Informationen zu jedem Sonn- und Festtag im Kirchenjahr


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Pfingstsonntag
Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes
Ausgießung des Heiligen Geistes - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Predigten

Im Hauptgottesdienst kann das Te Deum (EG 191) gesungen werden. Es kann z.B. an die Stelle des Gloria in excelsis Deo treten.

Zu den Perikopen

  1. Joh 14, 23-27
    Rev. 2014: 1. Kor 2, 12-16 (s. Reihe IV)

    Jesus antwortet mit diesen Worten Judas (nicht Iskarioth) auf die Frage, was die Aussage, dass Jesus sich nicht der Welt, sondern den Jüngern offenbaren wolle, bedeutet. Dabei sind mit "Jünger" nur die gemeint, die Jesus lieben und darum von Gott wieder geliebt werden. Erst dann, so klingen die Worte aus Vers 21, wird sich Jesus diesen offenbaren.
    Jesu Erkärung wiederholt das schon Gesagte, wird aber darüber hinaus noch ergänzt: Natürlich soll er selbst nicht verborgen bleiben, aber nicht er selbst wird sich offenbaren, sondern durch die Gemeinde, durch seine Jüngerinnen und Jünger wird er den Menschen bekannt gemacht.
    Es bleibt aber die Unterscheidung zwischen denen, die Jesus (Gott) lieben, und denen, die es nicht tun. Es bleibt die Abgrenzung Gottes von denen, die ihn nicht lieben. Sein Geist wird nur denen geschenkt, die Jesus lieben - das lässt sich wohl aus dem Gesagten folgern. Er ist kein Allgemeingut, das frei verfügbar wäre.
    So ist auch die nachfolgende Abgrenzung nur folgerichtig: Jesus hinterlässt den Frieden, der sofort als "sein Friede " qualifiziert wird. Und nun folgt die Abgrenzung: Jesus gibt nicht so, wie die Welt es tut. Nun kann man fragen, ob sich dies auf die Gabe des Friedens bezieht, oder ganz generell auf all das, was von Gott gegeben wird. Wie immer die Antwort ausfällt, der Friede selbst wird damit auch gemeint sein.
    Selbst diese Gabe, der Friede Gottes, müsste noch definiert werden. Macht die Tatsache, dass er nicht auf die Art und Weise, wie es die Welt zu tun pflegt, übermittelt wird, den Frieden selbst anders als den Frieden, den wir uns wünschen?
    Bei der Übermittlung des Friedens spielt offenbar der heilige Geist eine wichtige Rolle. Er macht den Unterschied zur Welt aus. Der Geist erfüllt die Herzen der Menschen, er verwandelt sie, indem er sie lehrt und erinnert an das, was Jesus ihnen vermittelt hat. Hier ist nun bemerkenswert, dass das Element der Tradition völlig außen vor bleibt. Es gibt hier kein "lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe" - diese Aufgabe übernimmt der heilige Geist selbst.
    Hierin wird dann auch der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ganz deutlich. Die Predigt wird sicher die Spannung zwischen der Bewegung des Geistes und der Starrheit des gedruckten Wortes darzustellen versuchen. Während hier die Tradition, das Überliefern, gänzlich ausgeklammert wird, bekommt sie woanders innerhalb der Schriften des NTja einen beachtlichen Stellenwert. Es ist sicher wichtig, darauf hin zu weisen, dass beides seine Berechtigung hat. Das darf dann nicht dazu führen, dass man sich wie in einem Supermarkt mit all dem bestückt, was man gerade gut gebrauchen kann. Das, was der Geist bewegt, soll nicht gehindert werden - es muss sich aber am geschriebenen Wort messen lassen, das wiederum nur durch den Geist richtig verstanden werden kann. Ein "Geisteskreis" gewissermaßen.

