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Reminiszere
Gott und Mensch - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Name des Sonntags Reminiszere leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Reminiscere miserationum tuarum, Domine, et misericordiarum tuarum quae e saeculo sunt." (Ps 25, 6; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Reminiszere" hervorgehoben)
Der Sonntag Reminiszere hat das Gleichnis von den bösen Weingärtnern zum Thema. Es geht dabei um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Wohl wissend, was sie tun, bringen die Weingärtner den Sohn des Besitzers um, hoffend, dass sie dann den ganzen Besitz für sich einstreichen können. Ganz offensichtlich soll das Gleichnis darauf hindeuten, dass die Menschen, die eine Verantwortung von Gott übertragen bekommen haben (jeder), das ihnen Anvertraute lieber als ihr Eigentum ansehen wollen und dabei die Rechte Gottes zu mißachten (und damit auch seine Macht). Die Frage dieses Sonntags und dieser Woche ist daher die nach unserem Verhältnis zu Gott. Sie wird allerdings schwierig zu beantworten sein, denn wie mißt man ein solches Verhältnis? Sobald man zu messen beginnt, ist man ja nicht mehr Betroffener, sondern "Richter", und stellt sich damit jenseits dessen, was einen zutiefst persönlich angeht. Und das kann nicht gut gehen. Soll man andere den Maßstab anlegen lassen? Auch das ist nicht im Sinne des Evangeliums. Bleibt nur das "Innewerden", das "Auf-Sich-Besinnen", als Möglichkeit, über das eigene Verhältnis zu Gott nachzudenken und, falls nötig, Konsequenzen zu ziehen.

III - Mt 12, 38-42
Rev. 2014: Jes 5, 1-7* (s. Reihe IV - alttestamentliche Lesung)

Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. 39 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. 40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. 41 Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. 42 Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

Dieser Text ist ausgesprochen schwierig und muss mit äußerster Behutsamkeit ausgelegt werden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass er eine massive Verurteilung beinhaltet, deren wir selbst nicht befugt sind. Während die Frage der Pharisäer und Schrifgelehrten durchaus ehrlich gemeint sein dürfte, ist die Antwort Jesu abweisend, schroff und unbarmherzig. Auffällig ist, dass Mk diese Reaktion Jesu nicht beschreibt.
Darüber hinaus kommt die nicht ganz zutreffende Prophetie hinzu, dass der Menschensohn (Jesus) drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein werde - von Freitag nachmittag bis Sonntag morgen sind es nur zwei Nächte und eigentlich nur ein Tag. Dieser eklatante "Fehler" ist typisch für Matthäus, der ja mit aller Kraft versucht, Prophetien genau umzusetzen.
Lukas hilft an dieser Stelle etwas weiter, indem er Jona mit den Bürgern von Ninive verbindet und seinen Auftrag mit dem Auftrag Jesu vergleicht: Jona war das Zeichen für die Bürger von Ninive, und so ist auch Jesus das Zeichen für die Menschen Israels.
Wir haben es aber mit dem Text von Matthäus zu tun. Wie schon gesagt, wird es sehr schwer fallen, diese pauschale und kategorische Ablehnung Jesu so zu interpretieren, dass sie nicht als letztgültiges Urteil verstanden wird. Auf keinen Fall darf man das Urteil Jesu ebenso pauschal auf alle Juden beziehen. Es ist eindeutig nur eine Gruppe von Schriftgelehrten und Pharisäern angesprochen, und wenn Jesus von bösem und abtrünnigem Geschlecht redet, dann meint er gewiß wohl nur diese Gruppe, und nicht das jüdische Volk (denn sonst müßte er auch sich selbst und seine Jünger verdammen). Man darf sich auf keinen Fall durch die pauschalisierende Art der Antwort Jesu selbst zum Pauschalisieren verleiten lassen, sondern sollte vielleicht darüber nachdenken, wie diese Pharisäer und Schriftgelehrten wohl auf die Antwort Jesu reagiert haben mögen: Waren sie entrüstet? Wandten sie sich nachdenklich von ihm? Baten sie ihn, sie bei sich aufzunehmen in seine Nachfolge, damit sie lernen könnten? Von da aus ist es leicht, eine Brücke zu schlagen zu unserer Zeit: wie reagieren wir, wenn Gott uns unsere Abtrünnigkeit und Bosheit vorhält? Denn gerade als "fromme Gottesdienstbesucher" sind wir ja von den Pharisäern und Schriftgelehrten nicht weit entfernt. Die Frage erhebt sich, was wir in unserem Leben falsch machen, so dass Gott von uns denken kann, dass wir böse und abtrünnig sind, obgleich wir doch alle Pflichten erfüllen.
Die Predigt darf an dieser Stelle nicht haltmachen, sondern muss versuchen, Wege aufzuzeigen, wie man Gottes "Urteil" verbessern kann. Die Antwort auf den Vorwurf Jesu wäre dann vermutlich die, sich Ihm schweigend anzuschließen und das zu tun, was Er getan hätte.

Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
Christe, du Schöpfer aller Welt (EG 92)
Jesus Christus, unser Heiland (EG 102)
*Der schöne Ostertag (EG 117)
*Ach Gott, vom Himmel sieh darein (EG 273)
Lass die Nacht auch meiner Sünden (EG 445, 3-4)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

  • Orgelmeditation für die Fastenzeit. Audio-CD v. Pater Dominikus spielt Werke alter Meister. 2003 - 1. Auflage.
  • Passion und Ostern. Agende II/1 v. VELKD (Hg.). Lutherisches Verlagshaus 2011, 344 S. - 1. Auflage.
    Umfassendes Material für Gottesdienste in der Fastenzeit und zu Ostern.
  • Vom Kreuz zum Leben. Kreative Gottesdienstentwürfe und Andachten für die Passions- und Osterzeit v. Monika Lehmann-Etzelmüller. Neukirchener Aussaat 2014, 144 S. - 1. Auflage.
  • NEU! Aus Trauer wird Freude. Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Passions- und Osterzeit v. Stefan Vogt. Neukirchener Aussaat Verlag 2017, 144 S. - 1. Auflage.
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  • Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
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