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Christvesper
Die Geburt des Herrn* - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

Die Christvesper ist ursprünglich eine vorbereitende Andacht gewesen, die am Vorabend des Christfestes gefeiert wurde. Diese Bedeutung hat sie auch heute noch, denn Christus ist in der Nacht geboren, die nach jüdischem Verständnis zum nächsten Tag gehört. Der Geburtstag Jesu ist also der 25.12. und nicht, wie oft angenommen, der 24.12. Dennoch ist heute die Christvesper der Hauptgottesdienst des Christfestes für die meisten Gemeindeglieder, auch wenn sie zur ursprünglichen Zeit am Vorabend (bzw. -nachmittag), dem Heiligabend, gefeiert wird.
In der Christvesper wird der Menschwerdung Gottes gedacht und die Geschichte von seiner Geburt gelesen. Dieses Geschehen wird als die Erfüllung der zahlreichen Prophezeiungen der heiligen Schrift verstanden. Die Predigttexte der Christvesper sind mit denen der Christnacht austauschbar, was sich dann empfiehlt, wenn die Christnacht als der wichtigere Gottesdienst empfunden wird.

Zu den Perikopen

  1. Lk 2, 1-14 (15-20)

    folgt später

  2. Tit 2, 11-14

    folgt später

  3. Joh 3, 16-21

    folgt später

  4. Jes 9, 1-6*

    Gerne hat die Christenheit diese Prophezeiung auf Jesus hin interpretiert, spricht sie doch von einem Kind, das bereits Herrscher ist und Qualitäten hat, die denen Jesu gleich sind. Der historische Kontext wurde genauso missachtet wie die Tatsache, dass hier eindeutig von einem Menschen geredet wird, der die irdische Herrschaft über Israel annehmen und der dieses irdische Königreich stärken wird. Das Volk Israel erwartet, dass Gott diesen Herrscher einsetzt und Israel wieder zu dem alten Ruhm bringen wird, den es als Volk Gottes hatte zu der Zeit, als ein gottesfürchtiger Herrscher, David, an der Spitze des Volkes stand.
    Die Einleitung dieser Prophetie ist unverfänglicher, aber definitiv auch vom historischen Kontext geprägt. Die Rede ist hier von Israel im Exil, das nun darauf hoffen darf, wieder in sein Land zurückzukehren. Der Gegensatz von Licht und Dunkelheit passt gut in die Zeit des Christfestes, das gerade diesen Gegensatz ausnutzt, um die Botschaft von der Geburt des Heilandes, des Lichtes der Welt, zum Ausdruck zu bringen. So sehr diese Verse 1-4 auf Israel bezogen sind, so sehr lassen sich vor allem die ersten zwei Verse auf alle die anwenden, die Gottes Willen hören und tun wollen. Die Verse 3 und 4 reden dann von dem Ende der Unterdrückung und Kriege, ein heute wie damals aktuelles Thema, wenn auch nicht unbedingt unmittelbar für uns.
    Schwieriger ist das mit den Versen 5-6, denn sie können nicht ohne weiteres auf Jesus angewendet werden. Es wäre daher für die Predigt zu erwägen, den Schwerpunkt auf die Auslegung der ersten Verse zu setzen. Dabei wird es ein Leichtes sein, die Dunkelheit zu beschreiben, die uns umfasst und in der wir gefangen sind. Das Licht, das uns leuchtet in dieser Zeit, ist das Kind in der Krippe, das nun die Zuwendung Gottes zu allen Menschen bedeutet. Auch dies ein einfacher Weg. Ist es nicht zu einfach?
    Weihnachten ist eine Provokation. Die Geburt Jesu war eine Provokation, durch sie wurden die Herrscher der Welt und alle Menschen herausgefordert. Gott wendet sich den Menschen zu, und was tut der Mensch? Wie antworten wir auf dieses Geschehen? Was haben wir gelernt? Auch wenn das wenig dazu geeignet sein dürfte, die wohl erwartete Harmony und Beschaulichkeit des Heiligen Abends zu fördern, halte ich es für ratsam, eine Predigt zu erwägen, die provoziert. Es geht darum, eine Antwort zu provozieren, eine Reaktion auf dieses weihnachtliche Geschehen, dessen wir Jahr für Jahr gedenken. Und wenn man meint, dass die Reaktion evtl. eine Abwendung sein könnte, ein entrüstetes Verlassen der Kirche - mag sein, aber falls dies wirklich geschieht, dann hat es wenigstens eine Antwort gegeben, und man kann sicher sein, dass die Predigt nachwirkt.
    Wie kann eine Predigt provozieren? Sie kann z.B. verfälschen; das, worum es geht, wird anders dargestellt, mit einem offenen Ende, das unter Umständen sogar einen negativen Abschluss nahelegt, weil es nicht positiv enden kann ohne das Eingreifen des Zuhörers.

