das Kirchenjahr

Gedenktag der Kirchweihe

Predigtanregung

Die Kirchweihe ist das Ereignis, mit dem das Kirchengebäude in den gottesdienstlichen Gebrauch genommen wird, und nicht etwa die Grundsteinlegung. Erst durch die Feier des Gottesdienstes in diesem Gebäude gewinnt es eine besondere Bedeutung - zuvor ist es ein Bauwerk wie jedes andere, auch wenn die Architektur natürlich kaum einem durchschnittlichen Gebäude vergleichbar ist.
Liturgische Farbe: Rot als Farbe des Heiligen Geistes.

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II - Lk 19, 1-10

Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 7 Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Die Geschichte von dem Zöllner Zacharias gehört zu den bekanntesten Erzählungen aus der Kindergottesdienstzeit. Das kann insoweit gefährlich werden, als es heutzutage durchaus Hörer geben kann, denen diese Geschichte überhaupt nichts mehr sagt.
Bei solchen Geschichten muss man sich fragen, welches Ziel sie haben. Es geht ja nicht nur um den kleinen Zöllner, der an sich durch seinen Beruf schon ein Sünder ist, sondern es geht um die Konfrontation zwischen Sünder und Gerechtem. Menschen wenden sich gerne vom Sünder ab, wobei der Maßstab auch noch fraglich wird. Gott wendet sich dem Sünder zu.
Interessant in dieser Hinsicht ist zunächst aber, dass die Initiative ganz vom Sünder ausgeht. Da ist niemand, der dem Zachäus unter die Arme greift. Jesus spricht ihn erst an, als Zachäus sich ihm zugewendet hat. Vers 3a erinnert ein bisschen an Joh 12,21, die Griechen, die Jesus gerne sehen möchten. Es ist ein einfaches Begehren, das bei den Griechen in Johannes auch keine weitere Konsequenz hat. Für Zachäus aber bedeutet dieses Begehren eine vollkommene Verwandlung, denn von Jesus kommt eine Reaktion auf sein Begehren.
Die Reaktion ist im Grunde das, was im weiteren Verlauf im Mittelpunkt steht. Für Jesus ist es eine zwingende Notwendigkeit, dass er zu Zachäus ins Haus kommt. "Sie alle" (Vers 7 - man beachte, dass die Menschen, die Kritik üben, nicht weiter identifiziert werden!) finden diese Reaktion allerdings völlig überzogen. Sie hätten Zachäus wahrscheinlich lieber verhöhnt, dort oben auf seinem Baum, endlich einmal nützt ihm sein Reichtum, den er von vielen von ihnen erpresst hat, nichts mehr (dabei sei ganz deutlich darauf hingewiesen, dass über die negativen Qualitäten der Zöllner überhaupt nichts gesagt wird; das einzige, was wir von Zachäus wissen, ist, dass er sehr reich ist; alleine das scheint ihn schon zu disqualifizieren für die Begegnung mit Gott - ein Problem, mit dem sich die Befreiungstheologie dann irgendwann auch befassen musste). Aber Jesus erkennt in Zachäus nicht den geldgierigen, sondern den gotthungrigen Menschen. Damit wird Jesu Handeln aber auch anstößig.
Auf den Einwand der Menschen gibt es keine direkte Reaktion. Allein Zachäus macht die Ankündigung, dass er wieder gut machen will, was er zuvor falsch gemacht hat. Dabei ist die Aussage von Interesse: "...wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück." Jesus schaut ihn auf diese Aussage hin nicht schief an, als ob er da doch etwas im Schilde führt, sondern erkennt den aufrichtigen Willen zur Wiedergutmachung. Also bedeutet diese Aussage auch: der Zöllner Zachäus ist nicht "von Natur aus" ein Betrüger, denn sonst könnte er sein Versprechen ja gar nicht einhalten. Im Gegenteil: offenbar hat er sich schon immer redlich bemüht, alles nach Vorschrift zu handhaben. Es hat aber wohl Einzelfälle gegeben, aus denen er seinen Vorteil gezogen hat.
Jesus bestätigt das Handeln des Zachäus als Konsequenz der Heilserfahrung, die der Zöllner gemacht hat. Damit rechtfertigt er auch zugleich sein eigenes Handeln: den Sünder zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Liedvorschläge:

Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232)
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
Jesus nimmt die Sünder an (EG 353)
Jesu, meine Freude (EG 396)
Bei dir, Jesu, will ich bleiben (EG 406)
Lobt den Herrn (KHW-EG 573)
Zachäus, böser, reicher Mann (KHW-EG 603)



Buchempfehlungen: