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Pfingstmontag
Ausgießung des Heiligen Geistes - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

s. die Erklärungen zu "Pfingsten"

Zu den Perikopen

  1. Mt 16, 13-19
    Rev. 2014: Joh 4, 19-26 (s. Reihe V)

    folgt später

  2. 1. Kor 12, 4-11
    Rev. 2014: Eph 4, (1-6)11-15(16) (s. auch Reihe IV)

    folgt später

  3. 1. Mose 11, 1-9
    Rev. 2014: Mt 16, 13-19 (s. Reihe I)

    Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist geläufig. Während bis zu dem Zeitpunkt der Erzählung die Menschen überall die gleiche Sprache sprachen, wird diesem Zustand durch Gott ein Ende gesetzt, nachdem die Menschheit versucht hatte, einen Turm zu bauen, mit dem sie sich einen Namen machen wollen - hoch bis an den Himmel. Die Geschichte ist eine sehr unschlüssige etiologische Erzählung. Zunächst taucht die Frage auf, vor wem sich die Menschen einen Namen machen wollen, wenn sie hier ein gemeinsames Projekt beginnen wollen. Vor Gott? Das scheint nicht begründet, denn darauf wird überhaupt nicht eingegangen, außer in der Reaktion Gottes, der nun auf zutiefst menschliche Weise die Konkurrenz der Menschen fürchtet.
    Die Folge ist, dass Gott die Sprache der Menschen verwirrt und sie so in alle Lande zerstreut, denn nur die mit der gleichen Sprache können auch zusammenleben. Auf diese Weise wird die Herkunft zweier Phänomene erklärt: der Existenz verschiedener Sprachen und der Existenz einer früher existierenden Ruine eines gewaltigen Turmes. Vielleicht hat es diese Ruine auch nie gegeben. In jedem Fall ist die Existenz verschiedener Sprachen die Hauptursache für diese Erzählung.
    Für eine Predigt kann man einen Anknüpfungspunkt dort finden, wo Gottes Reaktion geschildert wird, die sehr menschlich einfach Ausdruck der Angst vor Konkurrenz ist. Unsere Gesellschaft befindet sich jetzt, tausende Jahre später, an einem Punkt, an dem es möglich ist, nahezu alle Funktionen, die einst nur Gott zugesprochen werden konnten, zu erfüllen. Durch die Gentechnologie sind wir so weit gekommen, sogar Leben schaffen zu können! Jetzt wäre die Angst Gottes noch viel begründeter! Aber gerade jetzt wird die Welt immer kleiner, die Menschen verstehen sich über Grenzen hinweg, man ist sich nicht mehr fremd, auch wenn es noch viele Unterschiede gibt; dies ist sicher auch dem stetigen Fortschritt in Forschung und Technik zu verdanken. An diesem Punkt anzusetzen würde bedeuten, dass man den Mensch wiederum über Gott erhöht, denn dem Menschen gelingt selbst die Strafe Gottes zu nivellieren.
    Von daher ist dieser Ansatz also nicht empfehlenswert. Es ist sinnvoll und wichtig, hier den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang näher zu betrachten.
    Der Zusammenhang mit Pfingsten ist durch das Geschehen an der Sprache gegeben. Der Turmbau zu Babel hat die Sprachverwirrung bewirkt, die Ausgießung des Heiligen Geistes die "Einheitssprache" (Apg 2,6). Während die Turmbaugeschichte eine Etiologie ist, ist die Pingstgeschichte mehr eine symbolische Erzählung. Die Tatsache der Existenz einer "Einheitssprache" (eigentlich ist es ja eher so, dass man von einer unsichtbaren Übersetzungsmaschine reden müßte) deutet wohl auf das Wirken des Geistes hin, der nun die Frohe Botschaft allen zugänglich macht. Vom Turmbau zu Babel die Brücke zu Pfingsten zu schlagen, ist nicht leicht, da beide Geschichten einen völlig anderen Schwerpunkt haben.
    Es geht beim Turmbau zu Babel auf jeden Fall um den Größenwahn des Menschen und die Konsequenz. In der Predigt kann man nun im Blick auf Pfingsten vielleicht dies herausstellen: Je mehr wir glauben, uns selbst weiter perfektionieren zu können, um so mehr entfernen wir uns von Gott. Je mehr wir glauben, dass die Werke, die wir leisten, aus unserem eigenen Vermögen heraus entstehen, um so mehr entfernen wir uns von Gott. Es erhebt sich die Frage, ob Gottesferne wirklich so schlimm ist. Für uns ist sie es wohl, aber für manchen Durchschnittsmenschen gewiss nicht. Erst in der Not streckt man wieder die Hände aus nach Gott, von dem man dann doch Hilfe erwartet. Man könnte darauf hinweisen, dass die Wissenschaft nicht in der Lage ist, alle Probleme und Fragen dieser Welt zu lösen. Aus dieser Geschichte einen Machtkampf zwischen Gott und den Menschen abzuleiten, wäre sicherlich falsch. Es geht wohl um Grenzen, die Gott uns setzt, aber diese Grenzen bestehe nicht so sehr in Verboten, als in selbsterwirkten Einschränkungen aufgrund unseres übereilten Handelns, das mögliche Konsequenzen nicht in Betracht zieht. Für die Wissenschaft gibt es nur ein Vorwärts; für die Menschheit muss es auch ein Innehalten geben, das uns Zeit gibt, über die Konsequenzen nachzudenken. Wenn wir innehalten, kommen wir auch Gott ein Stückchen näher.