  5. Joh 7, 28-29

    Jesus nimmt am Laubhüttenfest (3. Mose 34-36; 5. Mose 16, 13-15) teil. Er bewegt sich frei im Tempel und predigt dort. Einige Menschen in Jerusalem wissen, dass er gesucht wird und dass man ihn töten will. Darum fragen sie sich, wie es kommt, dass er hier frei reden darf; sollten etwa die Oberen erkannt haben, dass er der Christus ist? Das kann doch eigentlich nicht sein, denn vom Christus weiß man nicht, wo er herkommt; von Jesus aber wissen sie es.
    Auf diese Fragen gibt Jesus Antwort; er widerspricht der Auffassung, dass der Herkunftsort des Christus unbekannt sein müsse. Wer den Menschen unbekannt ist, ist Gott. Nur Jesus kennt ihn, und darum ist Jesus der Christus.
    Für die Christvesper ist dieser Text nicht unbedingt gut zu gebrauchen. Denn er geht auf eine Tradition ein, die den Gottesdienstbesuchern wenig oder gar nicht vertraut ist: die jüdische Messias-Erwartung.
    Der Text sagt aus, dass wir Gott ohne die Offenbarung durch Jesus Christus nicht kennen. Dabei stellen wir uns auf die gleiche Ebene mit denen, die dort im Tempel über Jesus reden. Das mag gestattet sein deswegen, weil die Menschen, die an diesem Tag in den Gottesdienst gehen, Gott vielleicht wirklich nicht kennen, auch nicht durch Jesus Christus: sie erwarten das feierliche und zugleich heimeliche der Weihnachtsatmosphäre, aber keine herausfordernde Predigt. Die Frage, die also hier gestellt werden müsste, wäre: wozu ist Christus in die Welt gekommen? Die Antwort kann eigentlich nur vom Kreuz her gegeben werden. Das werden die wenigsten Gottesdienstbesucher erwarten. Aber wenn sie sich nicht am Heiligen Abend damit auseinandersetzen, wird die Geschichte von der Geburt Jesu vom Heilsgeschehen isoliert, was ja ohnehin schon der Fall ist. Gerade darum ist der deutliche Hinweis auf das Kreuz notwendig.

