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Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr
Der nahende Herr* - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Drittletzte Sonntag im Kirchenjahr hat das Kommen des Herrn zum Thema. Während das Evangelium selbst nur davor warnt, dieses Kommen vorhersagen zu wollen, betont die Epistel die Herrschaft Christi über Lebende und Tote. Die alttestamentliche Perikope weicht etwas ab: Hiob bittet Gott, dem Menschen doch seine Ruhe zu lassen und ihn nicht vors Gericht zu zerren zu seinen Lebzeiten, wie es ihm geschehen ist. Hier hat der Glaube an ein ewiges Leben noch nicht viel verloren. Die 5. und 6. Perikope jedoch gehen sehr klar auf das Kommen des Herrn ein. Durch alle Perikopen scheint sich auch die Frage hindurchzuziehen, wie wir dem Herrn begegnen, wenn er kommt, und wie wir uns auf ihn vorbereiten.

Zu den Perikopen

  1. Lk 17, 20-24 (25-30)

    Die Einklammerung der Verse 25 bis 30 scheint mir dieses Mal gerechtfertigt, da diese Ausführungen mehr wie ein hilfloser Versuch des Evangelisten erscheinen, nun doch etwas von der Offenheit des zuvor Gesagten aufzulösen und eine klarere Vorstellung vom kommenden Ende zu vermitteln. Dabei weiß er so wenig davon wie wir alle.
    Wichtig an dieser Stelle ist sicher unsere Vorstellung von Existenz. Wir begreifen sie linear, d.h. von einem Punkt bis zu einem anderen fortschreitend, wobei die Einteilung der Linie durch die Zeit erfolgt. Für Gott ist diese Vorstellung aber völlig abwegig. Gott wird nicht durch Linearität beeinflusst, sondern er ist ewig. Und in dieser Ewigkeit ist auch unsere Zeit geborgen. Das bedeutet aber, dass das hier bezeichnete Kommen des Gottesreiches schon längst erfolgt ist, weil es in der Ewigkeit existiert; nur erfahren wir nichts oder nur wenig davon, weil wir in der Zeit gefangen sind. Die Zeit, unser lineares Empfinden, trennt uns von der Ewigkeit, die uns aber doch eigentlich bewusst sein müsste, weil sie die Zeit umfasst und die Zeit nur ein ein Teil von ihr ist.
    Wenn die Lesung des Textes mit dem 24. Vers aufhört, könnte man das plötzliche Auftreten des Reiches Gottes wie die plötzliche Erkenntnis nicht nur im Sinne von theoretischem Verständnis, sondern im Sinn von existenzieller Betroffenheit interpretieren. Nimmt man die Verse 25-30 hinzu, muss man allerdings auch den Gerichtsgedanken mit einbringen. Vor Vers 24 wäre das Gericht klar und eindeutig: wer es nicht erkennt, ist schon im Gericht, weil er in der Zeit gefangen bleibt. Sein Leben bleibt vom Tod beherrscht und darum letztlich sinnlos.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist recht deutlich, wenn auch das Nahen des Herrn nicht ganz den Punkt trifft. Es geht aber wohl um die Begegnung mit ihm, die Erfahrung, dass er auf uns zukommt und dieser Prozess ewig ist insofern, als wir, solange wir zeitgebunden sind, nie die Ewigkeit in ihrer Gänze erfahren können.
    Die Predigt wird schwierig, weil es schwer ist, etwas Unvorstellbares zu vermitteln. Ein Blick auf das Leben der Hindus wäre denkbar, sofern man damit vertraut ist: ihnen ist die Ewigkeit gewissermaßen in die Wiege gelegt, was aber nicht immer nur gute Konsequenzen hat. Es hat dort eher zu einem ungesunden Fatalismus geführt. Für die gottesdienstliche Gemeinde kann man sich überlegen, Zeitgebundenes dem Zeitlosen gegenüber zu stellen. Der Begriff "zeitlos" ist uns durchaus vertraut und kann im Sinne von "ewig" Anwendung finden. Man vergisst auch die Zeit, indem man sich verplaudert, oder etwas so spannendes beobachtet, dass alles um einen herum nebensächlich wird. Vielleicht könnte so etwas Spannendes Aufhänger der Predigt werden.

