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Okuli
Konsequenz der Nachfolge* - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Name des Sonntags Okuli leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Okuli mei semper ad Dominum, quoniam ipse evellet de laqueo pedes meos" (Ps 25, 15; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Okuli" hervorgehoben).
Der Sonntag Okuli hat das Thema "Konsequente Nachfolge". In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter.
Der Sonntag Okuli steht im Mittelpunkt der Fastenzeit (die Heilige Woche ist hier ausgenommen), und als solcher sollte er auch begangen werden: es sollte eine Bekräftigung der Entscheidung zur Nachfolge stattfinden, und im Rahmen der Fastenzeit kann man vielleicht auch generell noch einmal auf verschiedene Möglichkeiten des Verzichtes eingehen. Die Stellung des Sonntags als Mittelpunkt der Fastenzeit vor der Heiligen Woche lädt auch dazu ein, das Leiden und Sterben Jesu, wodurch wir gerecht werden, vorweg zu erahnen. Denn dadurch ist ja auch unser Versuch, an diesem Leiden durch Verzicht auf etwas liebgewonnenes teilzuhaben, ohne Verpflichtung möglich. Der von uns geleistete Verzicht erfolgt aus freien Stücken und bringt uns keinen Gewinn bei Gott, aber für uns selbst.

Zu den Perikopen

  1. Lk 9, 57-62
    Rev. 2014: Jer 20, 7-11a (11b-13) (s. Reihe V)

    Der Anspruch, den Jesus hier stellt, ist hoch. Denn ihm nachfolgen, bedeutet, allen Besitz aufzugeben, nicht zu wissen, was morgen sein wird. Und doch: diese Unsicherheit wird eingetauscht gegen die (hier nicht ausgesprochene) Gewissheit, dass Gott mit einem geht und schon für das Nötige sorgen wird. Nichts gibt es, was wichtiger ist, als Jesus nachzufolgen. Diese Nachfolge erfordert den ganzen Menschen. Es ist eine radikale, eine entwurzelnde Entscheidung, die einen Bruch mit der bisherigen Lebensweise fordert. Das wird in dem abschließenden Wort Jesu noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht, aber auch in den Beispielen, die zuvor angeführt werden.
    Bruch mit der Vergangenheit - gleich muss man fragen, was Nachfolge eigentlich bedeutet. Ist nicht z.B. die Sorge um die Eltern auch Nachfolge, erfüllt sie doch den Anspruch der Nächstenliebe? Wogegen grenzt Jesus die Nachfolge eigentlich ab? Die Antwort ist nicht leicht zu finden. Nachfolge ereignet sich dann, wenn ein Mensch nicht mehr zulässt, dass andere Ansprüche an ihn stellen, als Gott allein. In gewissem Sinne ist ein Nachfolgender ein Anarchist, denn er unterwirft sich nicht Mächten, die Gott ungehorsam sind.
    Dies kann im Jahre 2003 leicht akutalisiert werden, indem auf den Krieg der US-Regierung und ihrer Verbündeten gegen die irakische Bevölkerung unter Missachtung des Willens der Vereinten Nationen hingewiesen wird. Während Jesus deutlich macht, dass sein Weg ein Weg des Lebens ist (lass die Toten ihre Toten begraben), ist der Weg der kriegführenden Mächte der Weg des Todes.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist offensichtlich. Konsequente Nachfolge beinhaltet den Mut, Anstoß zu erregen, und daraufhin Gefahr zu laufen, alles zu verlieren, was das Leben sichert - außer Gott, auf den sich einzulassen immer ein Wagnis ist.
    Die christliche Gemeinde wird sich fragen lassen müssen, ob sie noch immer in der Nachfolge steht, oder nicht längst zurückgekehrt ist auf den Weg des Todes.