  4. Eph 4, 11-15 (16)
    Eph 4, 11-16 (W)
    Rev. 2014: Joh 20, 19-23 (Evangeliumslesung)

    Das Bild vom Leib für die christliche Gemeinde ist uns allen vertraut. Dabei ist uns aber vor allem der Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief (Kap. 12) vertraut. Hier kommt hinzu, und das hat vielleicht die Urheber dieser Perikopenordnung zur Auswahl veranlasst, dass der Text im Zusammenhang steht mit einem Hinweis auf die Himmelfahrt Christi (der allerdings nicht mehr Bestandteil dieses Predigttextes ist).
    Es geht in diesem Abschnitt vor allem um die "Einheit des Glaubens" und die "Erkenntnis des Sohnes Gottes", die offenbar noch nicht vollkommen ist (wir müssen erst alle dorthin gelangen - Vers 13).
    In Vers 11 werden verschiedene Ämter der Gemeindeleitung genannt, die der Zurüstung der "Heiligen" dienen. "Heilige" sind hier wohl alle, die sich zu Christus bekennen.
    Der Hinweis darauf, dass wir "unmündig" sind und "uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen" (Vers 15), deutet wieder auf die Notwendigkeit der Lehre hin genauso wie darauf, dass die Einheit und Erkenntnis eben noch nicht vollkommen sind.
    Der Vers 16 ist vielleicht deswegen in Klammern gesetzt, weil er sich mit dem Bild des Leibes befasst und damit evtl. von der zuvor angesprochenen Problematik ablenken kann. Allerdings steht dieser Vers in direktem Zusammenhang mit dem vorherigen Abschnitt und sollte deshalb nicht abgetrennt werden.
    Offensichtlich gibt es falsche Lehrer, die sich mehr oder weniger erfolgreich an der jungen Christengemeinde zu schaffen machen. Für Paulus steht fest: es gibt nur ein Haupt, das ist Christus. Lehrer, in welchem Amt auch immer (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten), dienen diesem Herrn. Das Ziel ihrer Lehre muss sein, alle "zum vollen Maß der Fülle Christi" zu bringen. Jedes andere Ziel entlarvt sie als falsche Lehrer.
    Es lässt sich darüber streiten, was dieses "volle Maß der Fülle Christi" ist. Vielleicht können wir es auch heute nur erahnen.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird eigentlich im Kontext deutlich: In Vers 3 wird zur "Einigkeit im Geist" ermahnt. Hier kommt der Heilige Geist etwas zum Zug. Eine Andeutung könnte auch darin gesehen werden, dass in Vers 14 von dem "Wind einer Lehre" gesprochen wird. Der Wind wird gerne als Bild für den Geist benutzt. Davon abgesehen ist natürlich das Bild vom Leib Christi schon mit Pfingsten als dem "Geburtstag der Kirche" verbunden: das Bild weist auf die Einheit der Christen hin, die durch den Geist Gottes gewirkt wird.
    Die Predigt kann im Blick auf das Pfingstfest auf verschiedene Aspekte eingehen: die Unvollkommenheit unseres Zustandes (die Christenheit ist vielfach zerteilt), oder die Uneinigkeit auch über die Durchführung bestimmter Aufgaben in der Gemeinde. Allzuleicht lassen wir uns führen, anstatt unsere Verantwortung kritischer Prüfung wahrzunehmen; darum kommt es dann oft zu den in Vers 14 geschilderten Problemen. Wichtig ist allemal der Hinweis darauf, dass Christus das Haupt ist, und keiner sonst, und dass dies in der Gemeinde deutlich werden muss.