  2. Röm 14, 7-9

    folgt später

  3. Lk 11, 14-23

    Die Perikope ist zunächst schlüssig. Zwei Dinge werden an Jesus herangetragen: der Vorwurf, er treibe böse Geister mit Beelzebub aus, und dann die Forderung, ein Zeichen vom Himmel zu senden. Auf den Vorwurf erwidert Jesus mit der simplen logischen Feststellung, dass sein Handeln dem Willen des Bösen, Beelzebub, widerspricht (zu Beelzebub: Eigentlich handelt es sich dabei um den Namen eines Fürsten der Dämonen, er ist also nicht mit Satan gleichzusetzen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist wohl, dass er die Stellung eines Oberen über die bösen Geister hat). Beelzebub würde es niemals zulassen, das bereits gewonnene Territorium (die Menschen, in denen böse Geister hausen) aufzugeben, und schon gar nicht würde er es selbst veranlassen.
    Die Forderung nach einem Zeichen vom Himmel beantwortet Jesus mit ähnlicher Einfachheit. Wenn er also nicht mit der Autorität des Beelzebub handelt, kann er ja nur mit der Autorität des Himmels handeln. Also ist er selbst das Zeichen, mit ihm ist das Himmelreich, das Reich Gottes, bereits zu ihnen gekommen.
    Was etwas schwieriger ist, ist der Schluss der Perikope: "Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut." Sie folgt auf die Rede vom Starken, der von einem Stärkeren überwunden wird. Diese Rede ist wohl in Zusammenhang zu bringen mit der vorhergehenden Darstellung: Beelzebub und seine bösen Geister werden von Jesus überwunden. Aber womit ist der Schlusssatz begründet? Es kann sich wohl nur um die Schlussfolgerung aus dem vorher Gesagten handeln: Nun, da ihr wisst, wer ich bin (nämlich der, der "durch Gottes Finger" die bösen Geister austreibt), müsst ihr Stellung beziehen und nicht mehr zweifeln (was anfangs ja festgestellt wurde: sie sind sich nicht sicher, woher er kommt, und wollen darum einen Beweis). Das Reich Gottes ist angebrochen, nun gilt es, ganz deutlich dazu Stellung zu beziehen. Sobald man sich nicht auf die Seite Jesu stellt, ist man gegen ihn.
    Der Kern dieser Perikope stimmt mit dem Thema des Sonntags überein: Der Herr kommt, er ist im Grunde schon da, nun gilt es, dieses Wissen umzusetzen. Vielleicht sollte zum Thema "Kommen" und "Schon-Da-Sein" noch etwas gesagt werden: Jesus Christus hat zeichenhaft die Nähe des Himmelreiches bekannt gemacht. Dies wird auch in dieser Perikope deutlich. Damit hat er deutlich gemacht, dass ein längeres Warten im Sinne von Ausharren nicht mehr nötig ist, im Gegenteil: Da nun klar ist, dass das Reich Gottes schon gekommen ist durch Jesus Christus, fehlt nur noch eins: dass er wiederkommt nach seiner Himmelfahrt, um das Reich Gottes zu vollenden. Bis dahin ist es unsere Aufgabe, seinem (Wieder-)Kommen zuzuarbeiten, indem wir die Erfahrung des Reiches Gottes, die uns zu seinen Nachfolgern macht, auch anderen erfahrbar machen.
    Die Predigt für diesen Sonntag sollte sich auf dieses "Schon-Da-Sein" ausrichten und also Zeichen des Reiches Gottes bei uns wieder präsent machen. Zugleich sollte die Frage in den Raum gestellt werden, wie wir zu diesem Reich stehen. Auch die Frage, wie wir dem Kommen Christi zuarbeiten, kann erörtert werden. Hier könnte ein Zusammenhang zum bevorstehenden Beginn des neuen Kirchenjahres hergestellt werden. Wichtiger ist aber wohl doch, Konkretionen der Nähe des Reiches Gottes in unserem alltäglichen Leben zu provozieren.

