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Palmarum
Der Einzug des Königs - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete

Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde.
Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.

Zu den Perikopen

  1. Joh 12, 12-19
    Rev. 2014: Jes 50, 4-9 (s. Reihe IV)

    Das Passahfest zieht unzählige Menschen an, denn es ist das bedeutungsvollste Fest des jüdischen Volkes. Aus allem Himmelsrichtungen, wo immer sich Juden niedergelassen haben, kommen sie zum Tempel nach Jerusalem, um dort ihr Passahlamm zu opfern. Johannes stellt es nun so dar, als ob diese Menge von Menschen nur auf Jesus gewartet hätte. Damit wird die Bedeutung des Passahfestes selbst geschmälert, bzw. Jesus selbst tritt an die Stelle des Festes. Denn die Freude über Jesu kommen ist offenbar größer als die Freude über das Passahfest. Sie begrüßen ihn mit lautem Jubel und rufen dabei Worte aus Ps 118, 26.
    Dass Jesus auf einem Eselsjungen einzieht, ist für Johannes wohl auch nicht so recht erklärlich und begründet es mit der Schrift, die er etwas geglättet zitiert. Nur so leuchtet ein, dass ein König auf einem Eselsfüllen in die Stadt einzieht.
    Der Jesus begrüßenden Menge steht die Gruppe von Menschen gegenüber, die Jesus schon länger begleitet hat und auch die Auferweckung des Lazarus miterlebt hatte. Dies Ereignis war nur kurz vorher geschehen und muss dem Leser daher noch sehr präsent sein. Nun sagen es Jesu Begleiter auch denen, die ihn in Jerusalem so freudig begrüßen. Etwas merkwürdig ist die Wendung, dass ihm aufgrund dieser Nachricht die Menge aus Jerusalem entgegen geht. Das würde bedeuten, dass seine Begleiter zuvor nach Jerusalem gingen, um die Menge dort auf Jesu Kommen vorzubereiten. Dann wäre es jedenfalls eher zu verstehen, dass ihm scheinbar völlig unvermittelt die Menge entgegen jubelt.
    Die Aussage der Pharisäer, die diese Perikope beschließt, ist sehr vieldeutig. Was wollen die Pharisäer nun sagen? Dass ihre bisherigen Versuche, mit ihm zu reden, nutzlos waren, und darum nun Taten folgen müssen? Oder, dass man ihn nicht angreifen kann, weil eben alles Volk ihm nachläuft? Ist dies im Grund schon eine Art Resignation?
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist offensichtlich und muss nicht weiter erörtert werden.
    Für die Predigt wäre vielleicht denkbar, sich, vom letzten Satz ausgehend, zu fragen, was für eine Wirkung Jesus auf uns heute hat. Gehen wir ihm entgegen, empfangen wir ihn als König, ist er nur Bestandteil unseres Glaubens, aber ohne jede Bewegung? Immerhin nimmt er für die Menschen, die ihm damals entgegengingen, nach Johannes einen Platz ein, der bedeutungsvoller war als das bedeutendste aller Feste.

