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Pfingstsonntag
Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes
Ausgießung des Heiligen Geistes - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Predigten

s. die Erklärungen zu "Pfingsten"

Zu den Perikopen

  1. Joh 14, 15-19(20-23a)23b-27

    Jesus antwortet mit diesen Worten Judas (nicht Iskarioth) auf die Frage, was die Aussage, dass Jesus sich nicht der Welt, sondern den Jüngern offenbaren wolle, bedeutet. Dabei sind mit "Jünger" nur die gemeint, die Jesus lieben und darum von Gott wieder geliebt werden. Erst dann, so klingen die Worte aus Vers 21, wird sich Jesus diesen offenbaren.
    Jesu Erkärung wiederholt das schon Gesagte, wird aber darüber hinaus noch ergänzt: Natürlich soll er selbst nicht verborgen bleiben, aber nicht er selbst wird sich offenbaren, sondern durch die Gemeinde, durch seine Jüngerinnen und Jünger wird er den Menschen bekannt gemacht.
    Es bleibt aber die Unterscheidung zwischen denen, die Jesus (Gott) lieben, und denen, die es nicht tun. Es bleibt die Abgrenzung Gottes von denen, die ihn nicht lieben. Sein Geist wird nur denen geschenkt, die Jesus lieben - das lässt sich wohl aus dem Gesagten folgern. Er ist kein Allgemeingut, das frei verfügbar wäre.
    So ist auch die nachfolgende Abgrenzung nur folgerichtig: Jesus hinterlässt den Frieden, der sofort als "sein Friede " qualifiziert wird. Und nun folgt die Abgrenzung: Jesus gibt nicht so, wie die Welt es tut. Nun kann man fragen, ob sich dies auf die Gabe des Friedens bezieht, oder ganz generell auf all das, was von Gott gegeben wird. Wie immer die Antwort ausfällt, der Friede selbst wird damit auch gemeint sein.
    Selbst diese Gabe, der Friede Gottes, müsste noch definiert werden. Macht die Tatsache, dass er nicht auf die Art und Weise, wie es die Welt zu tun pflegt, übermittelt wird, den Frieden selbst anders als den Frieden, den wir uns wünschen?
    Bei der Übermittlung des Friedens spielt offenbar der heilige Geist eine wichtige Rolle. Er macht den Unterschied zur Welt aus. Der Geist erfüllt die Herzen der Menschen, er verwandelt sie, indem er sie lehrt und erinnert an das, was Jesus ihnen vermittelt hat. Hier ist nun bemerkenswert, dass das Element der Tradition völlig außen vor bleibt. Es gibt hier kein "lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe" - diese Aufgabe übernimmt der heilige Geist selbst.
    Hierin wird dann auch der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ganz deutlich. Die Predigt wird sicher die Spannung zwischen der Bewegung des Geistes und der Starrheit des gedruckten Wortes darzustellen versuchen. Während hier die Tradition, das Überliefern, gänzlich ausgeklammert wird, bekommt sie woanders innerhalb der Schriften des NTja einen beachtlichen Stellenwert. Es ist sicher wichtig, darauf hin zu weisen, dass beides seine Berechtigung hat. Das darf dann nicht dazu führen, dass man sich wie in einem Supermarkt mit all dem bestückt, was man gerade gut gebrauchen kann. Das, was der Geist bewegt, soll nicht gehindert werden - es muss sich aber am geschriebenen Wort messen lassen, das wiederum nur durch den Geist richtig verstanden werden kann. Ein "Geisteskreis" gewissermaßen.

  2. Apg 2, 1-21

    folgt später

  3. 1. Mose 11, 1-9 (= Gen 11, 1-9)

    Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist geläufig. Während bis zu dem Zeitpunkt der Erzählung die Menschen überall die gleiche Sprache sprachen, wird diesem Zustand durch Gott ein Ende gesetzt, nachdem die Menschheit versucht hatte, einen Turm zu bauen, mit dem sie sich einen Namen machen wollen - hoch bis an den Himmel. Die Geschichte ist eine sehr unschlüssige etiologische Erzählung. Zunächst taucht die Frage auf, vor wem sich die Menschen einen Namen machen wollen, wenn sie hier ein gemeinsames Projekt beginnen wollen. Vor Gott? Das scheint nicht begründet, denn darauf wird überhaupt nicht eingegangen, außer in der Reaktion Gottes, der nun auf zutiefst menschliche Weise die Konkurrenz der Menschen fürchtet.
    Die Folge ist, dass Gott die Sprache der Menschen verwirrt und sie so in alle Lande zerstreut, denn nur die mit der gleichen Sprache können auch zusammenleben. Auf diese Weise wird die Herkunft zweier Phänomene erklärt: der Existenz verschiedener Sprachen und der Existenz einer früher existierenden Ruine eines gewaltigen Turmes. Vielleicht hat es diese Ruine auch nie gegeben. In jedem Fall ist die Existenz verschiedener Sprachen die Hauptursache für diese Erzählung.
    Für eine Predigt kann man einen Anknüpfungspunkt dort finden, wo Gottes Reaktion geschildert wird, die sehr menschlich einfach Ausdruck der Angst vor Konkurrenz ist. Unsere Gesellschaft befindet sich jetzt, tausende Jahre später, an einem Punkt, an dem es möglich ist, nahezu alle Funktionen, die einst nur Gott zugesprochen werden konnten, zu erfüllen. Durch die Gentechnologie sind wir so weit gekommen, sogar Leben schaffen zu können! Jetzt wäre die Angst Gottes noch viel begründeter! Aber gerade jetzt wird die Welt immer kleiner, die Menschen verstehen sich über Grenzen hinweg, man ist sich nicht mehr fremd, auch wenn es noch viele Unterschiede gibt; dies ist sicher auch dem stetigen Fortschritt in Forschung und Technik zu verdanken. An diesem Punkt anzusetzen würde bedeuten, dass man den Mensch wiederum über Gott erhöht, denn dem Menschen gelingt selbst die Strafe Gottes zu nivellieren.
    Von daher ist dieser Ansatz also nicht empfehlenswert. Es ist sinnvoll und wichtig, hier den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang näher zu betrachten.
    Der Zusammenhang mit Pfingsten ist durch das Geschehen an der Sprache gegeben. Der Turmbau zu Babel hat die Sprachverwirrung bewirkt, die Ausgießung des Heiligen Geistes die "Einheitssprache" (Apg 2,6). Während die Turmbaugeschichte eine Etiologie ist, ist die Pingstgeschichte mehr eine symbolische Erzählung. Die Tatsache der Existenz einer "Einheitssprache" (eigentlich ist es ja eher so, dass man von einer unsichtbaren Übersetzungsmaschine reden müßte) deutet wohl auf das Wirken des Geistes hin, der nun die Frohe Botschaft allen zugänglich macht. Vom Turmbau zu Babel die Brücke zu Pfingsten zu schlagen, ist nicht leicht, da beide Geschichten einen völlig anderen Schwerpunkt haben.
    Es geht beim Turmbau zu Babel auf jeden Fall um den Größenwahn des Menschen und die Konsequenz. In der Predigt kann man nun im Blick auf Pfingsten vielleicht dies herausstellen: Je mehr wir glauben, uns selbst weiter perfektionieren zu können, um so mehr entfernen wir uns von Gott. Je mehr wir glauben, dass die Werke, die wir leisten, aus unserem eigenen Vermögen heraus entstehen, um so mehr entfernen wir uns von Gott. Es erhebt sich die Frage, ob Gottesferne wirklich so schlimm ist. Für uns ist sie es wohl, aber für manchen Durchschnittsmenschen gewiss nicht. Erst in der Not streckt man wieder die Hände aus nach Gott, von dem man dann doch Hilfe erwartet. Man könnte darauf hinweisen, dass die Wissenschaft nicht in der Lage ist, alle Probleme und Fragen dieser Welt zu lösen. Aus dieser Geschichte einen Machtkampf zwischen Gott und den Menschen abzuleiten, wäre sicherlich falsch. Es geht wohl um Grenzen, die Gott uns setzt, aber diese Grenzen bestehe nicht so sehr in Verboten, als in selbsterwirkten Einschränkungen aufgrund unseres übereilten Handelns, das mögliche Konsequenzen nicht in Betracht zieht. Für die Wissenschaft gibt es nur ein Vorwärts; für die Menschheit muss es auch ein Innehalten geben, das uns Zeit gibt, über die Konsequenzen nachzudenken. Wenn wir innehalten, kommen wir auch Gott ein Stückchen näher.

