das Kirchenjahr

3. Sonntag im Advent (Gaudete)

Der Vorläufer des Herrn

Predigtanregung

Am 3. Sonntag im Advent steht der "Vorläufer des Herrn", Johannes der Täufer, im Vordergrund. Während die Evangelienlesungen und die alttestamentliche Lesung dieses Thema aufgreifen, betrachten die Epistellesungen unseren Umgang mit der Botschaft, die wir empfangen haben, als Haushalter über die Geheimnisse Gottes (1. Kor 4, 1-5), als Hoffende (Röm 15, 4-13) und als die, die schlafen und das Kommen des Herrn verpassen, wenn sie nicht aufwachen (Offb 3, 1-6). Diese drei Aspekte sind schwer dem Thema unterzuordnen, es sei denn, man sieht darin die Reaktion auf die Botschaft des Propheten, denn alle drei sind geschrieben in der Erwartung, dass der Herr kommt, aber noch nicht endgültig da ist.
Es entfällt das "Gloria in excelsis".
Der originale Name des 3. Adventssonntags lautet „Gaudete”, was sich von dem ursprünglichen Introitus ableitet (Gaudete in Domino semper: „Freut euch im Herrn allezeit”, Phil 4,4). Wegen der Freude, die hier zum Ausdruck kommt, ist es auch möglich, als liturgische Farbe Rosa zu wählen.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

III - Lk 1, 67-79

Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:
68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat besucht und erlöst sein Volk
69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils
im Hause seines Dieners David
70 – wie er vorzeiten geredet hat
durch den Mund seiner heiligen Propheten –,
71 dass er uns errettete von unsern Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen,
72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern
und gedächte an seinen heiligen Bund
73 und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,
74 dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,
75 ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang
in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen.
Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest
77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk
in der Vergebung ihrer Sünden,
78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,
durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,
79 damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,
und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Das sogenannte „Benediktus” ist ein Lobgesang, der in geistlichen Gemeinschaften bis heute in den Morgengebeten gesungen wird. Der Priester Zacharias, Vater Johannes des Täufers, hat gerade seine Stimme wiedergewonnen, nachdem sein Sohn geboren war. Und das erste, was er tut, nachdem seine Lippen wieder geöffnet wurden, ist der Lobpreis Gottes. Dabei dankt er nicht dafür, dass er nach neun Monaten wieder sprechen kann, sondern er erinnert an die Verheißung, die nur ihm zuteil wurde damals im Tempel, als er den Dienst versah. Nun sollten durch seinen Mund alle erfahren, was Gott mit diesem Kind vorhat.
Die Predigt muss berücksichtigen, dass dieser Text ganz von dem Bewusstsein geprägt ist, dass Gott sein Volk Israel nicht im Stich lässt. Auch wenn es bei dem besungenen Kind um den Vorläufer Jesu Christi geht, müssen wir uns doch stets bewusst bleiben, dass sowohl Johannes der Täufer als auch Jesus Christus tief in der Geschichte des jüdischen Volkes verwurzelt sind. Dies lässt sich z.B. erkennen an der Erzählung von der kanaanäischen Frau (Mt 15, 21ff), in der Jesus seine Berufung zum jüdischen Volk in den Vordergrund stellt.
Dennoch geht die Heilsgeschichte weiter, d.h. sie bleibt nicht an den Grenzen des Volkes Israel stehen. Auch die Heiden kommen herzu, sie sind durch Christus mit eingeschlossen in den Bund, weil Gottes Liebe allen Menschen gilt – weswegen er aber das Volk Israel nicht verworfen hat.
Das Benediktus entfaltet die Heilsgeschichte und bringt auch diesen letzten Gedanken zum Ausdruck, indem es von denen spricht, die „in Finsternis und Schatten des Todes” sitzen, womit die Heiden, also die Nichtjuden, gemeint sind.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt nun nahe, dass der Schwerpunkt auf Johannes den Täufer, das kleine Kind, das hier besungen und dessen Aufgabe beschrieben wird, gelegt wird. In dem Zusammenhang können Verbindungen hergestellt werden zu den Lebenssituationen der Zuhörer: Gott lässt die Seinen nicht allein, er wehrt denen, die sein Volk bedrängen, schenkt Freiheit denen, die gefangen sind, und ist gnädig allen, die seine Gnade suchen. Johannes der Täufer wird darauf hinweisen, dass Gott sein Versprechen einlöst. Jesus Christus ist es, der es einlösen wird.

Liedvorschläge zur Predigt:

Nun komm der Heiden Heiland (EG 4)
Gott sei Dank durch alle Welt (EG 12)
Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16)
Freuet euch, ihr Christen alle (EG 34)



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