  5. Joh 4, 19-26
    Rev. 2014: 1. Kor 12, 4-11 (Epistellesung - s. Reihe II)

    Durch die "kleine Perikopenrevision" kommt dieser Text zweimal in der Predigtreihe V vor. Das erste Mal an dieser Stelle, das zweite Mal 11 Wochen später am 10. Sonntag nach Trinitatis. Diese bedauerliche Doppelung kann manchen Prediger in eine missliche Lage bringen. Es empfiehlt sich, für einen der beiden Sonntage einen anderen Text zu wählen, der dem Kern des Tages entspricht.
    Dieser kurze Ausschnitt aus der Erzählung von der Begegnung Jesu mit der samaritischen Frau ist für uns wieder nicht ganz so einfach zu bearbeiten. Da ist zunächst die Aussage, dass das Heil von den Juden kommt, die wir zwar nachvollziehen können, aber zugleich das Gefühl der Minderwertigkeit vermittelt, da auch wir nicht zum jüdischen Volk gehören. Diese Aussage ist vor allem aus dem Kontext des Gespräches zu verstehen. Die samaritische Frau gehört nun mal nicht zum jüdischen Volk, und ihr muss gesagt werden, von wo sie das Heil erwarten kann. Damit beantwortet er ihre indirekte Frage, ob es richtig ist, dass man in Jerusalem anbeten soll. Diese Frage wiederum ist motiviert aus der Tatsache, dass Jesus sich ihr gegenüber als "Prophet" entpuppt. Ein Prophet redet die Wahrheit. Und darum soll ihr Jesus nun sagen, was sie vielleicht schon lange bewegt hat.
    Tröstlich für uns alle und auch für die Samariterin ist, dass es letztlich nicht darauf ankommen wird, wo man Gott anbetet. Tatsächlich kann man dies überall tun - es kommt nur auf die Art und Weise an. Im Geist und in der Wahrheit beten die "wahren Anbeter" Gott an, und dies, weil Gott selbst Geist ist.
    Etwas merkwürdig ist dann die Aussage der Frau, dass sie vom kommenden Messias weiß. Diese Aussage schließt sich nicht direkt an die Rede Jesu an. Es wäre aber möglich, dass sie an die Worte zu Beginn des Verses 23 anknüpft: 'es kommt die Zeit...' Dann wäre die samaritische Frau tatsächlich der Wahrheit sehr nahe gewesen, denn dann hätte sie wohl verstanden, wer der Messias ist: kein Kämpfer und politischer Führer, sondern Gott selbst, der sich den Menschen naht und ihnen die Wahrheit offenbart.
    Zu guter letzt gibt sich Jesus ihr als der Messias zu erkennen. Damit endet auch dieser Dialog im umfassenden Kapitel 4.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt nahe, den Schwerpunkt auf die Verse 23 und 24 zu legen. Gott ist Geist - eine Gestalt der Trinität. Diese Aussage soll Gott nicht auf eine Form festlegen, sondern nur verdeutlichen, wie man Gott nahen kann: er ist eben nicht figürlich und damit an einen Raum gebunden, sondern er ist, wie ein Geist, überall erreichbar.
    Angesichts der Tatsache, dass heutzutage die Aussage: 'Ich gehe nicht in die Kirche. Glauben kann ich auch so, und Gott ist sowieso überall.', wäre es allerdings vielleicht ganz hilfreich, bei der Predigt zu unterscheiden zwischen gemeinsamem Gebet, das ja in der Kirche erfolgt, und individuellem Gebet, das überall erfolgen kann. Auch das gemeinsame Beten, Loben und Danken hat seinen Platz im Leben des Einzelnen, und dies kann natürlich am besten in einem dafür entsprechend hergerichteten Raum wie z.B. der Kirche geschehen. Es ist also schön, dass sich Gott nicht räumlich binden lässt. Dem Menschen aber kann es durchaus helfen, einen Raum gewissermaßen dafür zu reservieren, in dem es leichter fällt, sich Gott zu nähern, weil er entsprechend gestaltet ist.

