leben wahrnimmt, wer sich selbst in die Hand Gottes begibt, ja, man kann wohl sagen: wer sich Gott ausliefert. Und das gelingt einem, der in materieller Armut lebt, viel leichter, weil er ja nichts anderes hat, worauf er sich verlassen kann.
Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus“, schreibt Paulus, „obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.
Jesus Christus ist reich: keine Frage. Er kann die Welt mit einem Schlag verwandeln. Er ist allmächtig. Er verfügt über alle Mittel. Er könnte das Böse aus dieser Welt vertilgen. Aber er tut etwas anderes.
Er gibt all diese Macht auf. Er wirft seinen Reichtum weg, wird arm, nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch und gerade im Blick auf seine Göttlichkeit. Er liefert sich seinen Geschöpfen aus, wird als Mensch geboren, lässt sich, obwohl er die Macht hätte, das zu verhindern, von den Menschen ans Kreuz schlagen.
Zwar wird zeichenhaft immer wieder etwas von seiner Macht erkennbar, indem er Kranke heilt und auch sonst Wunder tut, aber erst nach seinem Tod wird die ihm gebührende Macht wieder erkennbar, indem er den Tod überwindet und von den Toten aufersteht.
Das ist etwas, das kein Geld dieser Welt kaufen kann. Man kann sich wohl riesige Häuser oder große Segelyachten kaufen, aber das Leben: nein, das lässt sich nicht kaufen. Man hat vielleicht Zugang zu medizinischen Hilfsmitteln, die anderen verwehrt sind, und kann damit sein Leben etwas verlängern, aber ewiges Leben: das kann nur Gott schenken.
Dieses Geschenk dürfen freilich Arme wie Reiche gleichermaßen für sich in Anspruch nehmen, aber ich wage zu behaupten, dass es den Armen leichter fallen wird, es anzunehmen, eben weil sie deutlicher spüren, dass sie von der Gnade Gottes abhängig sind.

Irgend jemand fragte mal, warum die Christen eigentlich das Kreuz als Symbol ihrer Religion gewählt hätten. Es ist doch ein Symbol des Todes. Wie reimt sich das zusammen mit dem Geschenk des Lebens?
Nun, das Kreuz ist zwar ein Symbol des Todes, aber es ist in erster Linie ein Symbol der Menschwerdung Gottes. Es steht dafür, dass Gott sich selbst nicht zu schade dafür ist, das Schicksal seiner Schöpfung mit zu erdulden, um einzugreifen in den Lauf der Dinge und sichtbar werden zu lassen, was uns alle reich macht: seine Liebe, die weit über den Tod hinaus reicht, ja, die dem Tod ein Ende setzt.
Indem wir dieses Geschenk annehmen, werden wir reich. Es kann ja kaum etwas wertvolleres geben als ewiges Leben.
Auf der andern Seite relativiert sich aller irdischer Reichtum. Denn der, das wissen wir, hat keine Bedeutung mehr, sobald wir sterben. Er mag vielleicht sogar Anlass sein für Streitigkeiten unter den Angehörigen. Nackt kommen wir auf diese Welt, und nackt gehen wir von dieser Welt, lautet ein Sprichwort ganz richtig. Man mag sich noch ein prunkvolles Denkmal setzen, aber davon hat man am Ende nichts. Es lohnt sich also gar nicht, nach Reichtum zu streben. Wohl aber lohnt es sich, das Geschenk Gottes anzunehmen und mit Jesus Christus aufzuerstehen.
Die Liebe Gottes, die wir durch dieses Geschenk erfahren, müssen wir weitergeben. Das ist kein Zwang, sondern eine Konsequenz, die sich aus der Liebe Gottes ergibt. Wer so geliebt wird, der kann nicht anders als ebenfalls lieben.
Gott macht uns reich, indem er arm wird. Das kommt sehr schön in dem Lied „Lobt Gott ihr Christen alle gleich“ von Nikolaus Herman zum Ausdruck:
3. Er äußert sich all seiner G'walt, wird niedrig und gering,
und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.

4. Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an
und gibt uns in seins Vaters Reich die klare Gottheit dran.


Das kann Reichen genauso widerfahren wie den Armen. Da besteht kein Unterschied. Denn im Sinne des Paulus sind alle Menschen arm, solange sie nicht diese großartige Liebe Gottes verspürt und angenommen haben, die in Jesus Christus zu allen Menschen kommt und die uns letztlich das Paradies wieder auftut.
Gott wird arm, damit wir reich werden – da bliebe nur noch die Frage, warum Gott diesen Weg wählen musste. Er hätte ja auch genausogut sagen können: „Liebe Leute, ab sofort seid ihr alle unsterblich.“ Das hätte doch genügt. Aber so einfach kann es nicht sein. Denn Gott schätzt nach wie vor unsere Freiheit, zu der er uns ja auch geschaffen hat. Er hat uns mit der Fähigkeit ausgestattet, Entscheidungen zu treffen, zum Guten oder zum Bösen. Diese Fähigkeit respektiert Gott. Wir stehen ihm in diesem Sinne ebenbürtig gegenüber. Es liegt an uns, seine Liebe anzunehmen. Wir können es auch sein lassen. Aber dann müssen wir auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.
Gott lässt uns die Wahl. Angesichts der unermesslichen Liebe, die durch Jesus Christus sichtbar wurde, eine leichte Wahl, sollte man meinen. Doch wenn man um sich blickt, scheint das doch nicht so leicht zu sein.
Wir, die wir die Liebe Gottes erfahren haben, stehen darum vor einer wichtigen Aufgabe, die ja auch schon über die Jahrhunderte von den Menschen vor uns wahrgenommen wurde: weiterzusagen, was wir erfahren haben, so, wie es die Hirten damals taten.
So schenke uns Gott dazu Mut, Kraft und Zuversicht, dass wir Boten seiner Liebe sind für Arm und Reich in gleicher Weise.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Gelobet seist du, Jesus Christ (EG 23)
Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (EG 27)
Ich steh an deiner Krippen hier (EG 37)
Dies ist der Tag, den Gott gemacht (EG 42)
Also liebt Gott die arge Welt (EG 51)
Das Kreuz ist aufgerichtet (EG 94)