  2. Apg 2, 1-18
    Apg 2, 1-21 (22-36) (W)
    Rev. 2014: Hes 37, 1-14 (= Ez 37, 1-14)

    folgt später

  3. Joh 16, 5-15
    Rev. 2014: Joh 14, 15-19(20-23a)23b-27 (Evangeliumslesung)

    In diesem Text aus den Abschiedsreden Jesu wird die Verbindung zum Pfingstfest schön deutlich: wenn Jesus nicht geht, kann er den Paraklet, den Tröster, nicht senden. Der Tröster wird dann aber der Welt die Augen auftun, und dann folgen geladene dogmatische Sätze, die jeder einzeln eine Predigt wert ist.
    Die Gliederung in 3 Stichworte: Sünde - Gerechtigkeit - Gericht lädt dazu ein, die Predigt ebenso zu gestalten. Dabei darf man aber das Evangelium nicht aus den Augen verloren: das Gericht wird nicht über uns verhängt, sondern über den Fürsten dieser Welt! Wie leicht kann man von dort unsere eigene Sündhaftigkeit wieder in den Vordergrund stellen, während doch das Gercht über den Fürsten der Welt uns frei macht von seiner Macht!
    Dennoch bleibt die 3-Gliederung schwierig, sollte sie als Gerüst für die Predigt verwendet werden, denn die Definitionen von Sünde und Gerechtigkeit sind alles andere als leicht nachvollziehbar. Wenn Nicht-Glaube mit Sünde gleichzusetzen ist, muss man dann gleich jeden, der kein öffentliches Bekenntnis abzulegen bereit ist, verdammen? Wohl kaum - dies wäre auch zutiefst unevangelisch. Wie definiert man dann Glaube? Die Definition von Gerechtigkeit ist noch schwieriger zu verstehen, denn sie bezieht sich nicht auf irgendein aktives Handeln, sei es des Menschen oder am Menschen, sondern einfach auf die Tatsache, dass Jesus zum Vater geht und hinfort nicht mehr gesehen werden kann. Ist vielleicht nur der erste Teil des Satzes die Definition von "Gerechtigkeit"? Es bleibt die Frage, wie Jesu Gang zum Vater Gerechtigkeit darstellt. Vielleicht, dass er nun zu Gericht sitzt? Oder dass damit der Heilsplan Gottes erfüllt wird und so Gottes Gerechtigkeit zum Zuge kommt? Hier kann allenfalls spekuliert werden.
    Es fällt auf, dass dieser ersten Handlung des Geistes, die sich offenbar auf diese Welt in ihrer Sündhaftigkeit bezieht, eine zweite folgt, die nun direkt und scheinbar exklusiv an die Jünger gerichtet ist: Er wird die Jünger in die Wahrheit leiten. Die nachfolgenden Erläuterungen in den Versen 13b-15 scheinen dann eher dazu angetan zu sein, einer Trinitätslehre als Basis zu dienen; sie führen nicht weiter aus, was mit Wahrheit gemeint ist oder wie der Tröster nun diese Wahrheit vermitteln wird. Es wird nur dargelegt, wie er sie bekommt, um sie weiter vermitteln zu können.
    Es wird nun aber deutlich, dass der Tröster nach diesem Text zwei Funktionen hat: den Menschen, die nicht an Jesus glauben, die Augen zu öffnen und sie zu Jesus zu führen; und die Jünger durch die Wahrheit zu Boten der Wahrheit zu machen.
    Wie können diese Aussagen nun aber so fruchtbar gemacht werden, dass sie der Freude des Pfingstfestes über die Nähe Gottes entsprechen? Zunächst einmal kann wiederholt werden, dass das Gericht über den Fürsten dieser Welt erfolgt ist. Eine tolle Aussage, gerade angesichts der Tatsache, dass alles Übel dieser Welt immer noch so aktiv wie eh und je zu sein scheint. Wie aber sähe diese Welt aus, wenn es Christus nicht gäbe? Würde die Menschheit überhaupt noch existieren? Es sind da Menschen, die sich vom Fürsten dieser Welt nicht mehr leiten lassen. Der Fürst der Welt hat in der Tat die Macht verloren für die, die sich zu Jesus wenden. Sie brauchen sich nicht mehr in einem Teufelskreis gefangen nehmen lassen.
    Das zweite ist die Zusage der Wahrheit. Auch wenn diese manchmal schwer erträglich ist, hier ist es die Wahrheit über den Sohn Gottes, der der Herrscher der Welt ist, und damit eine frohe Botschaft! Der Tröster kommt zu uns, um uns vom Abschiedsschmerz zu erlösen, nicht um uns erneut zu quälen. Er wird uns leiten, auch wenn wir es nicht explizit spüren.