  6. Apg 2, 22-23.32-33.36-39<#6F6F6FBR>Apg 2, (1-21) 22-23.32-33.36-39 (W)
    Rev. 2014: 4. Mose 11, 11-12.14-17.24-25(26-30)* (Num 11, 11-12.14-17.24-25(26-30))

    Ihr Frauen von Israel, hört diese Worte: Eine solche Anrede wäre zu Petrus Zeiten wohl kaum denkbar gewesen. Wenn wir diesen Text bearbeiten und predigen, sollten wir aber daran denken, dass heute meist mehr Frauen als Männer der Predigt zuhören und außerdem die Frauen natürlich genauso angesprochen sind. Dass damals die Männer die Familienoberhäupter waren und somit bestimmten, was für die Familie gut war (also auch in Glaubensfragen die letzte Entscheidungsgewalt hatten), müssen wir als zeitgeschichtliche Tatsache hinnehmen, dürfen es aber nicht zum Kriterium für heutige Gesellschaftsstrukturen werden lassen.
    Petrus spricht die Menschen in Jerusalem, die zum fröhlichen Pfingstfest versammelt waren, an. Er hält eine Predigt, um genau zu sein, aus der nur kurze Abschnitte für den Predigttext gewählt wurden. Man könnte theologisch debattieren, warum in diesem Text Jesus nicht als Sohn Gottes bezeichnet wird. Ein Zugeständnis an die jüdische Zuhörerschaft? Allerdings wird deutlich gemacht, dass Gott diesen Jesus aus Nazareth, diesen Menschen, zu seiner Rechten gesetzt und so zum Christus gemacht hat, auf den alle eigentlich noch warten.
    Aber offenbar fällt die Predigt auf fruchtbaren Boden. Die Menschen sind angerührt, es "ging ihnen durchs Herz". Sie fragen, was sie tun können, und Petrus empfiehlt sogleich, Busse zu tun und sich taufen zu lassen auf den Namen Jesu Christi (wohlgemerkt, hier wird noch nicht die trinitarische Formel verwendet). Es ist, als ob die Taufe eine Berufung in die Nachfolge Jesu darstellt, auch wenn sie als Mittel zur Sündenvergebung bezeichnet wird. Die letztliche Konsequenz der Taufe ist die Ausgießung des Heiligen Geistes, der nun die Gewissheit des Glaubens vermittelt.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist klar, da ist nichts zu zu sagen. Dieser Zusammenhang legt für die Predigt nahe, die Tatsache zu betonen, dass wir den Geist Gottes empfangen haben durch die Taufe und nicht das Gefühl haben müssen, als wäre er nur einzelnen Personen verfügbar. Der Geist Gottes ist ohnehin nicht verfügbar, er weht, wo er will. Aber er entzieht sich auch nicht seiner Gemeinde. Eher entzieht sich die Gemeinde dem Geist.



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  • Zuletzt überarbeitet: 28 Mai 2015
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