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Palmarum
Der Einzug des Königs - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete

Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde.
Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.

III - Mk 14, 3-9
Rev. 2014: Hebr 11, 1-2.39b-40; 12, 1-3 (s. auch Reihe VI)

Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

[Die Perikopenrevision von 2014 sieht folgenden Text vor:] Hebr 11, 1-2.39b-40; 12, 1-3
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. 2 Durch diesen Glauben haben die Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen 39b und doch nicht erlangt, was verheißen war, 40 weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat; denn sie sollten nicht ohne uns vollendet werden. 12, 1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. 3 Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Die Erzählung von der Salbung Jesu in Bethanien ist eine schöne Geschichte, wenngleich sie durch die Unwilligkeit der Jünger (der Männer!) etwas gestört wird. Ein Text, in dem so sehr deutlich wird, dass die Frau Jesu Weg besser versteht als jeder Mann, ist leider selten in den Evangelien.
Es ist eindeutig: Die Jünger sind jetzt völlig überzeugt von Jesu Predigt, sie wissen, was zu tun ist: den Armen helfen, so gut es geht, irdische Schätze zurücklassen für diesen Zweck, und das bis in alle Ewigkeit. Sie haben noch nicht verstanden, dass Jesus jetzt kurz vor seinem Ende, das den Neuanfang für die ganze Menschheit darstellt, steht. Die Ankündigungen seines Leidens sind verdrängt worden.
Dementsprechend fahren sie die Frau, die tut, was richtig ist, an, und sagen, sie hätte mit dem Geld, das dieses Öl gebracht hätte, vielen Armen helfen können. Vorsicht ist allerdings geboten: Judas wird hier mit keinem Wort herausgestellt, auch wenn man schlußfolgern könnte, dass er der "Rädelsführer" ist. Hier sind alle männlichen Jünger beteiligt, ohne Ausnahme!
Die Frau kommt aus dem Nichts, sie wird namentlich nicht identifiziert. Dass sie Jesus nicht kennt, ist kaum wahrscheinlich; ihr Handeln wäre dann kaum zu erklären (denn gesalbt wurden Gäste damals nicht, sondern ihnen wurden nur die Füße gewaschen, und selbst das war schon eine Ehre; es reichte als Zeichen der Gastfreundschaft, eine Schüssel zum Waschen der Füße bereit zu stellen). Könnte dies ein Hinweis sein auf eine größere Schar von Jüngerinnen, die Jesus nachfolgte und deren Namen sich die Evangelisten nicht gemerkt haben? Vielleicht eine reichere Frau, die dieses Öl immer mit sich herumgetragen hat, für den Tag, an dem es gebraucht würde? Vielleicht deswegen der Aufruhr unter den Jüngern, weil sie es für schändlich empfanden, dass die Nachfolgerin solch kostbares Gut noch (heimlich) behalten hatte, während sie selbst ja schon längst alles aufgegeben hatten.
Jesus wehrt ihnen, denn er weiß, dass die Frau damit einen einmaligen Akt vollzogen hat. Es ist schon merkwürdig, wenn er dann sagt "Arme habt ihr allezeit bei euch", so als ob es eh nichts ausmacht, ob man sich nun für die Armen einsetzt oder nicht. Aber das ist natürlich nicht gemeint. Vielmehr will Jesus damit nur verdeutlichen, dass das Handeln der Frau einmalig war und genau zum richtigen Zeitpunkt geschehen ist.
In der Predigt kann nach der Bereitschaft zur Spontaneität gefragt werden. Auch wenn die Frau das Salböl lange aufgehoben hatte, so ist doch die Entscheidung, Jesus jetzt zu salben, spontan gefallen, weil sie spürte, dass jetzt die Zeit gekommen war. Es ist die Bereitschaft, aus dem Trott des Alltags auszubrechen (in diesem Fall das ständige Konzentriertsein der Jünger auf das "Den-Armen-Helfen"). Es ist die Bereitschaft, plötzlich das zu tun, das nötig und richtig ist in diesem Moment.
Die Geschichte eignet sich aber auch dazu, in einer Predigt dem Gedanken der Jüngerinnenschaft nachzugehen. Was war da? Was ist immer wieder unterdrückt worden? Man muss freilich aufpassen, sich nicht von Spekulationen leiten zu lassen. Auf der anderen Seite ist sicher, dass es mehr Frauen in der Nachfolge Jesu gab, als in den Evangelien erwähnt werden. Der Kontrast zwischen der materiellen Haltung der Jünger und der liebevollen Haltung der Frau darf auch nicht dazu benutzt werden, Klischees zu fördern. Es ist offensichtlich, dass die Handlung der Frau von Jesus höher geschätzt wird als die Haltung der Jünger, die unserem Ideal sozialer Fürsorge und Hilfe ja doch näher ist.
Der kirchenjahreszeitliche Ort ist durch die Nähe zum Einzug in Jerusalem gegeben. Man gibt sich gerne der Illusion hin, dass Jesus nach dem Einzug auch in Jerusalem geblieben sei, aber weit gefehlt, Betanien ist doch noch etwas außerhalb von Jerusalem. Warum er nach Betanien ging, bleibt unklar. Es erscheint fast, als sei der Text nachträglich eingefügt worden, um ihn zeitlich näher an Jesu Begräbnis zu bringen; dann aber wäre die Frage zu stellen, warum er nicht vor dem Einzug in Jerusalem steht. Das kann wohl dadurch begründet sein, weil der Einzug in Jerusalem ja noch einmal Jesus als König feiert, und erst danach die eigentliche Leidenszeit beginnt. Der Text stellt allemal einen Kontrast dar zum feierlichen Einzug in Jerusalem, denn er zeigt wieder direkt auf das bevorstehende Sterben Jesu.

