das Kirchenjahr

2. Sonntag nach Epiphanias

Der Freudenmeister

Predigtanregung

Der Sonntag, der dem 2. Sonntag nach Epiphanias vorangestellt ist, widmet sich der Taufe Jesu, d.h. seinem "Amtsantritt" oder besser seiner "Berufung zum Amt". Dass schon am 2. Sonntag nun seine Tätigkeit als "Freudenmeister" im Vordergrund steht, hat weniger damit zu tun, dass die, die die Lesungen ausgewählt hatten, meinten, dass die Lebensfreude das Wichtigste sei, sondern vielmehr damit, dass im Johannesevangelium das Wunder bei der Hochzeit zu Kana ausdrücklich als das erste Wunder Jesu bezeichnet wird. Damit stellt es den Anfang seines Wirkens dar und ist somit prädestiniert als erste "Amtshandlung" Jesu.
Dennoch darf man den weltlichen Aspekt dieses Evangeliums nicht unter den Tisch kehren. Zu sehr hat die christliche Kirche die Leibfeindlichkeit betont, so dass jetzt viele, die mit dieser Prämisse nicht zurechtkommen, sich von der Kirche abwenden. Kirche und Leibfeindlichkeit (bis hin zu der sehr einfachen Beobachtung, dass man Sonntag morgens zu "nachtschlafender Zeit" zum Gottesdienst gerufen wird) haben sich tief in das Bewußtsein der Menschen als ein und dasselbe eingeprägt, und man ist zu faul, sich vom Gegenteil zu überzeugen. Man kann daher gar nicht genug betonen, dass Jesus bewußt das weltliche Feiern unterstützte, und er tat es wohl kaum, um sich selbst als der Sohn Gottes herauszustellen, denn das wird in der Evangelienlesung am wenigsten betont. Es ist die schlichte Tatsache, dass Jesus hier selbst Freude am Leben zeigt: ihm gefällt es nicht, dass da nicht genug Wein zur Verfügung steht, also beschafft er welchen, damit die Feier noch mehrere Tage weitergehen kann.

Auch an den folgenden Sonntagen wird meist von Wundern Jesu berichtet, die ihn aber immer wieder jeweils in einen anderen Zusammenhang stellen und ihn letztlich als den Herrn über die gesamte Schöpfung vorstellen.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

IV - 1. Kor 2, 1-10

Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. 2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. 3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; 4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5 damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.
6 Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): «Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.» 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.

Viele Jahrhunderte haben sich Theologen über diverse theologische Fragen den Kopf zerbrochen, um sicherzustellen, dass das "wahre Evangelium" unter die Menschen gebracht würde ohne jegliche Verfälschungen. Dabei scheinen sie diese Passage völlig überlesen zu haben, in der die Weisheit der Menschen, d.h. das, was Menschen mit ihrem Verstand erfassen und verarbeiten können, als völlig unzulänglich dargestellt wird für die Übermittlung des großen Geheimnisses Gottes. Wissen bedeutet nach diesem Text nicht, möglichst alle Möglichkeiten der Auslegung erforscht und dadurch dann die einzig richtige gefunden zu haben, sondern schlicht von Jesus Christus, dem Gekreuzigten, zu wissen (Vers 2).
Paulus hat dieses Wissen mit einfachen Worten vermittelt, wie er selbst sagt, ohne Verschnörkelungen, ohne Erklärungen. Er hat nicht versucht, dieses Geheimnis zu erklären, weil er wusste, dass der Geist Gottes selbst das Verstehen, freilich nicht nach menschlichem Maß, wirken würde.
Paulus beschreibt im Vers 3 die Erfahrung, die jede(r) macht, die/der das erste Mal die Botschaft Gottes übermittelt: man selbst fühlt sich unzulänglich, zu schwach, ja unfähig, es zu tun, und merkt dann doch, dass das Wort nicht durch den Prediger, sondern aus sich selbst heraus wirkt. Diese Erfahrung wünsche ich jedem Prediger, denn sie macht klein und zugleich stark: klein, weil man erfährt, dass das eigene Bemühen immer nur Stückwerk bleiben wird; stark, weil man Gottes Kraft erfährt.
Wer nun meint, dass das Wort Gottes in oft zu abgeflachtem Simplizismus gepredigt werden kann, der täuscht sich allerdings. Das Geheimnis Gottes offenbart sich zwar dem einfältigen Geist, bleibt aber dennoch ein Geheimnis, das man nie genug erforschen kann. Darum tun auch die (wir) Theologen recht daran, sich weiter um dieses Geheimnis zu bemühen, wohl wissend, dass es sich nicht dem menschlichen Verstand erschließen lässt.
Mit diesem Paradox hat Paulus gelebt, dieses Paradox hat er in diesen Versen zu erklären versucht.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang scheint zunächst sehr unklar zu sein. Es geht um den Freudenmeister, den, der dem Menschen seine Freude gönnt. Mit diesem ersten Wunder Jesu geht unser Herr auch den ersten Schritt auf das Kreuz zu, denn er offenbart sich das erste Mal als der Sohn Gottes. Vielleicht ist es das gleiche Paradox: Jesus bejaht das Leben, während er sein eigenes hingeben muss und sich dazu bereit macht.
Am schönsten wäre es, wenn die Predigt genau dieses Dilemma des Paulus darstellen könnte. Man versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, aber es gelingt einem nicht, denn es entzieht sich dem menschlichen Verstand. Dem Herzen aber wird es umso zugänglicher, je mehr man bereit ist, das Geheimnis anzunehmen und nicht zu hinterfragen. Man könnte, um diesen Gedankengang zu verdeutlichen, direkt von einem Geheimnis reden, und dieses Geheimnis so behandeln, wie Kinder von einem Geheimnis reden. Es wird weitergegeben, immer unter dem Siegel der Verschwiegenheit, und wird uninteressant, sobald es öffentlich bekannt ist. Mit dem Geheimnis des Evangeliums ist es allerdings nicht so einfach, denn es ist zwar öffentlich bekannt, entzieht sich aber dem menschlichen Verstand. So könnte das Geheimnis, von dem man in der Predigt spricht, ein ganz banales sein, das aber für den ursprünglichen Geheimnisträger von äußerster Wichtigkeit ist.

Liedvorschläge zur Predigt:


O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
Seh ich dein Kreuz (EG 91, (4) 5-10)
Das Kreuz ist aufgerichtet (EG 94)
Du schöner Lebensbaum des Paradieses (EG 96)
Gloria sei dir gesungen (EG 147, 3/535)



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