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Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr
Weltgericht - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Vorletzte Sonntag im Kirchenjahr befasst sich mit dem Weltgericht, wie es vielfach im Neuen Testament angekündigt. Viele Menschen unterliegen der Gefahr, das Kommen des Weltgerichtes in den Zeichen dieser Zeit zu sehen: in Verwüstungen, Naturkatastrophen, Kriegen usw. Dabei machen sie sich zu Beobachtern, obgleich sie doch selbst Betroffene sein müssten. Unser Glaube lehrt uns, dass Gott barmherzig und gnädig ist und dem vergibt, der sich ihm in Vertrauen zuwendet. Somit ist es wohl angebracht, das Weltgericht als ein positives Geschehen zu erwarten und nicht als etwas, das Zerstörung und damit Leid bringt.

III - Lk 16, 1-8 (9)
Rev. 2014: Röm 14, (1-6)7-13 (Epistellesung)

Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. (Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.)


[Die Perikopenrevision von 2014 sieht folgenden Text vor:] Röm 14, (1-6)7-13
Den Schwachen im Glauben nehmt an und streitet nicht über Meinungen. 2 Der eine glaubt, er dürfe alles essen; wer aber schwach ist, der isst kein Fleisch. 3 Wer isst, der verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, der richte den nicht, der isst; denn Gott hat ihn angenommen. 4 Wer bist du, dass du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber stehen bleiben; denn der Herr kann ihn aufrecht halten.
5 Der eine hält einen Tag für höher als den andern; der andere aber hält alle Tage für gleich. Ein jeder sei in seiner Meinung gewiss. 6 Wer auf den Tag achtet, der tut's im Blick auf den Herrn; wer isst, der isst im Blick auf den Herrn, denn er dankt Gott; und wer nicht isst, der isst im Blick auf den Herrn nicht und dankt Gott auch.

7 Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. 8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.
10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. 11 Denn es steht geschrieben (Jesaja 45,23): „So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.” 12 So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. 13 Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.

Ein Text, mit dem wir unsere Schwierigkeiten haben dürften. Ganz vordergründig erkennen wir das geschickte Ausnutzen der Macht, die einem gegeben wurde, zum eigenen Vorteil. Kurz: Korruption. Das Erschreckende: Jesus empfiehlt uns offenbar, so zu handeln, d.h. korrupt zu sein. Kann er das wirklich meinen?
Wir müssen uns zunächst deutlich machen, dass wir es hierbei mit einem Gleichnis zu tun haben. Dieses Gleichnis wörtlich zu nehmen, wäre wohl nicht angemessen. Worum geht es denn nun wirklich in dem Gleichnis?
Offenbar drängt die Zeit, dem Verwalter wird angekündigt, dass er seinen Job bald los sein wird; interessanterweise weil er seine Macht missbraucht hatte. In dieser Zeit $quot;kurz vor dem Ende$quot; gerät der Verwalter nun nicht in Panik, sondern macht sich einen Plan, wie er am besten aus dieser Situation herauskommen könne. Er entscheidet sich dafür, seinen Herrn erneut zu betrügen und die Schuldner seines Herrn freundlich zu stimmen: sie sollen nur noch die Hälfte zahlen. Stiftet er sie zum Betrug an dadurch, dass er sie auffordert, die Schuldscheine zu ändern? Oder macht er später die Änderungen rechtsgültig durch sein Siegel?
In jedem Fall stehen wir in dem Dilemma, dass hier betrügerisches Verhalten als positives Handeln bewertet wird. Aber wenn man diesen Aspekt in den Vordergrund stellte, hätte man wohl den Sinn des Gleichnisses verfehlt. Es geht vielmehr und vor allem anderen darum, dass dieser Verwalter klug gehandelt hat. Dafür wird er gelobt (Exegeten sagen, dass das Gleichnis eigentlich schon mit Vers 8a aufhört, also mit den Worten: Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte.).
Wenn wir nun nur auf diesen Punkt achten, wird auch der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang deutlicher: Dem Verwalter blüht sein nahes Ende als Verwalter. Er überlegt, wie er dafür sorgen kann, dass er in Zukunft weiter gut lebt, und gewinnt schnell durch sein betrügerisches Handeln neue Freunde. Wichtig ist also die Tatsache, dass er sich auf das bevorstehende Ende seiner Laufbahn als Verwalter vorbereitet. In gleicher Weise steht auch uns ein $quot;nahes Ende$quot; bevor: sei es im Tod, oder im Kommen des Reiches Gottes. Dieses Ende ist kein absolutes Ende, denn danach geht, wie wir glauben, das Leben weiter. Das Gleichnis stellt die Frage, wie wir uns diesem Ende, das ein neues Leben im Angesicht Gottes bedeutet, stellen. Denn im Angesicht Gottes können wir nichts verbergen, wir können daher auch nicht mehr mit den uns zur Zeit noch zur Verfügung stehenden Mitteln das Leben verschönern. Wir müssen letztlich doch Rechenschaft ablegen für das, was wir getan haben. Und wenn es zum Schaden anderer war: mit diesen Mitteln werden wir nicht weiter existieren können.
Diese Stimmung $quot;rüberzubringen$quot; ist nicht einfach, schon deswegen nicht, weil wir den barmherzigen und gnädigen Gott predigen und von Gericht und Rechenschaft ablegen nur selten etwas wollen. In unserer Gesellschaft neigt man mehr und mehr dazu, dieses Leben an seinem Erfolg zu messen und nicht daran, wie man vor dem höchsten Richter bestehen wird. Die Predigt sollte wohl darauf hinwirken, dass eben dies wieder in den Vordergrund rückt: wir werden uns verantworten müssen für das, was wir in diesem Leben getan haben. Darum, und das ist auch die wesentliche Aussage dieses Textes, sollen wir uns darauf vorbereiten, dass wir im Gericht bestehen können. Dies vermögen wir nur durch die Furcht Gottes und die Liebe zum Nächsten. Wichtig ist, dabei das Evangelium nicht zu vergessen: das $quot;Zu-Spät$quot; ist nur durch unseren Tod definiert. Wann immer wir uns Gott zuwenden, wird er uns also auf- und annehmen. Man hüte sich allerdings davor, dies als Freibrief dafür zu nehmen, bis ins Alter rücksichtslos zu bleiben, denn wann das Leben endet, haben wir nicht in unserer Hand.

Liedvorschläge zur Predigt:

Du solltest bringen gute Frucht (EG 145, 4-5)
Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149 - Wochenlied)
Gott rufet noch (EG 392)
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (EG 497)
Sein sind die Güter (EG 513, 6-7)
zu Röm 14, (1-6)7-13:
Er ist erstanden, Halleluja (EG 116)
Heilger Geist, du Tröster mein (EG 128)
Jesu, geh voran (EG 391)
Kommt, Kinder, lasst uns gehen (EG 393)
In dir ist Freude in allem Leide (EG 398)
Ein wahrer Glaube Gott's Zorn stillt (EG 413)
O Gott, du frommer Gott (EG 495)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

Zuletzt überarbeitet: 13 November 2015
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