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Pfingstmontag
Ausgießung des Heiligen Geistes - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

s. die Erklärungen zu "Pfingsten"

III - 1. Mose 11, 1-9
Rev. 2014: Mt 16, 13-19 (s. Reihe I)

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. 2 Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. 3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel 4 und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. 5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! 8 So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist geläufig. Während bis zu dem Zeitpunkt der Erzählung die Menschen überall die gleiche Sprache sprachen, wird diesem Zustand durch Gott ein Ende gesetzt, nachdem die Menschheit versucht hatte, einen Turm zu bauen, mit dem sie sich einen Namen machen wollen - hoch bis an den Himmel. Die Geschichte ist eine sehr unschlüssige etiologische Erzählung. Zunächst taucht die Frage auf, vor wem sich die Menschen einen Namen machen wollen, wenn sie hier ein gemeinsames Projekt beginnen wollen. Vor Gott? Das scheint nicht begründet, denn darauf wird überhaupt nicht eingegangen, außer in der Reaktion Gottes, der nun auf zutiefst menschliche Weise die Konkurrenz der Menschen fürchtet.
Die Folge ist, dass Gott die Sprache der Menschen verwirrt und sie so in alle Lande zerstreut, denn nur die mit der gleichen Sprache können auch zusammenleben. Auf diese Weise wird die Herkunft zweier Phänomene erklärt: der Existenz verschiedener Sprachen und der Existenz einer früher existierenden Ruine eines gewaltigen Turmes. Vielleicht hat es diese Ruine auch nie gegeben. In jedem Fall ist die Existenz verschiedener Sprachen die Hauptursache für diese Erzählung.
Für eine Predigt kann man einen Anknüpfungspunkt dort finden, wo Gottes Reaktion geschildert wird, die sehr menschlich einfach Ausdruck der Angst vor Konkurrenz ist. Unsere Gesellschaft befindet sich jetzt, tausende Jahre später, an einem Punkt, an dem es möglich ist, nahezu alle Funktionen, die einst nur Gott zugesprochen werden konnten, zu erfüllen. Durch die Gentechnologie sind wir so weit gekommen, sogar Leben schaffen zu können! Jetzt wäre die Angst Gottes noch viel begründeter! Aber gerade jetzt wird die Welt immer kleiner, die Menschen verstehen sich über Grenzen hinweg, man ist sich nicht mehr fremd, auch wenn es noch viele Unterschiede gibt; dies ist sicher auch dem stetigen Fortschritt in Forschung und Technik zu verdanken. An diesem Punkt anzusetzen würde bedeuten, dass man den Mensch wiederum über Gott erhöht, denn dem Menschen gelingt selbst die Strafe Gottes zu nivellieren.
Von daher ist dieser Ansatz also nicht empfehlenswert. Es ist sinnvoll und wichtig, hier den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang näher zu betrachten.
Der Zusammenhang mit Pfingsten ist durch das Geschehen an der Sprache gegeben. Der Turmbau zu Babel hat die Sprachverwirrung bewirkt, die Ausgießung des Heiligen Geistes die "Einheitssprache" (Apg 2,6). Während die Turmbaugeschichte eine Etiologie ist, ist die Pingstgeschichte mehr eine symbolische Erzählung. Die Tatsache der Existenz einer "Einheitssprache" (eigentlich ist es ja eher so, dass man von einer unsichtbaren Übersetzungsmaschine reden müßte) deutet wohl auf das Wirken des Geistes hin, der nun die Frohe Botschaft allen zugänglich macht. Vom Turmbau zu Babel die Brücke zu Pfingsten zu schlagen, ist nicht leicht, da beide Geschichten einen völlig anderen Schwerpunkt haben.
Es geht beim Turmbau zu Babel auf jeden Fall um den Größenwahn des Menschen und die Konsequenz. In der Predigt kann man nun im Blick auf Pfingsten vielleicht dies herausstellen: Je mehr wir glauben, uns selbst weiter perfektionieren zu können, um so mehr entfernen wir uns von Gott. Je mehr wir glauben, dass die Werke, die wir leisten, aus unserem eigenen Vermögen heraus entstehen, um so mehr entfernen wir uns von Gott. Es erhebt sich die Frage, ob Gottesferne wirklich so schlimm ist. Für uns ist sie es wohl, aber für manchen Durchschnittsmenschen gewiss nicht. Erst in der Not streckt man wieder die Hände aus nach Gott, von dem man dann doch Hilfe erwartet. Man könnte darauf hinweisen, dass die Wissenschaft nicht in der Lage ist, alle Probleme und Fragen dieser Welt zu lösen. Aus dieser Geschichte einen Machtkampf zwischen Gott und den Menschen abzuleiten, wäre sicherlich falsch. Es geht wohl um Grenzen, die Gott uns setzt, aber diese Grenzen bestehe nicht so sehr in Verboten, als in selbsterwirkten Einschränkungen aufgrund unseres übereilten Handelns, das mögliche Konsequenzen nicht in Betracht zieht. Für die Wissenschaft gibt es nur ein Vorwärts; für die Menschheit muss es auch ein Innehalten geben, das uns Zeit gibt, über die Konsequenzen nachzudenken. Wenn wir innehalten, kommen wir auch Gott ein Stückchen näher.

Liedvorschläge zur Predigt:

Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren (EG 245)
O dass doch bald dein Feuer brennte (EG 255)
Lobet und preiset, ihr Völker (EG 337)
Es kommt die Zeit (KHW-EG 560)
Damit aus Fremden Freunde werden (KHW-EG 639)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

  • Gottesdienstpraxis Serie B. Sommergottesdienste v. Christian Schwarz (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2014, 160 S. - 1. Auflage.

  • Zuletzt überarbeitet: 28 Mai 2015
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