Liedvorschläge zur Predigt:

*Wie soll ich dich empfangen (EG 11, 2)
*Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
*Ich grüße dich am Kreuzesstamm (EG 90, 1)
Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (EG 397)
Ich will dich lieben, meine Stärke (EG 400)
Meinen Jesus lass ich nicht (EG 402)
*Zieh, Ehrenkönig, bei mir ein (NB-EG 537)
Herr, der du einst gekommen bist (KHW-EG 586)

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus, wir danken dir für deine Liebe, die du uns durch deinen Tod am Kreuz bewiesen hast, und das neue Leben, das uns durch deine Auferstehung geschenkt ist. Wir wollen unseren Dank zum Ausdruck bringen, indem wir für die bitten, die selbst keine Kraft mehr haben, die keinen Ausweg mehr kennen, die den Tod vor Augen haben. Hilf uns, diese Menschen zu erkennen und auf sie zu zu gehen, dass ihnen durch uns deine Liebe erfahrbar wird. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich. (z.B. EG 178.11)
Herr, unser Gott, unsere Welt ist voll von Not und Elend. Wir können uns fast nicht vorstellen, dass es auch anders sein könnte. Darum bitten wir dich: Lass uns erfahren, dass du bei uns bist als der Gott, der mit uns leidet. Lass uns daran glauben, dass du keines Menschen Leid vergisst, und lass deine Nähe sichtbar werden in der Güte, die wir Menschen einander schenken. Lass uns vor Augen haben, dass Du dieses Leid nicht willst, und zeige uns Wege, wie wir mitbauen können an deinem Reich, in dem Du alle Tränen von den Angesichtern abwischst. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die von Unsicherheit und von Zweifel geplagt werden und deren Glaube an dich nachlässt; für alle, die nichts mehr vom Leben erwarten; für alle, die nur noch schwarz sehen für ihre Zukunft, weil ihnen das Nötigste zum Leben fehlt; für die, die ihren Glauben an die Menschen verloren haben, weil sie immer und immer wieder enttäuscht worden sind; für die, die nicht mehr an sich glauben und die es schwer mit sich selbst haben. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die in Gefahr sind, sich gegen ihre Mitmenschen zu verschließen und zu vereinsamen. Für die Eheleute, die einander fremd geworden sind und sich nichts mehr zu sagen haben; für die Eltern, die ihre Kinder nicht mehr verstehen; für die Kinder, die ohne die Liebe ihrer Eltern aufwachsen müssen; für die Jungen und Mädchen, denen das Leben bereits nichts mehr zu sagen hat und die Zuflucht zu Drogen nehmen; für die, deren Kindheit durch Krieg zerstört wird. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Herr unser Gott, du kennst einen jeden mit Namen, du lässt keinen von uns verloren gehen. Darum bitten wir dich: Lass uns erfahren, dass du ein Gott der Lebendigen bist und dass du das Glück der Menschen willst. Gib uns allen Kraft, das sichtbar werden zu lassen in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott, du bist der König unseres Lebens, wir bitten dich: gib uns eine unerschütterliche Bereitschaft, uns so zu nehmen, wie wir sind. Bleibe uns nahe, damit wir Kraft bekommen, einander beizustehen, und in Frieden miteinander zu leben, durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen

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Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
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