das Kirchenjahr

1. Sonntag nach Epiphanias

Die Taufe Jesu

Predigtanregung

Am 1. Sonntag nach Epiphanias steht die Taufe Jesu im Mittelpunkt, die früher auch am Epiphaniastag selbst gefeiert wurde. Hiermit wird Jesus aus seinem einfachen Menschsein herausgenommen und von Gott berufen. Es ist Teil des großen Geheimnisses der Gottheit und Menschheit in Jesus Christus, dass diese Berufung und Taufe mach Jesu eigenen Worten notwendig ist. Jedoch ist eigentlich nur das Evangelium dieses Sonntages mit der Taufe Jesu "beschäftigt". Die anderen Texte haben die Botschaft im Mittelpunkt, die durch Jesus die Welt veränderte: Tut Buße, kehrt um, wendet euch Gott zu, der durch Jesus eure Sünden getilgt hat.

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III - Röm 12, 1-8

Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.
4 Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5 so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, 6 und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7 Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. 8 Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern.

Dieser Predigttext stellt eine große Herausforderung dar. In der früheren Perikopenreihe waren die Verse 4-8 nur in Klammern vorgesehen. Das mag damit begründet sein, dass man sich sonst schnell auf das Bild vom Leib mit den vielen Gliedern konzentriert, und den anfänglich gestellten Anspruch an die Glieder im ersten Teil verblassen lässt. Andererseits wären die Verse 4-8 notwendig, um die Aufforderung zur Mäßigung zu erläutern und zu begründen. Insofern, solange man darauf achtet, dass der in den Versen 1-3 gelegte Schwerpunkt erhalten bleibt, ist es durchaus angebracht, auch die Verse 4-8 mit ein zu beziehen.
"Brüder" sollte man wie "Geschwister" lesen, man kann dies anmerken oder auch gleich so vorlesen. Die Aufforderung, seine Leiber als ein Opfer hinzugeben, kann sehr vielfältig verstanden werden. Eine Richtung wird durch den "vernünftigen Gottesdienst" vorgegeben. Offenbar will Paulus einen Kontrast zum Opfergottesdienst herstellen und deutlich machen, was ein demgegemüber vernünftiger Gottesdienst ist. Aber es bleibt die Frage, wie das Opfer des eigenen Leibes aussieht. Es fehlt nicht viel, und man ist versucht, an Menschenopfer zu denken, eine weit schlimmere Praxis als die der im Tempel üblichen Tieropfer.
Doch das hatte Paulus sicher nicht im Sinn. Paulus will wohl dazu aufrufen, dass sich die Gemeinde abgrenzt von dem, was nicht Gottes Willen entspricht. Was das ist, überlässt er aber doch der Gemeinde bzw. jedem einzelnen, der sich allerdings die Mühe machen soll und muss, alles zu prüfen. Doch diesem Vorgang geht noch etwas anderes voraus, nämlich seinen Sinn zu erneuern. Also von vorne anzufangen, sich nicht von Gewohnheiten oder Traditionen oder auch althergebrachten Ordnungen in seinen Entscheidungen beeinflussen zu lassen.
Das ist ein Forderung, die nur schwer umsetzbar ist. Es gibt kein Kriterium, anhand dessen der Wandel, die Erneuerung, messbar ist. Jeder muss es an sich selbst erkennen und dann die Konsequenzen ziehen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist schwer nachvollziehbar. Die Taufe Jesu steht in keinem Zusammenhang mit den Forderungen, die Paulus hier stellt. Eine Verbindung lässt sich daher schwer herstellen, es sei denn, man sieht in der Taufe das Berufungsgeschehen und damit ein Vorbild für die Berufung, die auch an uns ergeht bzw. ergangen ist.
In der Predigt könnte man versuchen, den Blick zurück auf die eigene Taufe zu lenken. Was hat sich da eigentlich ereignet? Welche Auswirkungen hat es auf mein Leben gehabt? Hat es schon damals eine Erneuerung des Sinnes gegeben? Von diesen Fragen ausgehend bietet sich an, weiter zu entwickeln, wie das, was die Taufe für uns bedeutet, sich auswirkt auf unser zukünftiges Leben. Die Erneuerung des Sinnes ist z.B. kein einmaliger Vorgang, sondern ereignet sich fortlaufend. Nur dann sind wir in der Lage, zu erkennen, was Gottes Wille ist, wenn wir unseren Sinn immer wieder von unnötigem Ballast befreien.

Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
O lieber Herre Jesu Christ (EG 68)
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
Gott ist gegenwärtig (EG 165)
Öffne meine Augen (EG 176)
Strahlen brechen viele aus einem Licht (EG 268)
Valet will ich dir geben (EG 523)

Fürbittengebet

Allmächtiger Gott, du hast uns in deinen Dienst gerufen. Wir wollen dir dienen. Darum sind wir hier, unseren Sinn zu erneuern und auf dich zu hören, damit wir erkennen, welchen Weg wir gehen sollen. Hilf uns, dass wir unsere Leiber nicht wegwerfen, sondern zum vernünftigen Gottesdienst bereiten. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir wollen dir dienen und erkennen, dass es viele Menschen gibt, die dich verachten und meinen, ohne dich leben zu können. Sie stellen sich selbst in den Mittelpunkt ihres Lebens. Wir bitten dich: lass uns solche Menschen erkennen und gib uns den Mut, auf sie zu zu gehen, dass wir ihnen klarmachen können, dass sie verloren sind, wenn sie sich selbst zum Maßstab aller Dinge machen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir wollen dir dienen und erkennen, wie oft wir achtlos vorübergehen an den Menschen, die arm und elend sind, die keinen Halt und keine Hoffnung haben, die nicht genug zu essen haben oder denen es an einfachen Medikamenten fehlt, um gesund zu werden. Wir bitten dich: lass uns nicht achtlos an der Not anderer vorübergehen, sondern zeige uns Wege, wie wir effektiv helfen können, damit sie teilhaben an unserem Überfluss. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir wollen dir dienen und erkennen, dass viele Menschen unter Krieg und Unterdrückung leiden. Wir bitten dich: lass uns zu Friedensstiftern werden, dass das Morden unschuldiger Menschen ein Ende hat, dass nicht mehr Angst und Machtgier die Welt beherrschen, sondern Vertrauen und Genügsamkeit. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir wollen dir dienen und erkennen, dass viele, die eigentlich dienen sollten, sich selbst zu Herren gemacht haben. Wir bitten dich: wehre du den Politikern, die nur das nächste Wahlergebnis vor Augen haben, oder die sich von Wirtschaftsmächten unter Druck setzen lassen, wenn sie ihre Entscheidungen fällen. Hilf, dass es auch in unserem Land gerechter zugeht, indem die Reichen nicht immer reicher und die Armen nicht immer ärmer werden. Hilf uns, dass wir dies nicht ohne Widerstand hinnehmen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir wollen dir dienen und erkennen, dass unsere Welt gezeichnet ist von Krankheit und Tod. Du hast zwar den Tod überwunden, aber es ist vielen Menschen noch nicht klar geworden. Darum bitten wir dich: Lass uns denen zum Licht werden, deren Sinn vor Trauer und Verzweiflung völlig verfinstert ist. Lass uns Hoffnung schenken da, wo es keinen Grund zu hoffen mehr gibt. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Herr, wir wollen unsere Leiber hingeben, dass sie dir dienen. Mache unsere Sinne stark und frei, dass wir auf dich hören und deinem Wort folgen. Durch deinen Sohn Jesus Christus.
Amen



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