  4. Röm 8, 1-2(3-9)10-11

    Dieser Abschnitt kann nicht ohne den größeren Zusammenhang richtig verstanden werden. Im Vorfeld (Kapitel 7) führt Paulus aus, das der Mensch unter dem Gesetz verloren ist, denn es ist ihm nicht möglich, das Gesetz einzuhalten. In diese Erkenntnis klingt der Ruf: Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! (7,25) Denn dem Gesetz der Sünde, das einzuhalten unmöglich ist, steht das Gesetz Gottes gegenüber, das auf der liebenden Vergebung beruht, die uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus anbietet.
    Nun setzt unser Predigttext ein: Darum gibt es keine Verdammnis für uns, die wir in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz Gottes endet nicht mit dem Urteil der Verdammnis, sondern es endet mit dem Urteil der Vergebung - wenn man so noch von Urteil sprechen kann.
    Problematisch ist wohl die Dialektik von Fleisch und Geist, die hier als sich abstoßende Größen dargestellt werden. Deswegen hat man wohl diesen Abschnitt in Klammern gesetzt. Unter dieser Dialektik ist die Leibfeindlichkeit entstanden, die zeitweise soweit ging, dass gesunde Sexualität verteufelt wurde. Auf der anderen Seite hilft diese Dialektik, die Bedeutung der geistlichen Wahrnehmung gegenüber der sinnlichen, körperlichen oder auch "fleischlichen" Wahrnehmung hervorzuheben. Denn es gibt einen Erfahrungsbereich in unserer Existenz, der nicht von unseren körperlichen Sinnen erfasst werden kann. Paulus geht aber weiter: wer zu Gott gehört, ist geistlich und nicht fleischlich. Dies kann nur so verstanden werden, dass, wer zu Gott gehört, sich nicht von seinem Körper - wie ein Tier - bestimmen lässt, sondern vom Geist Gottes, und dabei dann selbstverständlich die Bedürfnisse des anderen erkennt und darauf eingeht. Es wäre sicher falsch interpretiert, wenn man meinen wollte, dass körperliches Wohlbefinden der Verbindung zu Gott im Wege steht. Wohl ist etwas dran an dieser Feststellung, denn in unserer Gesellschaft ist das Bedürfnis, Gott zu erkennen, viel geringer als in einer Gesellschaft, in der die Menschen nur das nötigste zum Leben haben.
    Vers 10 nimmt den Gedankengang noch einmal auf: der tote Leib, das könnte das Gericht meinen, das den Leib verurteilt nach dem Gesetz des Fleisches. Das Leben, wahres Leben, bringt der Geist Gottes. Und genau darauf will Paulus hinaus: Unsere Erfahrung ist, dass der Körper stirbt. Damit scheint unsere Existenz zu erlöschen. Der Geist aber, so sagt Paulus, bleibt, und der wird letztlich sogar unsere sterblichen Leiber, die sterben müssen, wieder auferwecken.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist klar: der lebendig machende Geist steht im Mittelpunkt. Dabei haben wir diesen Geist, weil er uns nach Gottes Gerechtigkeit geschenkt wird, nicht, weil wir es verdient hätten. Um seines Sohnes Jesu Christi willen sind wir Kinder des Geistes!
    Die Predigt sollte das Leben verkündigen, fast so, wie es die Osterpredigt tut. Der Geist Gottes, das, was uns lebendig, zu besonderen Geschöpfen macht, gehört zu uns allein darum, weil Gott es so will. Und weil der Geist Gottes das Leben bejaht, darum dürfen wir auch unseren Leib bejahen und müssen nicht so tun, als sei alles "fleischliche" verwerflich. Dass es Grenzen gibt, ist klar - die bedeutendste ist sicher das Wohl des anderen, das man dabei nie aus den Augen verlieren darf.
    Aus der Zürcher Reformierten Landeskirche finden Sie hier Informationen zum Pfingstfest