  4. 1. Kor 2, 12-16
    Rev. 2014: Apg 2, 1-18(19-21) (Epistellesung - s. auch Reihe II)

    Dieser ausgesprochen schwierige Text (weniger vom Verstehen als von der Anwendung her) ist natürlich für das Pfingstfest bestens geeignet, aber stellt uns in ein Dilemma. Es stehen sich der "Geist der Welt" und der "Geist aus Gott" gegenüber, wobei der Geist der Welt offensichtlich minderwertig ist, weil er auf menschliche Weisheit angewiesen ist, und gleich abgetan wird. Die Frage ist sicher berechtigt, ob der natürliche Mensch mit dem geistlichen Menschen verbunden ist, oder ob der geistliche Mensch den natürlichen Menschen zurücklässt. Mit anderen Worten: Wechselt die Qualität eines Menschen, wenn er den "Geist aus Gott" empfangen hat? Wird er dann zu einem geistlichen Menschen? Oder wird dem "natürlichen Menschen" die Qualität "geistlich" hinzugefügt?
    Wie es scheint, handelt es sich hier für Paulus um einen vollständigen Wandel. Der "natürliche Mensch" ist nicht mehr, nun gibt es nur noch den "geistlichen Menschen", den, der den Geist Gottes empfangen hat. Dieser geistliche Mensch hat nun noch eine besonders herausgehobene Stellung: er beurteilt alles und wird selbst von niemandem beurteilt (Vers 15).
    Das ist freilich ein gefährlicher Satz. Schnell neigt man dazu, anstatt "beurteilen" das Wort "verurteilen" zu lesen. Das liegt auch angesichts des griechischen Wortes "anakrino" nahe (anakrino bedeutet "untersuchen" wie in einer gerichtlichen Untersuchung; krino bedeutet "verurteilen"). Dies würde dazu führen, dass sich die Christen, die sich - zu Recht - als geistliche Menschen verstehen dürfen, zu Richtern erheben, was zumindest kritisch ist, zumal es im Widerspruch zu Jesu Aussage "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet" (Mt 7,1) steht. Es ist von daher sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass der geistliche Mensch eben nicht Richter ist, wohl aber die Möglichkeit hat, Menschen, Dinge und Verhältnisse zu beurteilen. Dies aber nur, solange es im Geist Gottes geschieht, denn sonst ist er kein geistlicher Mensch mehr und unterliegt selbst solchem Urteil.
    Letztlich müssen wir uns fragen: wie stellen wir uns denen gegenüber, die "natürliche Menschen" sind? Hat es irgendeinen Nutzen, sie zu beurteilen? Ist es nicht besser, auf sie zuzugehen in Liebe und Vertrauen? Und natürlich stellt sich auch die Frage: bin ich wirklich ein geistlicher Mensch? Kann ich das von mir selbst glauben? Und wenn nicht: was bedeutet das für mein Leben?
    Auf diese letzten Fragen gibt der Predigttext eine Antwort: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott. Da gibt es nichts dran zu rütteln, das ist eine Tatsache. Wir aber haben Christi Sinn, sagt Paulus, und macht damit deutlich, dass wir mit allem ausgerüstet sind, das notwendig sein mag, um "geistliche Menschen" zu sein.
    Diese Zusage ist ermutigend und zugleich beängstigend, denn sie stellt uns heraus. Viel lieber wären wir Mitläufer, würden nicht auffallen. Aber darum können wir uns nun nicht drücken. Das dumme ist eben, dass wir mit dem, was wir wissen, zumindest auf der Ebene der Vernunft keine Chance haben (Verse 6-8 und 14).
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist offensichtlich und muss nicht weiter erläutert werden.
    Die Predigt sollte vor allem den Schwerpunkt auf die Zusage des Paulus legen: wir sind geistliche Menschen, wir haben den Sinn Christi. Aus dieser Zusage folgt aber keine Überheblichkeit, sondern vielmehr Mut, das weiterzusagen, was wir wissen: dass Christus gekreuzigt wurde, starb und von den Toten auferstanden ist; dass er nun zur Rechten Gottes sitzt. Dies zu vermitteln ist und bleibt unsere Aufgabe, dazu sind wir geistliche Menschen.