  4. Hiob 14, 1-6

    Dieser Ausschnitt aus der Antwort Hiobs an Zofar ist deprimierend. Hiob wirft Gott die Pein vor, die er selbst erleidet. Zunächst stellt er schlicht fest, dass der Mensch ein nur kurzes, unruhiges Leben hat, das so flüchtig ist wie ein Schatten. Nun aber kommt Gott und schaut sich so ein Menschenkind genau an, obwohl er doch schon alles weiß, obwohl Gott schon längst die Tage dieses Menschen gezählt hat. Darum bittet Hiob, in Ruhe gelassen zu werden, damit er in Frieden sterben kann. Denn das Schauen Gottes auf diesen Menschen kann ja nur Strafe nach sich ziehen, weil der Mensch es nicht vollbringt, schuldlos zu sein.
    Hiob will also von Gott in Ruhe gelassen werden, weil sein Leben ohnehin schon kurz und von viel Mühe und Unruhe belastet ist. Er will, dass Gott einsieht, dass der Mensch schon genug gestraft ist durch die Kürze seines Lebens.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird nicht ohne Weiteres deutlich. Wo wird hier vom "Kommen des Herrn" geredet? Wenn man genauer hinschaut, kann man es schon erkennen, aber es ist ein bedrohliches Sich-Nähern, das wir hier beobachten: Gottes Nähe ist unerwünscht, der Mensch ist sich ja seiner Fehlerhaftigkeit bewusst, er fürchtet den richtenden Blick Gottes, dem er sich nicht entziehen kann.
    Die Predigt dürfte also versuchen, herauszufinden, wo wir uns vor Gott fürchten, und diese Furcht dann bei den Hörnern packen. Denn dieses Gottesbild, das Hiob pflegte, ist ja auch heute noch in vielen Menschen lebendig. Die Barmherzigkeit Gottes wird hier nicht sichtbar, oder sie liegt allein darin, dass er sich vom Menschen abwendet. Aber so hat Gott ja nicht gehandelt. Er hat das Elend der Menschen gesehen, ihre Not und ihre Mühe, und sich ihrer erbarmt. Darum ist er ihnen ganz nahe gekommen, hat diese Not selbst durchlitten, um sich mit ihnen gewissermaßen zu solidarisieren. Und wenn dies verstanden wird, erkennen wir die Verheißung, die in den Worten liegt: Fürchte dich nicht!