  2. Eph 5, 1-8a
    Eph 5, 1-8 (W)
    Rev. 2014: Lk 9, 57-62 (s. Reihe I - Evangeliumslesung)

    folgt später

  3. Mk 12, 41-44
    Rev. 2014: Eph 5, 1-2.(3-7).8-9 (s. Reihe II)

    Das Evangelium vom Scherflein der Witwe ist wohlbekannt. Es auszulegen, ist jedoch nicht so einfach.
    Vers 44 ist eine Erläuterung des vorher Gesagten und könnte u.U. vom Evangelisten nachgeschoben worden sein. Ihm mag die knappe Aussage Jesu, "diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben", nicht eindeutig genug gewesen sein. Allerdings erscheint es nicht ganz plausibel, denn wenn es stimmt, dass die Witwe "ihre ganze Habe" eingelegt hat, wovon sollte sie dann leben? Lukas sagt noch krasser, dass sie alles einlegte, was sie zum Leben hatte. Soll die Witwe etwa damit ihr eigenes Todesurteil gesprochen haben? Oder rechnet sie mit Hilfe? Von wem soll dann die Hilfe kommen? Von Gott, dem sie gerade alles gegeben hat? Hätte sie nicht bei sich und zu Gott sagen können: Ich brauche dieses Geld zum Leben, daher kann ich diesmal keine Gabe geben?
    Der Vers 42 beschreibt, wieviel die Witwe einlegt. Einen Pfennig. Das ist wahrlich nicht viel. Aber es ist etwas. Dagegen stehen die 10 Mark des Kaufmanns, vielleicht sogar die 100 Mark des Fabrikbesitzers, oder die 1 Mark des Arbeiters - immer noch 100 mal mehr, als die Witwe gibt. Da kann man durchaus auf den Gedanken kommen und sagen, sie habe ja eigentlich gar nichts gegeben. Aber sie hat kein geregeltes Einkommen. Sie erhält keine Pension (auch wenn nach dem Mosaischen Gesetz für die Witwen gesorgt werden soll. 2. Mose 22, 21-23). Wenn sie etwas gibt, dann ist das wahrlich ein Opfer.
    Die Frage ist natürlich, wie man dies in unsere Zeit umsetzen kann: Da gibt es Renten, Sozialhilfe, Versicherungen - Armut ist die Ausnahme, auch wenn man seit einiger Zeit von "neuer Armut" spricht. Da gehört auch ein Lebensstandard dazu, von dem Menschen damals noch nicht einmal träumten. Der Verzicht auf einen Fernseher, weil man es sich nicht leisten kann, ist heute schon ein Zeichen von Armut. Vergleichen wir die