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Predigtvorschläge zu 2. Kor 1, 18-22
Rev. 2014: Lk 1, 26-38(39-56) (Evangeliumslesung - s. auch Rev. 2014 Reihe I!) (IV)

Liebe Gemeinde!
Unser Predigttext geht auf eine ganz besondere Situation in Korinth ein: Die Gemeinde hatte den angekündigten Besuch des Apostels erwartet. Sein Ja war schon vor langer Zeit ausgesprochen worden, auf seine Zusage hatten sie sich verlassen, denn es gab bedeutende Probleme zu lösen, auch gerade Probleme mit der Glaubwürdigkeit, die in der jungen Gemeinde entstanden waren. Und nun muss er, der große Apostel und Gemeindegründer, ihnen schreiben, dass er nicht kommen kann. Das Ja hat sich in ein Nein verwandelt.
Natürlich musste man an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln. War er vielleicht doch nur ein Versager, ein Schwächling, ein Angsthase, der den Problemen, an denen sich schon andere die Zähne ausgebissen hatten, aus dem Weg gehen wollte?
Wir kennen das:
wenn das Kind gebeten wir, zu helfen, und es dann doch nicht kommt, obwohl es schon gesagt hatte, dass es gleich kommen wird.
Oder wenn ein Besuch versprochen wird, und dann doch nicht stattfindet.
Oder wenn Politiker ein Programm anlässlich der Wahl aufstellen, das sie dann doch nicht einhalten.
Das Ja, das zu einem Nein wird, gibt es recht häufig.
Vielleicht ist es deswegen heute so schwer, eine Ehe einzugehen und zu erhalten, weil im Ja, das vor dem Standesbeamten oder gar vor dem Angesicht Gottes gesprochen werden soll, schon das Nein mitschwingt, die Bedingung, die man eigentlich nicht stellen darf, weil es ein bedingungsloses Ja sein soll?
Ein klares Ja, auf das man sich verlassen kann, das gibt es nicht so häufig. Misstrauen wird groß geschrieben - zu oft wurde die Gutgläubigkeit der Menschen schon ausgenutzt.
Vielleicht war das auch damals schon so, zu den Zeiten des Paulus. Vielleicht war es auch damals schon eine Grundhaltung, dass man dem Ja eines anderen nicht trauen konnte. Umso wichtiger war es doch, dass Paulus zu seinem Ja stand, es nicht verwässerte. Aber nun musste sich den Korinthern die Frage stellen, ob vielleicht auch Paulus zu denen gehörte, die unglaubwürdig sind.
Paulus kündigt erst mit diesem Brief an, dass er nicht kommen wird. Aber er weiß schon, was für Zweifel er wecken wird, und nimmt darum ausführlich Stellung dazu. Er verteidigt sich gegen den Vorwurf der Unglaubwürdigkeit auf eine, wie uns scheinen will, recht anmaßende Art und Weise: er beruft sich auf Gott als Zeugen. Und dabei ruft er dann auch gleich noch die ganze Heilsgeschichte mit auf den Plan: In dem Ja Gottes, das in Jesus Christus offenbart wurde, ist auch das Ja des Paulus begründet.
Darum, weil dieses von ihm verkündigte Evangelium in der Gemeinde in Korinth lebendig geworden ist, kann auch an seiner Glaubwürdigkeit nicht gezweifelt werden.
Paulus ruft das Ja Gottes über der Gemeinde aus. Es ist ein unverbrüchliches Ja, ein Ja, das niemals in ein Nein verwandelt werden kann.
An dieser Stelle beginnt der Predigttext, nicht nur von der Spannung, die sich zwischen dem Apostel Paulus und der Gemeinde in Korinth aufgebaut hat, zu handeln, sondern auch uns anzusprechen. Denn dieses Ja Gottes gilt natürlich auch uns.
Wir stecken tief im Advent. Advent, das bedeutet Vorbereitung, Innehalten, sich besinnen, zurückbesinnen, aber auch vorausschauen: der Advent stellt unser Leben in Frage, denn es geht hier um die Ankunft des Allmächtigen, des Herrschers aller Herren, in einer Gestalt, die uns eigentlich so gar nicht gefallen will.
Das heißt, gefallen tut sie uns wohl, denn es ist natürlich süß, das Jesulein im Kripplein: das geht ans Herz, und darum ist ja auch in dieser Zeit die Spendefreudigkeit und Versöhnungsbereitschaft so groß, was weidlich ausgenutzt wird, wie die Briefeflut in dieser Zeit beweist.
Aber darum ist Gott ja nicht in die Welt gekommen, damit wir in sentimentalem Rausch alle Jahre wieder ein versöhnliches und friedvolles, ein idyllisches Christfest im Kerzenschein unter dem Tannenbaum feiern können in einer Welt, in der auch an dem Tag, am Christtag, wie an jedem anderen Tag wieder zigtausende von Menschen verhungern, durch Kriege heimatlos oder getötet werden oder schlicht nichts wissen wollen von der Liebe Gottes, weil ihnen ihr Geldbeutel wichtiger ist.