  5. Lk 18, 1-8

    Dieses Gleichnis von der bittenden Witwe zusammen mit seiner Auslegung gibt einige Rätsel auf. Zunächst einmal ist die Figur des Richters befremdlich. Offenbar übt er sein Amt nach Gutdünken aus, und nicht nach dem Recht - er sieht seine Verantwortung nicht darin, den Menschen Recht zu verschaffen, sondern wohl (was aber nicht explizit gesagt wird) darin, sich ein gutes Leben zu machen. Denn die Aussage, dass er sich nicht vor Gott fürchtet, weist darauf hin, dass er nicht unbedingt Recht spricht; die Aussage, dass er die Bitte der Witwe, ihm Recht zu verschaffen, lange Zeit ignoriert, weist darauf hin, dass er nicht immer sein Amt wahrnimmt, sondern nur, wenn es ihm gefällt. Vermutlich handelte dieser Richter je nachdem, wie viel Geld ihm geboten wurde.
    Immerhin lässt sich der Richter zuletzt doch, angesichts der Hartnäckigkeit der Witwe, dazu überreden, ein Urteil zu fällen, wohl ohne ein Schmiergeld erhalten zu haben - die Begründung aber erscheint sehr merkwürdig: damit sie ihm nicht ins Gesicht schlage. Offenbar fürchtet er doch die Menschen? Denn ins Gesicht geschlagen zu werden in der Öffentlichkeit bedeutet eine Demütigung, die er als allem Anschein nach einflussreicher Mann nicht über sich ergehen lassen kann. Es gäbe sicher effektivere Methoden für diesen Richter, sein Problem zu lösen. Um des Skopus willen gibt er aber nach.
    Die Auslegung durch Jesus selbst in Vers 7-8 wirft weitere Fragen auf: Vermutlich wird hier schon die Verfolgungssituation angesprochen, in der die Christen gewissermaßen als rechtlose, unterdrückte Menschen der Willkür sowohl der Römer als auch der Pharisäer ausgeliefert waren. Die Christen beriefen sich auf Gott, aber Gott reagierte nicht. Hier nun soll ihnen der Trost zugesprochen werden, dass Gott bald Recht schaffen wird denen, die er auserwählt hat. Nur merkwürdig ist der letzte Satz: Wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden? Dieser Satz wird jeden christlichen Hörer vor den Kopf stoßen: ja, glaube ich denn nicht? Vermutlich kann dieser Satz aus dem Umstand erklärt werden, dass Jesus hier zu den Pharisäern spricht, die ja ohnehin immer schlecht wegkommen. Ihre Frage nach dem Kommen des Reiches Gottes löst eine umfangreiche Rede Jesu aus, wozu auch dieser Text gehört. Vielleicht will mit diesem Satz der Vermutung, die Pharisäer könnten die Auserwählten sein, ein Riegel vorgeschoben werden.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang liegt in dem Nahen Gottes: er ist auf dem Weg, zu helfen. Es ist die bekannte Spannung des "Schon-Jetzt" und "Noch-Nicht", die sich hier auftut und die auch in dem Thema "Der Nahende Gott" deutlich wird. Wir wissen von seinem Kommen, aber er ist noch nicht da.
    Die Predigt wird den Aspekt des Bittens nicht unterschlagen, denn darum geht es ja im Predigttext vorrangig: dass sich Gott durch hartnäckiges Bitten zu schnellem Handeln bewegen lässt. Auch wenn dies meist nicht unserer Erfahrung entspricht, so ist dies doch die Zusage, die Jesus mit seinem Gleichnis macht. Es wird auch wichtig sein, den Kontext deutlich zu machen, damit der Vers 8 entsprechend verstanden werden kann. Zuletzt steht in der Predigt die Aussage vom hilfsbereiten Gott an, die aber die wichtigste Aussage ist. Dabei wird man nicht umhin können, darauf hinzuweisen, dass Gott nicht frei verfügbar ist. Er wendet sich uns zu, er zögert nicht über die Maßen, aber er zögert. Warum, lässt sich aus dem Gleichnis nicht erkennen. Eine Deutung wäre, dass Gott Raum geben will, damit Glaube wachsen kann in dieser Welt (auch hier könnte Vers 8 behilflich sein).

  6. 1. Thess 5, 1-6 (7-11)
    1. Thess 5, 1-11 (W)

