Der Name des Sonntags Invokavit leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Invocavit me, et ergo exaudiam eum"
(Ps 91, 15; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Invokavit" hervorgehoben).
Der Sonntag Invokavit hat die Geschichte der Versuchung Jesu zum Thema. Versuchung ist inzwischen zu einem altertümlichen Begriff geworden,
vor allem deshalb, weil die Frage nach dem Versuchenden immer deutlicher gestellt wurde und wird. Gibt es ihn überhaupt? Entspringt die Versuchung nicht ausschließlich
in einem selbst? Diese Entwicklung muss auf jeden Fall berücksichtigt werden, wenn wir von Versuchung sprechen. Die Vorstellung eines leibhaftigen Versuchers
als des Teufels ruft höchstens noch ein müdes Lächeln hervor; das Arbeiten mit solchen Bildern in der Predigt ist heutzutage ausgesprochen schwierig,
wenn nicht gar unmöglich. Die Frage nach dem Versuchenden bleibt, sei es nun die Person selbst oder eine von außen wirkende Kraft. Und immerhin finden
wir den Begriff noch in der deutschen Sprache, wenn z.B. gesagt wird: "Ich bin versucht, das und das zu kaufen." Aber hier hat es gewiss nicht mehr
den Sinn, den es in der Bibel hat.
Eingangsvotum:
Am Sonntag Invokavit hören wir die Erzählung von der Versuchung Jesu und
danken Gott, dass wir in ihm einen Hohenpriester haben, der - ohne Sünde
- durch sein Opfer für uns die Erläsung gewirkt hat. Nur im Blick auf
diesen Hohenpriester können wir, die wir immer die Macht der Versuchung erfahren
und ihr unterliegen, getrost leben.
Wochenspruch:
Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Joh 3, 8b)
Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören, ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. (Ps 91, 15)
Halleluja-Vers:
kein Halleluja
Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung:
Es wäre z.B. möglich, am Anfang des Gottesdienstes zu fragen, was wir jetzt hinter uns lassen und worauf wir
auch stolz sein können. Der Gottesdienst könnte darauf ausgerichtet sein, darzustellen, wie wichtig unsere Beteiligung an der
Verbesserung der Welt ist. Konfirmanden könnten ein Projekt vorstellen, an dem sie über mehrere Wochen gearbeitet haben,
das sich mit christlichen ethischen Fragen befasst. Wo gehören wir da hinein, als Gemeinde?
Bach-Kantaten:
*BWV 40 Satz 1 - Darzu ist erschienen der Sohn Gottes *BWV 57 Satz 1 - Selig ist der Mann
*BWV 80 - Ein feste Burg ist unser Gott
Anmerkungen:
Die Predigttexte des Aschermittwoch gelten für den öffentlichen Bußgottesdienst und sind austauschbar mit denen des
Sonntags Invokavit. In der Fastenzeit entfallen das Halleluja und das "Gloria in excelsis" (Ehre sei Gott in der Höhe/Allein Gott in der Höh sei Ehr)