Situation der Witwe mit der unseren, müßten wir wohl sagen, dass erst dann ein Opfer gegeben wird, wenn mindestens 10% der Einnahmen pro Sonntag gegeben werden. Aber geht es darum, die Situation zu vergleichen? Ist es nicht vielmehr wichtig, die Haltung der Witwe zu bedenken und uns selbst davon inspirieren zu lassen?
    Die Witwe weiß nicht, was der nächste Tag bringt. Auch wenn sie noch ein bißchen Geld haben sollte, sie weiß nicht, ob sie am nächsten Tag noch genug haben wird, um sich Essen zu kaufen. Sie lebt in einer beständigen Unsicherheit. In dieser Unsicherheit hat sie sich offensichtlich Gott hingegeben. Sie vertraut Gott, sie verläßt sich auf ihn. Sie gibt ihm, was sie geben kann. Sie behält nichts für sich, weil sie eben darauf vertraut, dass Gott ihr Vertrauen belohnt.
    Wir müssen an dieser Stelle innehalten, denn es besteht die Gefahr des Kausaldenkens: Gott hilft mir, weil ich ihm etwas gegeben habe. So funktioniert das freilich nicht. Gott läßt sich nicht erpressen. Es ist anzunehmen, dass die Witwe ihr Opfer bringt, weil sie Gott dankbar ist. Ob sie nun den Pfennig behält oder nicht, spielt für Ihr Leben keine Rolle mehr. Aber sie ist dankbar für all das, was Gott in ihrem Leben gewirkt hat. Aus dieser Dankbarkeit heraus, und aufgrund tiefen Vertrauens, kann sie geben, was sie hat.
    Nun können wir die Frage stellen: Haben wir Grund dankbar zu sein, so wie die Witwe? Kann ein Arbeitsloser dankbar sein? Die Witwe hat ihren Mann verloren - warum sollte sie Gott danken? Der Arbeitslose hat seine Arbeit verloren - warum sollte er Gott danken? In jedem Fall kann man darauf hinweisen, dass das Leben länger ist als nur die derzeitige Situation. Was uns jetzt widerfährt, ist längst nicht alles. Im Gegenteil: die Tatsache, dass wir leben, ist schon ein enormes Geschenk. Die Tatsache, dass wir relativ gesichert leben, also nicht plötzlich auf der Straße stehen (im wahrsten Sinne des Wortes), ist Grund zum Danken. Gott wirkt in unserem Leben, auch wenn es nicht immer unmittelbar sichtbar wird. Wie erzeigen wir unsere Dankbarkeit?