  6. 1. Tim 3, 16

    Geheimnis des Glaubens - Wie kann man über ein Geheimnis predigen? Das alleine stellt ja eigentlich schon einen Widerspruch dar: eine Predigt ist das laute Hinausposaunen einer Botschaft, dahingegen wird ein Geheimnis, wenn überhaupt, dann nur im Flüsterton weitergesagt, denn es ist nicht für jede und jeden bestimmt.
    Das Geheimnis, um das es hier geht, ist aber nicht deswegen ein Geheimnis, weil es eben nur unter der Hand, im Verborgenen, weitergegeben wird, sondern deswegen, weil es nicht vom Verstand begriffen werden kann - es ist eine Sache des Glaubens, und genau darum ein Geheimnis, denn Glaube ist etwas, das nicht gemacht wird. Glaube kann zwar wachsen, aber der Same des Glaubens wird nicht von uns selbst gesät.
    Das, was geglaubt wird, ist uns klar: es ist Jesus Christus. Dabei erscheint aber die Formulierung doch etwas eigenartig:
    Er ist 'offenbart im Fleisch' passt gut zu diesem Tag, daran wird man sich gerne lange aufhalten.
    'Gerechtfertigt im Geist' wirft nun schon einige Probleme auf. Was wird gerechtfertigt? Wohl seine Gottessohnschaft. Wie hat der Geist dies gerechtfertigt? Wohl am ehesten in seiner Taufe durch Johannes, als der Geist auf ihn herabkam. Vielleicht aber auch dadurch, dass der Geist denjenigen, die an ihn glauben, auch zugleich die Gewissheit schenkt, dass Jesus Gottes Sohn ist (ergänzend noch der Hinweis auf Röm 1,4, wonach der Geist Jesus als Sohn Gottes einsetzt durch die Auferstehung).
    'Erschienen den Engeln' scheint nun gar nicht zu passen. Es findet sich dazu keine Parallele. Wann auch könnte ein Mensch Zeuge eines solchen Ereignisses gewesen sein? Ist hier vielleicht eine Anspielung auf die Verklärung zu vermuten?
    Dass Jesus 'den Heiden gepredigt' wurde und 'in der Welt geglaubt' wird, ist deswegen an dieser Stelle herausgehoben, weil er eben nicht nur dem Volk Israel gilt, sondern der ganzen Welt. Diese Tatsache ließen zwar die Judenchristen nur ungerne gelten, konnten aber nicht umhin, sie zu akzeptieren, da die Gemeinde der Heiden stetig wuchs. Also ist auch dieses Wachsen der Gotteserkenntnis, des Glaubens an Jesus Christus, ein wichtiger Beleg für den Glauben.
    'Aufgenommen in die Herrlichkeit' wurde Jesus nach seiner Auferstehung, zum Zeitpunkt der Himmelfahrt. Dieses Ereignis ist noch einmal für den Glauben von Bedeutung, weil nur dadurch auch die Gottessohnschaft Jesu letztgültig belegt wird. Er ist nicht gestorben, sondern wurde in den Himmel aufgenommen.
    Wenn man sich diese Liste anschaut, erkennt man, dass bis auf die Aussage über die Heidenpredigt und den Glauben in der Welt alles nicht nachweisbare Aussagen sind, sondern tatsächlich solche, die nur der Glaube erfahren kann. Insofern sind diese Aussagen also all denen verschlossen, die nicht glauben, und somit ein Geheimnis.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird durch die erste Glaubensaussage klar: offenbart im Fleisch. Die Beschränkung auf diese Aussage allein wird dem ohnehin schon kurzen Text, der allerdings reichlich Stoff enthält, zwar nicht gerecht, wäre aber angesichts des Ereignisses, um das es an diesem Tag geht, durchaus gerechtfertigt. Dabei wird sicher auch deutlich gemacht werden, dass es um eine Glaubensaussage geht. Das Kind in der Krippe ist und bleibt ohne den Glauben nur eines von vielen, unzähligen Kindern, die in der Armut geboren werden und darum unser Herz anrühren. Das Kind Jesus wird dadurch, dass wir all die anderen Dinge dieses Verses ebenfalls in unserem Glauben erfahren, erst ein besonderes Kind.
    Für die Predigt wird es wichtig sein, zu berücksichtigen, was für ein Publikum da zu erwarten ist. Es sind ja keine Kirchenmäuse, die Sonntag für Sonntag eine Predigt hören, sondern Menschen, die einmal im Jahr ihre Schwellenangst überwinden und - meist um ihrer Kinder willen - den Gottesdienst besuchen. Da ist es schon gut, wenn man versucht, die Botschaft so verständlich wie möglich zu machen. Das Geheimnis des Glaubens sollte kein Geheimnis bleiben, sondern gerade in diesem Gottesdienst allen leuchtend sichtbar werden!



Buchempfehlungen:
  • Weihnachten zieht weite Kreise. v. Margot Käßmann. Lutherisches Verlagshaus 2003, 256 S. - 1. Auflage.

  • Zuletzt überarbeitet: 26 November 2014
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