  2. Phil 2, 5-11
    Rev. 2014: Mk 14, (1-2) 3-9 (s. auch Reihe VI)

    folgt später

  3. Mk 14, 3-9
    Rev. 2014: Hebr 11, 1-2.39b-40; 12, 1-3 (s. auch Reihe VI)

    Die Erzählung von der Salbung Jesu in Bethanien ist eine schöne Geschichte, wenngleich sie durch die Unwilligkeit der Jünger (der Männer!) etwas gestört wird. Ein Text, in dem so sehr deutlich wird, dass die Frau Jesu Weg besser versteht als jeder Mann, ist leider selten in den Evangelien.
    Es ist eindeutig: Die Jünger sind jetzt völlig überzeugt von Jesu Predigt, sie wissen, was zu tun ist: den Armen helfen, so gut es geht, irdische Schätze zurücklassen für diesen Zweck, und das bis in alle Ewigkeit. Sie haben noch nicht verstanden, dass Jesus jetzt kurz vor seinem Ende, das den Neuanfang für die ganze Menschheit darstellt, steht. Die Ankündigungen seines Leidens sind verdrängt worden.
    Dementsprechend fahren sie die Frau, die tut, was richtig ist, an, und sagen, sie hätte mit dem Geld, das dieses Öl gebracht hätte, vielen Armen helfen können. Vorsicht ist allerdings geboten: Judas wird hier mit keinem Wort herausgestellt, auch wenn man schlußfolgern könnte, dass er der "Rädelsführer" ist. Hier sind alle männlichen Jünger beteiligt, ohne Ausnahme!
    Die Frau kommt aus dem Nichts, sie wird namentlich nicht identifiziert. Dass sie Jesus nicht kennt, ist kaum wahrscheinlich; ihr Handeln wäre dann kaum zu erklären (denn gesalbt wurden Gäste damals nicht, sondern ihnen wurden nur die Füße gewaschen, und selbst das war schon eine Ehre; es reichte als Zeichen der Gastfreundschaft, eine Schüssel zum Waschen der Füße bereit zu stellen). Könnte dies ein Hinweis sein auf eine größere Schar von Jüngerinnen, die Jesus nachfolgte und deren Namen sich die Evangelisten nicht gemerkt haben? Vielleicht eine reichere Frau, die dieses Öl immer mit sich herumgetragen hat, für den Tag, an dem es gebraucht würde? Vielleicht deswegen der Aufruhr unter den Jüngern, weil sie es für schändlich empfanden, dass die Nachfolgerin solch kostbares Gut noch (heimlich) behalten hatte, während sie selbst ja schon längst alles aufgegeben hatten.
    Jesus wehrt ihnen, denn er weiß, dass die Frau damit einen einmaligen Akt vollzogen hat. Es ist schon merkwürdig, wenn er dann sagt "Arme habt ihr allezeit bei euch", so als ob es eh nichts ausmacht, ob man sich nun für die Armen einsetzt oder nicht. Aber das ist natürlich nicht gemeint. Vielmehr will Jesus damit nur verdeutlichen, dass das Handeln der Frau einmalig war und genau zum richtigen Zeitpunkt geschehen ist.
    In der Predigt kann nach der Bereitschaft zur Spontaneität gefragt werden. Auch wenn die Frau das Salböl lange aufgehoben hatte, so ist doch die Entscheidung, Jesus jetzt zu salben, spontan gefallen, weil sie spürte, dass jetzt die Zeit gekommen war. Es ist die Bereitschaft, aus dem Trott des Alltags auszubrechen (in diesem Fall das ständige Konzentriertsein der Jünger auf das "Den-Armen-Helfen"). Es ist die Bereitschaft, plötzlich das zu tun, das nötig und richtig ist in diesem Moment.
    Die Geschichte eignet sich aber auch dazu, in einer Predigt dem Gedanken der Jüngerinnenschaft nachzugehen. Was war da? Was ist immer wieder unterdrückt worden? Man muss freilich aufpassen, sich nicht von Spekulationen leiten zu lassen. Auf der anderen Seite ist sicher, dass es mehr Frauen in der Nachfolge Jesu gab, als in den Evangelien erwähnt werden. Der Kontrast zwischen der materiellen Haltung der Jünger und der liebevollen Haltung der Frau darf auch nicht dazu benutzt werden, Klischees zu fördern. Es ist offensichtlich, dass die Handlung der Frau von Jesus höher geschätzt wird als die Haltung der Jünger, die unserem Ideal sozialer Fürsorge und Hilfe ja doch näher ist.
    Der kirchenjahreszeitliche Ort ist durch die Nähe zum Einzug in Jerusalem gegeben. Man gibt sich gerne der Illusion hin, dass Jesus nach dem Einzug auch in Jerusalem geblieben sei, aber weit gefehlt, Betanien ist doch noch etwas außerhalb von Jerusalem. Warum er nach Betanien ging, bleibt unklar. Es erscheint fast, als sei der Text nachträglich eingefügt worden, um ihn zeitlich näher an Jesu Begräbnis zu bringen; dann aber wäre die Frage zu stellen, warum er nicht vor dem Einzug in Jerusalem steht. Das kann wohl dadurch begründet sein, weil der Einzug in Jerusalem ja noch einmal Jesus als König feiert, und erst danach die eigentliche Leidenszeit beginnt. Der Text stellt allemal einen Kontrast dar zum feierlichen Einzug in Jerusalem, denn er zeigt wieder direkt auf das bevorstehende Sterben Jesu.