  4. 1. Petr 1, (13-17) 18-21
    Rev. 2014: 1. Kön 19, 1-8 (9-13a)* (s. Reihe VI - alttestamentliche Lesung)

    Die Klammer um die ersten Verse ist nicht sehr sinnvoll, da sie die Verse, die auf den wichtigen kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang hinweisen, ausklammert. Daher gehe ich im folgenden so vor, als ob die Klammern nicht existieren würden.
    Petrus fordert zunächst zur Heiligung auf (v.15). Diese erfolgt dadurch, dass man sich nicht mehr den früheren Begierden hingibt (v. 14), wobei offen bleibt, wie diese Begierden aussahen. Zu diesem Verzicht verhilft die Hoffnung auf die Gnade (v. 13)
    Das Zitat in Vers 16 aus 3. Mose ist freilich nicht ohne Weiteres angebracht, denn es bezieht sich sehr deutlich auf das Volk Israel. Andererseits scheint es richtig und wurde immer so verstanden, dass die christliche Gemeinde das neue Volk Gottes - und damit das neue Israel - ist. Das darf freilich nicht dazu verleiten, das Volk Israel als "verworfen" zu bezeichnen.
    Im zweiten Abschnitt wird dann verwiesen auf den Einsatz, den Gott gab, damit die Angesprochenen überhaupt heilig sein können: das Opfer Christi. Das Blut Christi wird als "teuer" im Sinne von kostbar bezeichnet und damit dem offenbar weniger kostbaren Gold und Silber gegenübergestellt (v. 18-19). Der nachfolgende Vers möchte etwas aussagen über die Natur Christi, ein Thema, das bis heute viele Menschen bewegt. Wir können nur feststellen, dass Christus hier als der bezeichnet wird, der schon vor dem Anfang der Welt ausersehen war. Interessant ist sicherlich der Gedanke, dass das Auftreten Christi am "Ende der Zeiten" erfolgte (v. 20). Vers 21 erklärt dann, dass Christus von Gott auferweckt und ihm "die Herrlichkeit" gegeben wurde, wobei die Frage offen bleibt, wo und wie Petrus davon Kenntnis erlangt hat. Diese Frage wird besonders brisant angesichts der Tatsache, dass diese Herrlichkeit, die Christus empfangen hat, Grundlage des Glaubens und der Hoffnung der angesprochenen Gemeinde sein soll. Spielt Petrus hier auf die Berichte der Himmelfahrt an?
    Ein theologischer Exkurs dieser Art macht es nicht immer leicht, eine Predigt zu verfassen. Er verführt vielmehr dazu, ebenso zu predigen, wobei die hörende Gemeinde dann schnell zurückgelassen wird.
    Zunächst ist es wichtig, den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang zu erkennen, der offenbar in den ersten Versen hergestellt wird (ausgehend von dem früheren Thema des Sonntags: Bereit zum Verzicht): der Verzicht auf die Begierden, denen sie sich früher hingaben. Viele von uns kennen einen solchen Wandel nicht - vom Sünder zum Gerechten, denn die meisten sind als Kinder getauft und in die Kirche hineingewachsen - sie haben nie vor dem Problem gestanden, ein "ruchloses" Leben hinter sich lassen zu müssen, und haben daher diese Erfahrung auch nicht gemacht. Man könnte fragen, ob nicht Begierde schlechthin zum Thema der Predigt gemacht werden kann: das Verlangen nach mehr, die Sehnsucht nach Dingen, die wir weder benötigen noch die uns unbedingt gut tun. Allerdings versprechen wir uns von diesen Dingen immer eine Verbesserung unserer Lebensqualität, wobei wir gänzlich "erdverbunden" sind und bleiben. Dabei kommt es darauf an, dass wir uns heiligen, wie Gott heilig ist - eine schwere Aufgabe, denn was ist heilig? Auch hier kann eine Predigt ansetzen und diese Frage ausarbeiten: "was ist uns heilig?". Es muss geklärt werden, was "heilig" bedeutet, denn der Begriff schwindet zunehmend aus unserem Vokabular.
    Verzicht fällt leichter, wenn man eine Ahnung von dem hat, was man dafür bekommt. Darum schreibt Petrus ja von dem Glauben und der Hoffnung, die uns dadurch gegeben sind, dass Jesus Christus, der uns erlöst hat, Herrlichkeit gegeben wurde. An dieser Herrlichkeit werden wir auch teilhaben, wenn wir uns als heilig erweisen.