    Nach zweitausend Jahren ist es schwierig, noch etwas von Endzeitstimmung rüberzubringen. Dabei gibt es sie immer wieder, die Propheten, die den drohenden Weltuntergang vorhersagen und damit viele Menschen ins Verderben stürzen. Zahlreiche Filme zeugen von der in jedem Menschen schlummernden Angst, dass es doch zu einem plötzlichen, unerwarteten Ende kommen kann.
    Jedoch dreht sich die Welt trotz aller beängstigenden Prophezeiungen weiter, das Ende kommt nicht, auch das biblisch prophezeite nicht, und es wird zunehmend müßig, sich zu fragen, wann es nun kommt. Und das ist gut so, denn, wie Paulus sagt, das Ende kommt wie ein Dieb in der Nacht, völlig überraschend und unerwartet, vermutlich sogar dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Vielleicht ja schon morgen, vielleicht an einem Weihnachtstag, vielleicht zu Himmelfahrt, vielleicht an irgendeinem völlig bedeutungslosen Tag.
    Die Sache, auf die es ankommt, ist die: bereit sein. Und das sind wir ja in der Regel nicht. Wir rechnen nicht damit, dass dieser jüngste Tag, wie er genannt wird, plötzlich und unerwartet kommen kann - wir rechnen überhaupt nicht mit solch einem Tag. Sonst würde unsere Lebensgestaltung sicher anders aussehen. Wir würden unser Herz nicht an Dinge hängen, die wir dann nicht mitnehmen können.
    Im Predigttext klingt auch das Gericht durch, mit dem man vor Jahren den Menschen noch Angst einjagen konnte. Früher wurden Naturkatastrophen als Gericht Gottes angesehen - heute weiß man, dass es eben "nur" Naturkatastrophen sind. Dass wir diese aber nicht in unserer Gewalt haben, sollte uns zu denken geben, denn in der Tat ist ja auch der eigene Tod der jüngste Tag für einen jeden von uns. Danach stehen wir vor Gott, es gibt kein Zurück mehr.
    Mit dieser Perspektive wird die Rede vom Ende vielleicht doch etwas aktueller, auch wenn man in unserer Gesellschaft zunehmend versucht, den Tod aus dem Alttag zu verbannen. Er bleibt unausweichlich - genauso wie der jüngste Tag.
    Nun braucht man vor diesem Ende keine Angst zu machen, im Gegenteil: der christliche Glaube kennt keine Angst vor diesem jüngsten Tag, denn er vertraut auf die erlösende Kraft des Opfers Jesu Christi. Darum ist das Leben auch keine sinnlose Sache, sondern ein Geschenk, das uns befähigt, anderen Menschen diese Hoffnung, die wir ín uns tragen, weiter zu vermitteln.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang besteht zum einen schon darin, dass hier vom Ende die Rede ist, womit sich das Ende des Kirchenjahres ja schlechthin befasst. Darüber hinaus geht es um den nahenden Herrn, der hier verkündigt wird und dessen Kommen auch im Predigttext angekündigt wird. Die wenigen Bedingungen, für diesen Herrn bereit zu sein, sind eigentlich nicht das Wachsam- und Nüchternsein, sondern das Bekleidetsein mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn schlafen werden wir alle müssen - wer aber im Wachen Zustand diese "Rüstung" trägt, ist gut gewappnet und wird auf jeden Fall bereit sein.