  4. Jes 50, 4-9
    Rev. 2014: Joh 17, 1-8 (s. Reihe V)

    Es handelt sich bei diesem Text um das dritte "Gottesknechtslied". Während man früher diese Gottesknechtslieder gerne als Prophezeiungen auf Jesus hin deutete, geht man heute eher davon aus, dass hier der Prophet in der Tat von sich selbst redet.
    Zunächst identifiziert sich der Autor mit einem Jünger, wobei die Bezeichnung wohl eine besondere Gruppe von Menschen bezeichnet, denn offensichtlich sind nicht alle Menschen Jünger. Die Zunge dient dazu, mit den Müden zur rechten Zeit zu reden. Die Ohren sind offen, auf die Weisung Gottes zu hören und nicht davon abzuweichen. Offenbar führt diese Haltung dazu, dass man geschlagen und misshandelt wird. Der Prophet flieht nicht davor, sondern lässt es geschehen. Merkwürdig die Formulierung, dass er sein Angesicht hart machte wie einen Kieselstein (V. 7) - diese Härte past gar nicht zu der anfänglichen Aussage, die Fürsorge und Liebe ahnen lässt. Aufgrund dieses Verses allein dürfte es schon schwer fallen, in den Versen Jesus zu erkennen, denn er hat sein Angesicht nie "verhärtet" vor den Menschen (zumindest nicht nach unserer Vorstellung). Es scheint jedenfalls klar, dass diese Verhärtung eine Art Selbstschutz ist und nicht eine Versteinerung aufgrund dessen, was um den Propheten herum geschieht (im Sinne von 'er stand wie erstarrt', oder 'er starrte entsetzt auf etwas'). Dieser Satz aber steht inmitten der Feststellung, dass Gott, der Herr, bei ihm ist und ihm helfen wird. Wer mit dem Verfasser streitet, streitet mit Gott! Fast höhnisch klingt die Aufforderung, gegen ihn Klage zu erheben. Denn der Prophet weiß sehr genau, dass niemand ihm "am Zeug flicken" kann. Ja, die Ankläger werden wie von Motten zerfressene Kleider zerfallen (Vers 9).
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird nur schwer erkenntlich. Hier ist nichts von einem Einzug zu erkennen, auch gibt es keine Parallele zu den Hosianna-Rufen der Menge. Vielleicht kann man einen Zusammenhang da erkennen, wo von der Anklage geredet wird: Jesus wird ja kurz nach seinem Einzug in Jerusalem angeklagt werden - noch ist er der, der zu den Müden spricht, doch bald wird er der sein, der selbst auf der Anklagebank sitzt und sich vor Menschen verantworten muss, wo doch nur Gott richten kann und darf. Aber dieser Zusammenhang ist sehr vage und legt die - falsche - Vermutung nahe, dass dieser Text eben doch auf Jesus hindeutet. Ein anderer Zusammenhang könnte allerdings bei uns hergestellt werden: wie stellen wir uns zu Jesus. Sind wir die, die heute jubeln und ihn morgen "anklagen" bzw. verleugnen, um uns selbst bzw. unseren "Lebensstandard" zu schützen? Können wir uns selbst in dem Text des Propheten erkennen, und wenn ja, an welcher Stelle: als die Jünger, d.h. als jene, die ihre Hoffnung alleine auf Gott setzen und darum viel riskieren, oder als jene, die als Ankläger auftreten? Der Zusammenhang ist immer noch undeutlich, aber ich denke, dem Text angemessener.
    Die Predigt könnte dann entsprechend auf diesen Aspekt eingehen. Wo kommen wir in diesem Text vor? Sind wir Jünger, die sich jeden Morgen neu auf Gott einlassen, die bereit sind, sich selbst einem Gericht zu stellen, von dem sie wissen, dass es falsch urteilen wird? Oder klagen wir an - sind wir die, die den anderen ständig ihre Fehler vorwerfen, ohne zu erkennen, dass es um uns geht, um unsere Bereitschaft, ihnen in Liebe und Versöhnungsbreitschaft zu begegnen?