  5. 4. Mose 11, 11-12.14-17.24-25
    Hes 36, 22-28 (W)
    Rev. 2014: 1. Mose 11, 1-9 (= Gen 11, 1-9)

    Das Volk Israel hatte lange am Berg Sinai gelagert. Nun ging die Wanderung durch die Wüste weiter, und die Menschen wurden wieder unzufrieden, da die Nahrung eintönig und die Reise beschwerlich war. Sie sehnten sich nach Nahrung, so wie sie sie in Ägypten hatten. Schließlich sitzen alle in den Türen ihrer Zelte und weinen angesichts des eintönigen Mannas. Das bringt Mose zur Verzweiflung. Warum soll er für dieses Volk sorgen? Er möchte lieber sterben als diese große Verantwortung weiter alleine zu tragen. Es sind doch schließlich nicht seine Kinder!
    Die Reaktion Gottes ist interessant. Er hatte zuvor schon Feuer entfachen lassen, um den Unmut der Israeliten zu dämmen, aber nun plötzlich erhört er die Klage des Mose auf andere Weise und beauftragt ihn, siebzig Männer auszusuchen, die dann die Last mit Mose teilen sollen. Man kann sich hier die Frage stellen, warum sich Gott nicht sagt: mir reicht es auch (wie in Vers 10 angedeutet), dieses Volk soll nicht mehr mein Volk sein, ich will es vernichten. Anstelle dessen erbarmt er sich über Mose, das murrende Volk steht gar nicht mehr im Mittelpunkt, Gott sieht keinen Anlass, auf seine Klagen einzugehen. Denn Mose ist ja verantwortlich, und dazu bekommt er Hilfe. Dabei hat Mose zumindest direkt gar nicht um solch eine Hilfe gebeten. Er hat nur darüber geklagt, dass er allein die Last nicht tragen kann.
    Die 70, die vor der Stiftshütte aufgestellt werden, bekommen dann den Geist ausgeteilt, nicht etwa den Geist Gottes, wie man am Pfingsttag annehmen sollte, sondern den Geist des Mose. Allerdings ist dies der Geist Gottes, so dass man sich doch beruhigen kann.
    Dieser Text gibt viele mögliche Ansatzpunkte: Z.B., warum müssen es Männer sein (lässt sich natürlich aus der Soziologie der Nomadenvölker erklären), oder was viel brisanter ist und zu Pfingsten deutlich besser passt, warum wird der Geist nur wenigen vorenthalten? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, allen vom Geist Gottes zu geben, da dann doch auch alle zufriedener geworden wären (s. Moses Wunsch in Vers 29)? Oder wird durch das Teilen die Kraft des Geistes geschmälert? Wohl kaum. Sicher kann man auch fragen (wie schon oben angedeutet), warum Gott plötzlich kein Interesse mehr hat für die Not des Volkes, sondern nur noch an das Leitungsamt denkt?
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang sollte uns schon den Weg zeigen, in welche Richtung der Predigttext auszulegen ist. Auf der feministischen Welle zu reiten, wäre zwar aktuell, aber am Predigttext und vor allem am Pfingstfest vorbei. Es stellt sich die Frage, wie hier mit dem Geist Gottes umgegangen wird. Er wird von Gott ausgeteilt, nicht von Menschen, das ist eine klare Aussage. Er bewirkt eine Veränderung in den Menschen (Vers 25), wobei die hier beschriebene Veränderung nicht viel austrägt. Ein Trupp Leute, die sich wie verzückte Propheten benehmen, haben weder ein offenes Ohr noch überhaupt Sinne für die Welt um sie herum. Wir dürfen aber wohl davon ausgehen, dass die Ältesten nach einer Zeit der Verzückung dann doch ihre Aufgaben wahrnehmen werden.
    Die Predigt sollte sich mit dem Geist befassen. Dabei ist das hier gegebene Beispiel schwer verdaulich. Gott geht ja recht sparsam mit seinem Geist um. Will man Pfingsten dem entgegensetzen, dann fällt auf, dass auch zu Pfingsten der Geist nicht über alle, sondern nur eine kleine, elitäre Gruppe ausgegossen wurde. Selbst gottesfürchtige Juden (Apg 2,5) kriegen nichts ab. Sollte es also sein, dass der Geist nicht jedem gegeben wird?
    Wichtiger wäre wohl der Gedanke, dass der Geist nicht durch Menschen verfügbar ist. Nicht Menschen teilen ihn aus oder bestimmen, wer ihn hat, sondern Gott alleine. So ist es durchaus wahrscheinlich, dass der Geist auch über andere kommt, oder von denen, die ihn einmal "hatten", wieder fortgeht. Der Geist weht, wo er will (nach Joh 3,8), wobei man "er" wohl mit "Gott" gleichsetzen sollte, also: Der Geist weht, wo Gott will.