Diese sentimentale, idyllische Weihnachtsfeier ist nicht das Christfest, auf das wir uns in der Adventszeit vorbereiten.
Gott wurde Mensch, damit wir uns mit ihm versöhnen lassen, indem er den Tod auf sich nimmt, den wir verdient hätten.
Das Kind in der Krippe ist schon vom Tod gezeichnet, das Kreuz ist über der Krippe aufgerichtet, und es wird grausam spürbar, wie nötig das ist, wenn am 28. Dezember der unschuldigen Kinder gedacht wird, die Herodes töten ließ und die uns erinnern an all die Millionen von Kindern, die Opfer unserer weltweiten Wirtschafts- und Machtpolitik geworden sind.
Wenn man nicht völlig abgestumpft ist angesichts der Medienflut, die uns tagtäglich überschwemmt, dann bleibt da nichts von der Idylle übrig, die uns das Weihnachtsfest so lieb und wert macht. Im Christfest geht es um den, der die Welt überwindet, und das ist kein billiger Sieg.
Gott spricht sein Ja zu uns, das haben wir im Predigttext vernommen. Aber was machen wir mit diesem Ja?
Im Evangelium haben wir von einer Frau gehört, die dieser Kirche ihren Namen gegeben hat: die selige Jungfrau Maria. Der Engel Gabriel war zu ihr gekommen, hatte sie angesprochen, ihr von dem Willen Gottes berichtet, dass sie den Sohn Gottes gebären sollte. Gottes Ja wird in dieser Anrede spürbar: das Ja zu dieser niedrigen Magd, ein Ja, das Maria zunächst erschrecken lässt: Wie kann das sein? Warum ich?
Gott spricht sein Ja zu Maria. "Du bist die Frau, die ich brauchen will". Bist du dazu bereit?
Es ist wichtig, dass Gott sich nicht über sie hermacht, ohne ihr die Chance zu geben, Nein zu sagen. Sie hat diese Chance, und er hätte ihr Nein akzeptiert. Denn die Freiheit des Menschen ist ihm wichtig, darin erkennen wir die Ebenbildlichkeit, zu der Gott uns geschaffen hat.
Maria könnte "Nein" sagen, aber sie tut es nicht. Ihre Antwort auf das bedingungslose Ja Gottes ist ein ebensolches Ja. "Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast."
Maria wird ein Teil der Heilsgeschichte, ein wesentlicher Teil. Ohne sie wäre das Wunder der Menschwerdung Gottes nicht möglich gewesen; ohne ihre freie Entscheidung, sich selbst ganz Gott anzuvertrauen, gäbe es kein Christfest.
Gott spricht sein Ja zu uns. "Du bist es, dich will ich brauchen. Bist du dazu bereit?"
Gottes Ja fordert eine Antwort. Und diese Antwort kann nicht allein darin bestehen, dass wir uns der Illusion einer Idylle hingeben, die es so ja nie gegeben hat. Diese Antwort kann auch nicht in einem Schuhkarton verpackt werden und hat ebenso wenig mit roten Nasen zu tun.
Diese Antwort muss aus dem tiefsten Herzensgrund kommen. Kein "Ja, heute, aber morgen nicht", und auch kein "Ja, morgen, aber heute nicht.", sondern: "Ja, ich bin bereit. Mir geschehe, wie du gesagt hast."
Wenn wir uns so bereiten, wenn wir unsere Herzen so öffnen für das Ja Gottes, dann wird das Wunder der Christnacht lebendig, nicht nur in uns, sondern auch durch uns.
Denn das JA Gottes kann nur durch die, in denen es lebendig geworden ist, auch zu denen gelangen, die es nicht vernommen haben oder die längst aufgegeben haben, es für möglich zu halten.
Aber das ist kein Auftrag, den auszuführen eine Last wäre, sondern es ist die natürliche Reaktion auf das Wunder, mit dem Gott uns nahe kommt. Wer könnte schon schweigen, wer könnte schon so tun, als sei nichts passiert, wenn dieses uneingeschränkte JA, das in der Geburt des Kindes sichtbar wird, erklungen ist und gehört wurde, wenn es nicht abprallte an einem selbsterrichteten Schutzwall aus Eigenliebe und Ignoranz.
Gott stellt sein JA an den Anfang, damit unser JA leicht werden kann. Darum: "Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: freuet euch! Der Herr ist nahe!"
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:


Gottes Sohn ist kommen (EG 5)
Es kommt ein Schiff, geladen (EG 8)
Nun jauchzet, all ihr Frommen (EG 9)
Gott sei Dank durch alle Welt (EG 12)

Zuletzt überarbeitet: 21 November 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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