  5. Joh 17, 1 (2-5) 6-8
    Joh 17, 1-8 (W)
    Rev. 2014: Joh 12, 12-19 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

    Das hohepriesterliche Gebet, wie das 17. Kapitel des Johannes-Evangeliums genannt wird, steht an ähnlicher Stelle wie das Gebet Jesu im Garten Gethsemane: unmittelbar vor seiner Festnahme. Aber der Inhalt und vor allem der Charakter dieses Gebetes steht in krassem Gegensatz zu jenem Gebet der Synoptiker. Denn Jesus zeigt hier nicht seine menschliche Gestalt, sondern seine göttliche. Er ist der Sohn Gottes, der vor Anbeginn der Welt war und ewig bleiben wird. Die Kreuzigung wird angedeutet als "Verherrlichung" und nicht als Opfertod. Es ist die Tür zum Reich Gottes.
    Dieses Gebet ist eigentlich ein Fürbittengebet, aber dieser Charakter wird in unserer Perikope nicht deutliche. Dafür sagt Jesus etwas über die Jünger aus (man könnte wohl fragen, ob es wirklich nur die Jünger sind, wenn Jesus in recht unpersönlicher Form von einer Mehrzahl von Menschen spricht; vom Umfeld und der Situation her ist es allerdings sehr wahrscheinlich, dass Jesus nur seine Jünger meint). Sie haben das Wort empfangen und bewahren es, sie haben also die Herrlichkeit Gottes gesehen, er ist ihnen in Jesus Christus offenbart worden, denn sie haben das Wort Jesu angenommen als ein Wort, das von Gott kommt. Interessant ist wohl der Gedanke, dass die Jünger schon zuvor von Gott auserwählt waren ('du hast sie mir gegeben' - Vers 6b). Der Prädestinationsgedanke (die Vorherbestimmung) wird bedrückend, weil er den Menschen ihre Freiheit raubt. Diese Vorherbestimmung ist aber offenbar nicht vollkommen, denn immerhin müssen die so zu Jesus gekommenen Menschen noch aus eigenem Willen das Wort annehmen (Vers 8).
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang scheint zu fehlen. Hier besteht keine Verbindung mit dem Einzug in Jerusalem. Man kann aber doch eine Brücke schlagen: Während bei den Synoptikern der Einzug in Jerusalem im Grunde Jesu Verherrlichung und Erhöhung unter den Menschen ist, ist es bei Johannes der Tod am Kreuz. Insofern gibt es also doch einen Zusammenhang: hier wird der König offenbar. Allerdings wird bei Johannes durch das hohepriesterliche Gebet bereits auf Jesu wahre Identität hingewiesen - beim Einzug in Jerusalem glauben die Menschen, er sei ein irdischer König.
    An diesem Punkt könnte die Predigt ansetzen. Wofür halten wir Jesus? Was erwarten wir von ihm? Soll er Funktionen eines Politikers übernehmen und dafür sorgen, dass es in unserer Welt, in unserem Umfeld, besser wird? Oder sehen wir ihn als den Schöpfer, der uns die Freiheit schenkt, unser Leben selbst zu getalten, und dabei Wegweiser setzt? Denn er hat uns ja schon alles offenbart. Mehr können wir nicht erwarten, mehr brauchen wir nicht erwarten. Alles Weitere liegt an uns.