    Gedanken von Gert Flessing (Pfarrer in Lunzenau):
    Die Menschen unserer Tage denken häufiger an das Ende der Zeit, als ihnen vermutlich selbst bewusst ist. Filme wie "Amargedon" machen das deutlich. Selbst wenn sich mutige Männer und Frauen in solchen Filmen dem augenscheinlichen Ende entgegenstemmen und zumeist gewinne, wird deutlich, dass der nächste Tag der ultimativen Katastrophe kommen wird.
    Hinter derartigen "Endzeitspektakeln" stecken die Angst der Spaßgesellschaft vor dem eigenen Vergehen. Sie alle sind sich einig: "Der Tod ist gewiss, nur sein Zeitpunkt nicht." Dieses Wissen aber erfüllt Menschen, die sich selbst dem Spaß verschrieben haben, mit Furcht, denn sie ahnen: Irgendwann ist es aus mit lustig.
    Der Paulustext gibt uns einen kleinen Hinweis darauf, dass es nicht erst heute so ist. Er schreibt: "... die da schlafen, schlafen bei Nacht, und die da betrunken sind, sind bei Nacht betrunken." Ich halte das nicht nur für eine Symbolik, sondern für den Hinweis, dass die Gleichgültigkeit und die Stillung der Süchte auch zu seiner Zeit unter den Menschen ihren Platz hatten. Sicher, nicht nur in Pompeji findet sich in einem Fußbodenmosaik der Hinweis auf die Vergänglichkeit. Das Skelett mit dem Schriftzug: Erkenne dich selbst. Macht manches deutlich. Dennoch leben und lebten die Menschen zumeist in dem Wahn, dass eigentlich alles immer weiter geht, dass es kein Ende geben kann.
    Der Satz: "Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen." Ist am 11. September des vorigen Jahres für uns alle zu einer grauenhaften Gewissheit geworden. Sicher, es war kein Weltuntergang, aber das Gefühl der Sicherheit in unserer Gesellschaft ist doch arg erschüttert worden. Wir haben die Bilder der Menschen vor Augen, die sich aus den Türmen des world trade centers stürzen. Ganz nüchtern können wir sagen: Es gibt keine Sicherheit, und der Tag, an dem mein Leben sein Ziel erlangt, kann schneller da sein, als mir lieb ist.
    Die Frage heute, wie zur Zeit des Paulus ist nicht, ob es so ist, sondern wie ich als Mensch mit dieser Erkenntnis umgehe.
    Paulus meint, dass aus der Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit, der Tatsache, dass wir den Tag des Endes einfach nicht vermeiden können, nicht Resignation erwachsen soll. Wir sollen wachsam und nüchtern sein. Wachsam im Blick auf die Zeit, die wir haben, und nüchtern angesichts der Tatsache, dass sie begrenzt ist. Das bedeutet nicht, ohne Spaß zu leben. Es bedeutet aber sehr wohl, den Spaß, den persönlichen Lustgewinn, nicht zum alleinigen Lebensziel zu machen. "Ich will Spaß, ich will Spaß! Ich geb Gas, ich geb Gas!" Singt einer der Barden der deutschen Musikszene.
    Paulus spricht davon, dass wir dem Leben, das als endlich erfahren wird, gerüstet entgegen treten müssen. Seine Rüstung ist nicht offensiv, sondern defensiv. Da ist der Brustpanzer des Glaubens und der Liebe. Wir sollen gefestigt sein im Vertrauen zu Gott. Er ist es ja, der uns durch das Wort begleitet. Wir sollen aber auch gefestigt sein in der Liebe zum Mitmenschen, zu dem, mit dem wir das Leben in der Welt und damit das Schicksal der Sterblichkeit teilen. Er soll uns nicht gleichgültig sein.
    Der Helm der Hoffnung des Heils, als Ausdruck der Zuversicht, die sich inmitten des Unheils beschützt, geschützt weiß. Wir dürfen hoffen, macht uns Gott immer wieder deutlich. Wir dürfen darauf hoffen, dass sein Heil für uns da ist. Dieses heil ist in Jesus für uns da. Sein Sterben und Auferstehen haben Licht auf einen Weg geworfen, der für viele Menschen im Dunkel des Todes endet. Als Christen dürfen wir uns mit ihm verbunden wissen. Das gilt hier, im Alltag, und das gilt an der Grenze des Lebens und darüber hinaus. Sicher, viele Menschen sehen das nicht, oder wollen es nicht sehen. Auch vielen Christen fällt es schwer, sich darauf einzulassen, lieber hoffen auch sie auf irgend jemanden, der den Tag des "Armagedon" aufhalten kann. Wir dürfen angesichts all der Ängste das Miteinander suchen, einander ermahnen und einander erbauen, also gut zureden, Mut machen, auf Gott weisen, der für uns da sein will, alle Tage, bis an der Welt Ende.

    Was wissen wir, wann uns das Ende naht? Was wissen wir, wie sich die Zeit gestaltet?
    Im Glauben hält uns Gott auf sicherm Pfad, weil sein Geist über uns mit Gnade waltet.
    Wo unser Leben auch in Finsternis verirrt, und wir voll Angst nur unsre Wege gehen,
    ist es sein Wort, das uns den Weg entwirrt, damit wir wieder seine Hoffnung sehen.
    In Jesu Kreuz wir Gottes Hoffnung finden, begraben ward mit ihm des Ew?gen Zorn.
    In Tod und Aufersteh?n will er sich uns verbinden, wo wir ihm folgen finden wir des Lebens Born. 



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Zuletzt überarbeitet: 10 November 2017
© Copyright 1998-2017 by Martin Senftleben

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