Der Name des Sonntags Okuli leitet sich vom Beginn der lateinischen
Antiphon ab: "Okuli mei semper ad Dominum, quoniam ipse evellet de laqueo
pedes meos" (Ps 25, 15; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Okuli" hervorgehoben).
Der Sonntag Okuli hat das Thema "Konsequente
Nachfolge". In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung
ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht
auf weltliche Güter.
Der Sonntag Okuli steht im Mittelpunkt der Fastenzeit (die Heilige Woche ist hier
ausgenommen), und als solcher sollte er auch begangen werden: es sollte eine Bekräftigung
der Entscheidung zur Nachfolge stattfinden, und im Rahmen der Fastenzeit kann man
vielleicht auch generell noch einmal auf verschiedene Möglichkeiten des Verzichtes
eingehen. Die Stellung des Sonntags als Mittelpunkt der Fastenzeit vor der Heiligen
Woche lädt auch dazu ein, das Leiden und Sterben Jesu, wodurch wir gerecht
werden, vorweg zu erahnen. Denn dadurch ist ja auch unser Versuch, an diesem Leiden
durch Verzicht auf etwas liebgewonnenes teilzuhaben, ohne Verpflichtung möglich.
Der von uns geleistete Verzicht erfolgt aus freien Stücken und bringt uns keinen
Gewinn bei Gott, aber für uns selbst.
Eingangsvotum:
Am Sonntag Okuli hören wir, dass die Nachfolge Jesu auch Verzicht auf
die Reichtümer bedeutet, deren Gebrauch uns so selbstverständlich ist.
Nachfolge bedeutet auch Einsamkeit, wenn das Wort, das wir befolgen, uns zwingt,
gegen den Strom zu schwimmen. Das Blut Jesu Christi aber macht es uns leicht, auch
diese Bürden der Nachfolge zu tragen.
Wochenspruch:
Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lk 9, 62)
Meine Augen sehen stets auf den Herrn, denn der Herr wird meine Füße aus dem Netz ziehen. (Ps 25, 15) oder
Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. (Ps 34, 16)
Halleluja-Vers:
kein Halleluja
Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung:
Die Stellung des Sonntags in der Mitte zwischen Aschermittwoch
und Palmsonntag fordert eine etwas besondere Gestaltung. Noch einmal kann das Thema
Fasten in den Mittelpunkt rücken, gezielt aber auch im Blick darauf, wie sich
Fasten auf unsere Nachfolge auswirkt. Der Sinn des Fastens und sein Ziel (die Auferstehung
Jesu und damit die Freude der Osterbotschaft) können und sollen anklingen.
Das Geben als Ausdruck des Dankes sollte besonders betont werden. Wofür wird
eigentlich gespendet, und warum? Was hat die Kollekte damit zu tun?
In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis: die Ankündigung der Kollekte sollte
immer auch eine kurze Einführung in den Zweck der Kollekte haben. Es ist leicht
verständlich, dass Gemeindeglieder nicht gerne viel geben, wenn sie zunächst
nicht wissen, wofür Geld gesammelt wird.
Kollektengebet:
Herr Jesus Christus, der du unser Bruder geworden bist: du rufst uns in deine Nachfolge, dass wir tun, was uns von Gott aufgetragen ist.
Dir verdanken wir unser Leben. Wir bitten dich: stärke unser Vertrauen in deine Güte und in deine Kraft, dass wir bereit sind, aufzugeben, was uns hindert,
deinen Weg mit zu gehen. Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in Ewigkeit. Amen oder
Gott, himmlischer Vater. Tu unsere Augen auf. Lass uns deine Herrlichkeit sehen, lass uns deine Gnade erfahren. Erfülle uns mit der
Gewissheit, zu dir zu gehören, deine Kinder zu sein, ein Leib, der auf vielfältige Weise deinen Ruhm verkündigt. Durch unseren Herrn
Jesus Christus, deinen Sohn, der uns erlöst hat von unserem nichtigen Wandel durch sein teures Blut. Amen
Bach-Kantaten:
*BWV 54 - Widerstehe doch der Sünde *BWV 150 Satz 6 - Meine Augen sehen stets zu dem Herrn
Anmerkungen:
In der Fastenzeit entfallen das "Halleluja" und das "Gloria in excelsis" (Ehre sei Gott in der Höhe/Allein Gott in der Höh sei Ehr)