  6. Hebr 12, 1-3
    Rev. 2014: Phil 2, 5-11 (Epistellesung - s. Reihe II)

    Der Verfasser schließt an an die in Kapitel 11 angeführte Liste derer, die im "ersten Bund" aus Glauben heraus gehandelt haben. Der vorliegende Abschnitt des Hebräerbriefes vermittelt eine schöne Vorstellung von der Gemeinschaft der Heiligen: sie bilden eine Wolke, von der wir umgeben sind. Noch leichter nachvollziehbar ist die Vorstellung vom Nebel, der uns umgibt. Jedes Tröpfchen in diesem Nebel könnte solch einen Heiligen darstellen, unzählige also, und wir sind wie von einem Nebel eingehüllt von diesen Zeugen, die wir auch getrost als "Heilige" bezeichnen können.
    Dass wir von einer solchen Wolke umgeben sind, soll uns dazu anspornen, alles Belastende abzulegen. Dazu gehört auch die Sünde, die uns ständig umstrickt - davor können uns die Heiligen nicht schützen, denn natürlich ist die Wolke durchlässig. Aber die Existenz der Wolke kann uns Mut machen, denen gleich zu werden, die uns in dieser Wolke begegnen.
    Der Verfasser geht davon aus, dass das Leben eines Christen ein Kampf ist - eben ein Kampf gegen die Sünde - der nicht zu Ende geht. Darum brauchen wir Geduld, die wir einmal durch die Gegenwart der Zeugen aufbringen genauso wie durch den Blick auf Jesus, den "Anfänger und Vollender des Glaubens". Wie Jesus den Glauben vollendet hat, wird dann sogleich ausgeführt: er hat das Kreuz erduldet (Geduld) und die Schande geringgeachtet, obwohl, und das ist sicher ein wichtiger Aspekt, er es sich hätte gutgehen lassen können. Der Weg zur Herrlichkeit Gottes führt durch das Leid hindurch und nicht daran vorbei.
    Zuletzt weist der Verfasser darauf hin, dass Jesus viel Widerspruch von den Sündern erduldet hat. Der Hinweis, dass die Widersprechenden Sünder sind, lässt aufhorchen. Jesus, der ja als Gottes Sohn frei von Sünde war, hätte sich darüber hinwegsetzen können. Es wäre ja so gewesen wie der Widerspruch von Kindern gegen die Eltern, wobei die Eltern genau wissen, dass die Kinder im Unrecht sind. Wäre Zurechtweisung nicht die richtige Antwort gewesen?
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird nicht deutlich. Wir können zwar erkennen, dass hier vom König die Rede ist: Jesu Herrschaft - sitzend zur Rechten Gottes - wird ja in diesem Text bezeugt. Auf der anderen Seite ist von keinem Einzug die Rede, eher im Gegenteil: das Geduldige Ausharren angesichts des Widerspruchs seitens der Sünder weist schon deutlich auf die Verurteilung und das Kreuz hin, das Jesus erleiden muss.
    Es ist aber dennoch wichtig, dass wir diesen Zusammenhang in der Predigt herstellen. Darum folgender Vorschlag: Jesus wusste, was auf ihn zukam, als er in Jerusalem einzog. Er wusste bereits von der bevorstehenden Verurteilung. Dennoch begibt er sich in die Gefahr. Es gibt für ihn keinen Grund, sich selbst zu schützen, denn sein Ziel ist ja, die Menschheit zu erlösen und nicht sich selbst. In einer ähnlichen Situation stecken wir immer wieder, nur stellt sich uns nicht die Alternative: Erlösung der Menschheit oder Sicherung der eigenen Existenz. Unsere Alternative lautet: Nächstenliebe oder Eigenliebe. Obwohl die Nächstenliebe nicht möglich ist ohne eine Bejahung seiner selbst, so gibt es doch immer wieder die Versuchung, das eigene Wohl in den Vordergrund zu rücken. Dabei wird das Gefälle zwischen dem, der Hilfe braucht, und dem eigenen Wohlstand immer größer. Das ist der Kampf, der uns bestimmt ist, dass wir uns dieser Tendenz widersetzen, uns selbst so wichtig zu nehmen, dass kein Raum mehr bleibt für die, denen es unsäglich schlechter geht. Jedesmal, wenn wir scheinbar achtlos an Menschen vorübergehen, die unsere Hilfe brauchen, entscheiden wir uns, so wie sich Jesus beim Einzug in Jerusalem entschieden hat. Die Predigt kann also versuchen, die uns zur Verfügung stehende Alternative zu verdeutlichen und anhand des Beispieles Jesu zur entsprechenden Entscheidung zu ermutigen. Das bietet der Predigttext. Dazu tritt der tröstliche Gedanke, dass wir in unserem Bemühen nicht allein sind. Die Wolke der Zeugen umfasst ja eine unendliche Fülle von Menschen, die vor uns gelebt haben und auch in unserer Zeit leben. Wir sind also nicht allein, so wie Jesus auf seinem Weg letztlich allein war. Insoweit war er der erste, der uns vorausgegangen ist.



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Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
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