  5. Jer 20, 7-11a (11b-13)
    Rev. 2014: Lk 22, 47-53

    Es gibt kaum einen Grund, die in Klammern gesetzten Verse nicht auch in den Predigttext mit einzubeziehen, denn sie gehören inhaltlich zu dem übrigen Text dazu und sind wohl nur deswegen in Klammern gesetzt, weil sie ein unrühmliches Verlangen des Propheten nach Rache erkennen lassen.
    Der Prophet beklagt sich zunächst darüber, dass Gott ihn "überredet" hat (Jer 1) und er sich überreden ließ. Schon wird sichtbar, dass es nie nur Gott ist, der handelt - es gehört der Mensch, den Gott anspricht, immer dazu, und dieser Mensch hat die Freiheit, nicht zu hören bzw. auf Gottes Ruf nicht zu achten oder ihn abzulehnen. Aber der Prophet ist enttäuscht. Vielleicht hat er erwartet, dass ihm alle andächtig zuhören, wenn sie wissen, dass er im Auftrag Gottes spricht - anstelle dessen wird er verhöhnt und ausgelacht. So hat er sich das Prophet-Sein nicht vorgestellt, und darum wirft er Gott vor, er habe ihn überredet. Immerhin hat Gott ihm ja auch viel Macht versprochen, von der nun gar nichts zu spüren ist.Worte können bei der stumpfen Zuhörerschaft nichts ausrichten.
    Aber der Versuch, nicht mehr im Namen Gottes zu predigen und seinen Willen zu verkündigen, schlägt fehl, denn das Wort will raus, er kann es nicht für sich behalten, er weiß ja, auf welches Ziel die Menschen zusteuern. Da kann er sie nicht einfach ohne Warnung in ihr Unglück rennen lassen. Also predigt er weiter und muss um so mehr Spott und Hohn ertragen. Sogar töten wollen sie ihn!
    Jeremia tröstet sich dann doch mit der Macht Gottes (Vers 11). Immerhin ist Gott an seiner Seite, denn er hat immer den Auftrag Gottes ausgeführt. Also wird Gott ihn vor seinen Verfolgern beschützen. Eher werden seine Verfolger fallen, als dass er selbst sterben muss. Darum bittet er Gott, ihn die Vergeltung sehen zu lassen, die Gott an den Ungerechten zweifellos üben wird. Schön ist der abschließende Satz (Vers 13): Singet dem Herrn, rühmet den Herrn, der des Armen Leben aus den Händen der Boshaften errettet. Leider deckt sich dieser Satz ebensowenig mit unserer Erfahrung wie die fast selbstverständlich angenommene Rache Gottes an den Frevlern. Gott lässt die Sonne aufgehen über Böse und Gute - es liegt am Menschen, dem Bösen entgegenzuwirken.
    Darum ist Jeremias Handeln als Prophet ja so wichtig. Ohne sein Reden, ohne seine Predigt können sich die Menschen nicht ändern. Ob sie es mit seiner Predigt tun, liegt vielleicht nicht ganz nur an den Menschen - Gott kann ihre Herzen anrühren, dass sie sich zu ihm bekehren.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang stellt die Person des Propheten Jeremia in den Mittelpunkt. Er hat den Autrag Gottes angenommen, wider Willen zunächst, und ihn dann auch eine Zeit lang abzulehnen versucht. Aber dann brannte das Wort, das er verkündigen sollte, in ihm.
    Die Predigt kann sich an dieser Person Jeremias orientieren, denn wir befinden uns oft in einer ähnlichen Situation. Berufen wurden wir zwar nicht wie Jeremia, aber die Taufe kann als Berufung angesehen werden. Auf jeden Fall haben wir als Christen den Auftrag, das Wort Gottes in die Welt hinauszutragen, so wie es durch Jesus Christus verkündigt wurde und wie es in uns selbst gewirkt hat. Oft erleben wir, wie wir aus Scham, Angst oder auch Abgestumpftheit zu Dingen schweigen, auf die eigentlich mit dem Finger gezeigt werden müsste. Das Wort brennt in uns, die Frage ist, ob wir es mit den uns gegebenen Mitteln löschen (kann man es eigentlich jemals wirklich löschen?), oder ob wir es herauslassen.
    Es ist sicher auch richtig, sich den Gedanken Jeremias zuzuwenden, wonach er die Rache Gottes herbeiwünscht. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Gott sich so (als Racheinstrument) nicht gebrauchen lässt, sondern dass er auf unseren Einsatz angewiesen ist, damit das Wort sich in Kraft ausbreiten und unter den Menschen wirken kann.

  6. 1. Kön 19, 1-8 (9-13a)*
    Rev. 2014: 1. Petr 1, (13-17) 18-21 (s. Reihe IV)