  5. 1. Kor 2, 12-16

    Dieser ausgesprochen schwierige Text (weniger vom Verstehen als von der Anwendung her) ist natürlich für das Pfingstfest bestens geeignet, aber stellt uns in ein Dilemma. Es stehen sich der "Geist der Welt" und der "Geist aus Gott" gegenüber, wobei der Geist der Welt offensichtlich minderwertig ist, weil er auf menschliche Weisheit angewiesen ist, und gleich abgetan wird. Die Frage ist sicher berechtigt, ob der natürliche Mensch mit dem geistlichen Menschen verbunden ist, oder ob der geistliche Mensch den natürlichen Menschen zurücklässt. Mit anderen Worten: Wechselt die Qualität eines Menschen, wenn er den "Geist aus Gott" empfangen hat? Wird er dann zu einem geistlichen Menschen? Oder wird dem "natürlichen Menschen" die Qualität "geistlich" hinzugefügt?
    Wie es scheint, handelt es sich hier für Paulus um einen vollständigen Wandel. Der "natürliche Mensch" ist nicht mehr, nun gibt es nur noch den "geistlichen Menschen", den, der den Geist Gottes empfangen hat. Dieser geistliche Mensch hat nun noch eine besonders herausgehobene Stellung: er beurteilt alles und wird selbst von niemandem beurteilt (Vers 15).
    Das ist freilich ein gefährlicher Satz. Schnell neigt man dazu, anstatt "beurteilen" das Wort "verurteilen" zu lesen. Das liegt auch angesichts des griechischen Wortes "anakrino" nahe (anakrino bedeutet "untersuchen" wie in einer gerichtlichen Untersuchung; krino bedeutet "verurteilen"). Dies würde dazu führen, dass sich die Christen, die sich - zu Recht - als geistliche Menschen verstehen dürfen, zu Richtern erheben, was zumindest kritisch ist, zumal es im Widerspruch zu Jesu Aussage "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet" (Mt 7,1) steht. Es ist von daher sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass der geistliche Mensch eben nicht Richter ist, wohl aber die Möglichkeit hat, Menschen, Dinge und Verhältnisse zu beurteilen. Dies aber nur, solange es im Geist Gottes geschieht, denn sonst ist er kein geistlicher Mensch mehr und unterliegt selbst solchem Urteil.
    Letztlich müssen wir uns fragen: wie stellen wir uns denen gegenüber, die "natürliche Menschen" sind? Hat es irgendeinen Nutzen, sie zu beurteilen? Ist es nicht besser, auf sie zuzugehen in Liebe und Vertrauen? Und natürlich stellt sich auch die Frage: bin ich wirklich ein geistlicher Mensch? Kann ich das von mir selbst glauben? Und wenn nicht: was bedeutet das für mein Leben?
    Auf diese letzten Fragen gibt der Predigttext eine Antwort: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott. Da gibt es nichts dran zu rütteln, das ist eine Tatsache. Wir aber haben Christi Sinn, sagt Paulus, und macht damit deutlich, dass wir mit allem ausgerüstet sind, das notwendig sein mag, um "geistliche Menschen" zu sein.
    Diese Zusage ist ermutigend und zugleich beängstigend, denn sie stellt uns heraus. Viel lieber wären wir Mitläufer, würden nicht auffallen. Aber darum können wir uns nun nicht drücken. Das dumme ist eben, dass wir mit dem, was wir wissen, zumindest auf der Ebene der Vernunft keine Chance haben (Verse 6-8 und 14).
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist offensichtlich und muss nicht weiter erläutert werden.
    Die Predigt sollte vor allem den Schwerpunkt auf die Zusage des Paulus legen: wir sind geistliche Menschen, wir haben den Sinn Christi. Aus dieser Zusage folgt aber keine Überheblichkeit, sondern vielmehr Mut, das weiterzusagen, was wir wissen: dass Christus gekreuzigt wurde, starb und von den Toten auferstanden ist; dass er nun zur Rechten Gottes sitzt. Dies zu vermitteln ist und bleibt unsere Aufgabe, dazu sind wir geistliche Menschen.

  6. Hes 37, 1-14 (= Ez 37, 1-14)

    folgt später



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  • Zuletzt überarbeitet: 27 Oktober 2018
    © Copyright 1998-2018 by Martin Senftleben

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