Die Christvesper ist ursprünglich eine vorbereitende Andacht gewesen, die
am Vorabend des Christfestes gefeiert wurde. Diese Bedeutung hat sie auch heute noch, denn Christus ist in der Nacht geboren, die nach jüdischem Verständnis
zum nächsten Tag gehört. Der Geburtstag Jesu ist also der 25.12. und nicht, wie oft angenommen, der 24.12. Dennoch ist heute die Christvesper der Hauptgottesdienst
des Christfestes für die meisten Gemeindeglieder, auch wenn sie zur ursprünglichen Zeit am Vorabend (bzw. -nachmittag), dem Heiligabend, gefeiert wird.
In der Christvesper wird der Menschwerdung Gottes gedacht und die Geschichte von seiner Geburt gelesen. Dieses Geschehen wird als die Erfüllung der zahlreichen
Prophezeiungen der heiligen Schrift verstanden. Die Predigttexte der Christvesper sind mit denen der Christnacht
austauschbar, was sich dann empfiehlt, wenn die Christnacht als der wichtigere Gottesdienst empfunden wird.
Eingangsvotum:
In der Christvesper denken wir an die Geburt des Herrn, und wir danken Gott für
das Werk, das er durch seinen Sohn Jesus Christus für uns gewirkt hat. Durch
ihn empfangen wir das Geschenk der Gerechtigkeit Gottes, die aus Liebe den Sohn
opfert, damit wir uns voll Vertrauen zur Krippe aufmachen können. Dort begegnen
wir dem lebendigen Gott, der Mensch geworden ist. oder
Das Wort, das die Welt erschuf - das Wort, das von Anfang an gewesen ist und in Ewigkeit sein wird - das Wort, das allmächtig ist: das wurde Mensch.
Wir staunen nicht nur in dieser Nacht über das Wunder der Menschwerdung Gottes, lassen uns davon aber heute besonders anrühren. Es ist
schwer nachzuvollziehen, dass Gott Mensch wird, dass er alle Macht aufgibt; und doch ist es geschehen. So lasst uns eintauchen in das Geheimnis dieser Nacht,
und Gott danken mit unserem Lobgesang und unseren Gebeten.
Wochenspruch:
Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. (Joh 1, 14a)
Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! (Ps 98, 1)
Halleluja-Vers:
Der Herr gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. (Ps 98, 3)
Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung:
Eine interessante Variante, die allerdings die Predigttexte etwas missachten würde, wäre die Einbindung der üblicherweise
in diesem Gottesdienst vorgetragenen Prophezeiungen in die Predigt. D.h., der Gottesdienst wäre schon eher ein Erzählgottesdienst, in den Liedstrophen
und die Texte der Propheten eingebunden werden. In der Erzählung wird die Entwicklung der Gottesoffenbarung deutlich gemacht. Da der Christvespergottesdienst
oft auch als Familiengottesdienst gestaltet wird, ist die Berücksichtigung des Predigttextes manchmal nicht so sinnvoll. Man kann dann versuchen, den Inhalt des
Predigttextes durch die Auswahl des Krippenspiels aufzunehmen.
Kollektengebet:
Lieber Gott, himmlischer Vater! Du machst uns fröhlich in dieser Nacht. Denn dein Licht kam zu uns und hat das
Dunkel in unseren Herzen hell gemacht. Dafür danken wir dir und bitten dich: Lass dein Licht durch uns hindurchstrahlen, damit
viele Menschen deine Liebe erkennen und wir deine Herrlichkeit loben! Amen
Bach-Kantaten:
*BWV 10 - Meine Seel erhebt den Herren *BWV 174 - Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte
Anmerkungen:
Das Proprium der Christvesper ist austauschbar mit dem der
Christnacht
Liturgische Farbe:
weiß
Biblische Texte (Perikopen)
Psalm:
2
I:
Lk 2, 1-14 (15-20)
II:
Tit 2, 11-14
III:
Joh 3, 16-21
IV:
Jes 9, 1-6*
V:
Joh 7, 28-29
VI:
1. Tim 3, 16
KHW:
Jer 23, 5-6 Dan 2, 19b-22 Zeph 3, 14-17 Mt 2, 1-2 (3-6) 7-12 Lk 9, 46-48