    Diese Erzählung aus der großen Geschichte des Propheten Elia ist schon beeindruckend. Zugleich aber ist sie auch erschreckend: die Tatsache, dass Menschen umgebracht werden um Gottes willen, ist etwas, was uns eigentlich fremd sein müsste - und doch heute wieder ungeheuer aktuell ist.
    Die Perikope wurde etwas eingeschränkt, was im Blick auf den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang wohl sinnvoll ist, denn die Begegnung mit Gott spielt hier nur eine sekundäre Rolle. Aber für das Verständnis der Verse 1-8 sind die Verse 9-13a schon notwendig - von daher empfiehlt sich eine Einbeziehung dieser Verse, ohne in der Predigt den Schwerpunkt auf diesen Abschnitt zu legen.
    Elia hatte alle Propheten Baals getötet - 450 Mann (18, 22)! Als Isebel, die Frau des Königs und Protagonistin des Gottes Baal, das hört, ist sie empört und droht Elia dasselbe Ende an. Der flieht (eigentlich merkwürdig, denn sollte er nicht in Gott vertrauen und seine Hilfe erwarten?). Nachfolgend klagt er zu Gott: 'nimm meine Seele, ich kann nicht mehr.' In dieser Klage wird vielleicht doch deutlich, warum er vor Isebel flieht: Er hatte erwartet oder zumindest gehofft, dass das Urteil, das auf dem Karmel vollzogen wurde, auch die Herzen der anderen, also auch Isebels, bekehren würde. Die Worte der Königin zeigen ihm aber, dass da nichts zu erwarten ist. Im Gegenteil, niemand ist da, der sich auf seine Seite stellt. Der Beweis der Macht Gottes hat überhaupt nichts verändert. Unter diesen Umständen ist auch sein Leben sinnlos.
    Gott erhört seine Bitte, seine Seele zu sich zu nehmen, nicht. Anstelle dessen wird er ihm deutlich machen, dass der Kampf noch nicht beendet ist, im Gegenteil. Aber davor hat Gott eine lange Reise gesetzt. 40 Tage und Nächte wanderte er zum Berg Gottes, dem Horeb, nachdem er durch einen Engel gespeist worden war.
    An dem Berg angekommen, legt sich Elia in einer Höhle schlafen. Interessant ist nun die Frage Gottes an Elia, was er hier mache. Gott muss es doch wissen! Warum also die Frage? Sie zeigt, dass Gott dem Menschen nie seine Würde nimmt. Gott will es von Elia hören, was ihn bedrückt - Elia aber könnte sich zurückziehen und schweigen, wenn er wollte. Gott würde ihn dann nicht mehr belasten, er würde sich ihm nicht aufdrängen.
    Elia ergreift die Gelegenheit und klagt Gott sein Leid. Er ist allein übriggeblieben, niemand hilft ihm.
    Gott antwortet darauf auf schlichte Art und Weise. Er macht keine langen Worte, sondern zeigt sich Elia - nicht als ein Zerstörer, sondern im sanften Säuseln. Damit macht er deutlich, dass er nicht durch Macht überzeugen will - über die er wohl verfügt - sondern durch einen Wandel der Herzen. Man könnte dieses Auftreten Gottes sogar als leise Kritik an der Tötung der Priester des Baal interpretieren.
    Aber das ist nicht so wichtig für die Predigt, denn der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang erfordert doch, dass wir uns enger mit der Person des Elia befassen. Er lebt konsequente Nachfolge, er setzt sein Leben ein, indem er Gott bittet, ihn zu sich zu nehmen, mit anderen Worten also, ihn sterben zu lassen. In seiner Verzweiflung wendet er sich also nicht von Gott ab, sondern sucht alles bei Gott, selbst sein Ende.
    Die Predigt kann versuchen, Beispiele aufzuzeigen, in denen Menschen in aussichtslose Situationen geraten waren, dann aber Hilfe erfuhren. Das halte ich aber für zu oberflächlich. Die Hilfe, die Elia erfährt (die Wegzehrung), holt ihn ja nicht aus seiner Situation heraus, sondern führt ihn durch die Wüste. Es liegt also nach der Bitte noch eine lange Wüstenwanderung vor, für die er aber genug Wegzehrung erhält (recht kärglich, wenn man es genau betrachtet). Wichtiger wäre wohl, die Konsequenz zu betonen, mit der Elia seinen Auftrag wahrnimmt; dass er in der Verzweiflung sich Gott zuwendet, von ihm aber gar nicht mal Hilfe erwartet, sondern das Ende - denn er hat ja, so meint doch das "ich bin nicht besser als meine Väter", versagt. Da können wir dann auch zahlreiche Ansatzpunkte für die Predigt finden. Das eigene Versagen treibt viele Menschen in die Verzweiflung - Gott aber liebt doch gerade den Versager, und kommt ihm besonders nahe. Und in der Person des Elia erkennen wir, dass wir die Entscheidung fällen müssen, ob Gott uns nahe kommen kann oder nicht.



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  • Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
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