  6. Röm 8, 1-2(3-9)10-11
    Röm 8, 1-11 (W)

    Dieser Abschnitt kann nicht ohne den größeren Zusammenhang richtig verstanden werden. Im Vorfeld (Kapitel 7) führt Paulus aus, das der Mensch unter dem Gesetz verloren ist, denn es ist ihm nicht möglich, das Gesetz einzuhalten. In diese Erkenntnis klingt der Ruf: Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! (7,25) Denn dem Gesetz der Sünde, das einzuhalten unmöglich ist, steht das Gesetz Gottes gegenüber, das auf der liebenden Vergebung beruht, die uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus anbietet.
    Nun setzt unser Predigttext ein: Darum gibt es keine Verdammnis für uns, die wir in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz Gottes endet nicht mit dem Urteil der Verdammnis, sondern es endet mit dem Urteil der Vergebung - wenn man so noch von Urteil sprechen kann.
    Problematisch ist wohl die Dialektik von Fleisch und Geist, die hier als sich abstoßende Größen dargestellt werden. Deswegen hat man wohl diesen Abschnitt in Klammern gesetzt. Unter dieser Dialektik ist die Leibfeindlichkeit entstanden, die zeitweise soweit ging, dass gesunde Sexualität verteufelt wurde. Auf der anderen Seite hilft diese Dialektik, die Bedeutung der geistlichen Wahrnehmung gegenüber der sinnlichen, körperlichen oder auch "fleischlichen" Wahrnehmung hervorzuheben. Denn es gibt einen Erfahrungsbereich in unserer Existenz, der nicht von unseren körperlichen Sinnen erfasst werden kann. Paulus geht aber weiter: wer zu Gott gehört, ist geistlich und nicht fleischlich. Dies kann nur so verstanden werden, dass, wer zu Gott gehört, sich nicht von seinem Körper - wie ein Tier - bestimmen lässt, sondern vom Geist Gottes, und dabei dann selbstverständlich die Bedürfnisse des anderen erkennt und darauf eingeht. Es wäre sicher falsch interpretiert, wenn man meinen wollte, dass körperliches Wohlbefinden der Verbindung zu Gott im Wege steht. Wohl ist etwas dran an dieser Feststellung, denn in unserer Gesellschaft ist das Bedürfnis, Gott zu erkennen, viel geringer als in einer Gesellschaft, in der die Menschen nur das nötigste zum Leben haben.
    Vers 10 nimmt den Gedankengang noch einmal auf: der tote Leib, das könnte das Gericht meinen, das den Leib verurteilt nach dem Gesetz des Fleisches. Das Leben, wahres Leben, bringt der Geist Gottes. Und genau darauf will Paulus hinaus: Unsere Erfahrung ist, dass der Körper stirbt. Damit scheint unsere Existenz zu erlöschen. Der Geist aber, so sagt Paulus, bleibt, und der wird letztlich sogar unsere sterblichen Leiber, die sterben müssen, wieder auferwecken.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist klar: der lebendig machende Geist steht im Mittelpunkt. Dabei haben wir diesen Geist, weil er uns nach Gottes Gerechtigkeit geschenkt wird, nicht, weil wir es verdient hätten. Um seines Sohnes Jesu Christi willen sind wir Kinder des Geistes!
    Die Predigt sollte das Leben verkündigen, fast so, wie es die Osterpredigt tut. Der Geist Gottes, das, was uns lebendig, zu besonderen Geschöpfen macht, gehört zu uns allein darum, weil Gott es so will. Und weil der Geist Gottes das Leben bejaht, darum dürfen wir auch unseren Leib bejahen und müssen nicht so tun, als sei alles "fleischliche" verwerflich. Dass es Grenzen gibt, ist klar - die bedeutendste ist sicher das Wohl des anderen, das man dabei nie aus den Augen verlieren darf.
    Aus der Zürcher Reformierten Landeskirche finden Sie hier Informationen zum Pfingstfest



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  • Zuletzt überarbeitet: 26 Mai 2015
    © Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

    Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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