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Karfreitag
Vergebung der Sünden - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

Der Karfreitag (früher Parasceve genannt) wurde vermutlich schon von den ersten Christen begangen als ein Tag des Fastens und der Trauer. Er behielt diesen Charakter über die Jahrhunderte bei. Schon Tertullian (Ende des 2. Jahrhunderts) bezeugte die Einhaltung dieses Tages als großen Fastentag.
Die protestantische Kirchen aber haben zunächst nur teilweise den Karfreitag als Feiertag übernommen. Im 17. Jahrhundert erlebte er als Bußtag eine Renaissance, wobei er freilich seinen ursprünglichen Character verlor. Entgegen der früheren Praxis, an diesem Tag (als dem einzigen des Jahres) kein Abendmahl zu feiern, stand nun das Abendmahl im Vordergrund. Heute entwickelt sich die Feier des Tages wieder zu einer dem ursprünglichen Sinn angemessenen Praxis.
Am Karfreitag hören wir, wie der Sohn Gottes gekreuzigt und zu Tode gebracht wurde. Die christliche Gemeinde verstummt, läßt nur noch das Wort Gottes reden. Dies findet seinen Ausdruck darin, dass die Vesper nach der Todesstunde Jesu einzig aus der Lesung besteht, zu der das Psalmgebet tritt.
Am Karfreitag verlöschen die Kerzen, die bis dahin Zeichen für das lebendige Licht, das Jesus Christus selbst ist, gewesen sind, um erst in der Osternacht wieder am Osterlicht entzündet zu werden.
Die liturgische Farbe des Karfreitags und Karsamstags ist schwarz, wobei aber vollkommene Schmucklosigkeit des Altars ausreichend ist. Schwarz ist die "Farbe" des Todes, der Finsternis, der Verneinung allen Lebens.
Am Karfreitag verstummt das Lob der Gemeinde - das Geschehen am Kreuz macht sie still, vielleicht sogar beschämt, angesichts des Leides und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus um unseretwillen.

III - Lk 23, 33-49
Rev. 2014: Jes 52, 13-15; 53, 1-12* (s. Reihe VI)

Als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. 34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. 35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. 36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig 37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! 38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! 40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? 41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, 45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei. 46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen! 48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. 49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Wenn man nicht pur exegetisch an den Text herangehen will, ist es schwierig, überhaupt einen solchen Text auszulegen, stellt er doch die zentrale Verkündigung christlicher Botschaft dar. Darf man ihn überhaupt auslegen? Sollte man ihn nicht besser schlicht wieder und wieder hören?
Das Anschauen von Jesusfilmen, die immer eine Evangeliensymphonie versuchen, mag auch unser Auge getrübt haben für die Besonderheiten dieses Textes. Es ist wichtig, sich bewusst vor Augen zu halten, dass Lukas diesen Bericht geschrieben hat, und nicht Markus, Matthäus oder Johannes. Und da finden wir schon einiges Besonderes:
Zunächst einmal teilt Lukas diesen Bericht durch die Worte Jesu in drei Abschnitte. Man könnte die Verse 47-49 als Anhang bezeichnen. Es mag wichtig sein, sich die Worte Jesu genauer anzuschauen, denn interessanterweise folgt er nicht Markus, so wie es Matthäus tat. Die Worte sind:

  1. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Vers 34)
  2. Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. (Vers 43)
  3. Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. (Vers 46)

Die ersten beiden könnten im Zusammenhang miteinander stehen. Zunächst macht Jesus vor, was er von den Menschen erwartet: Vergebung. Nun wird dies freilich vom Übeltäter nicht nachgemacht, aber er bereut, was er getan hat, er erkennt es an, er ist ehrlich zu sich selbst und vor Gott. Damit hat er die Vergebung verdient. Also sagt Jesus zu ihm: "Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein." Ihm ist ganz persönlich vergeben. In diesem Sinne wird zweimal durch die Worte Jesu am Kreuz die Vergebung Gottes unterstrichen. Sie wird erteilt einmal, weil sie nicht wissen, was sie tun, und zum andern, weil der Einzelne sehr wohl weiß, was er getan hat, dies aber bekennt. Mit dem Bekenntnis, dem aufrichtigen Eingeständnis seiner Sünde vergibt ihm auch Gott.
Auch die Nachgeschichte ist bemerkenswert. Plötzlich gibt es eine Reaktion, obgleich schon drei Stunden zuvor sich der Himmel verdunkelt hatte. Der römische Hauptmann kann sich allerdings bei Lukas nicht zum Gottesbekenntnis durchringen. Er stellt nur fest, dass Jesus ein frommer Mann gewesen ist. Er hatte wohl die letzten Worte vernommen (Jesus rief sie ja laut aus), und damit eine Art Anerkennung bei dem Hauptmann erwirkt. Aber wir haben hier kein großartiges Bekenntnis. Auch das Volk reagiert ähnlich. Alle scheinen irgendwie beschämt angesichts ihres Handelns und angesichts der frommen Haltung Jesu. Sie erkennen, dass sie etwas falsch gemacht haben, sind aber nun nicht mehr in der Lage, es rückgängig zu machen. Daher kehren sie dem Geschehenen den Rücken.
Interessant ist auch Vers 49: Alle seine Bekannten - wer mag das gewesen sein? Seine Jünger? Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Jünger nicht dabei waren, als Jesus gekreuzigt wurde. Hier scheinen sie nun doch aufzutauchen, ohne namentlich genannt zu werden. Vielleicht war es zu beschämend, die Namen aufzuführen angesichts der Tatsache, dass sie nur von ferne zusahen, als müssten sie sich verstecken. Die ängstlichen Jünger, die später zu so wichtigen Figuren in den Anfängen der Kirche wurden...
Und natürlich sind da die Frauen. Natürlich, weil ihre Treue sich hindurchzieht durch das Evangelium des Lukas, weil sie immer da sind, oft namenlos, aber doch in größerer Treue als die Jünger.
Für die Predigt ist gewiss der Aspekt der Vergebung, der in diesem Text so deutlich wird, zentraler Ausgangspunkt. In seiner Todesstunde lässt Jesus die durch seinen Tod wirkende Vergebung schon sichtbar werden, an der Menge, die ihn in diesem Moment noch verachtet, und an dem einzelnen, der sich seiner Schuld bewusst wird. Gott vergibt! Und er tut dies, ohne ein Opfer von uns zu fordern, weil er das Opfer schon vollbracht hat.

Liedvorschläge zur Predigt:

O Welt, sieh hier dein Leben (EG 84)
O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85)
Jesu, meines Lebens Leben (EG 86)
Ich grüße dich am Kreuzesstamm (EG 90)
Du schöner Lebensbaum (EG 96)
Liebe, du ans Kreuz für uns erhöhte (EG 415)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

Zuletzt überarbeitet: 03 Februar 2017
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