Im 14. Jahrhundert wurde dieser Tag von Papst Urban VI. aus dem Volksbrauchtum
aufgenommen und als kirchlicher Feiertag eingeführt. Die lutherische Kirche
hat dieses Fest beibehalten, es ist aber in Vergessenheit geraten, obgleich seine
Geschichte im Evangelium des Lukas breiten Raum einnimmt: sie erzählt von dem
Besuch Marias bei ihrer Base Elisabeth, der einzigen Frau, der sich Maria nach der
Verkündigung des Engels anvertrauen konnte. In diesem Zusammenhang ist uns
das Magnifikat überliefert (Lk 1, 39-56).
Aus den Worten, die in dieser Begegnung gesprochen wurden, hat sich das "Ave
Maria" gebildet zusammen mit dem Wort des Engels, der Maria die Geburt des
Kindes ankündigte: "Gegrüßest seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den weibern, und gebenedeit ist die
Frucht deines Leibes: Jesus Christus." Seit etwa 1000 Jahren ist dieser sogenannte
"englische Gruß" (von "Engel" abgeleitet) in den Gebetsschatz
der Kirche aufgenommen, aber im protestantischen Raum als "katholisch"
gänzlich verworfen worden, da hier die Gefahr einer möglichen Anbetung
Marias durchaus nicht fernliegt. Allein der dreieinige Gott darf angebetet werden,
und daran hält die protestantische Kirche mit Recht fest. Deswegen ist aber
wohl dieser Tag im protestantischen Raum so zurückgetreten.
Dass darüber das Gedenken an Mariä Heimsuchung verworfen wurde,
ist nicht richtig und bedarf der Überprüfung unserer eigenen Haltung
zur Überlieferung der Heiligen Schrift. Auch ist der englische Gruß kein
Gebet, sondern eine Anrede, und an ihm können wir erkennen, welch einer Verehrung
wir Maria würdigen dürfen; alle diese Wort sind der Heiligen Schrift entnommen. Die liturgische Farbe des Tages der Heimsuchung der Maria
ist Weiß, denn es handelt sich hier um ein Christusfest.
Eingangsvotum:
Der obige Text kann ganz oder teilweise als Eingangsvotum verwendet werden.
Wochenspruch:
Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan. (Gal 4, 4)
Wochenlied:
Mein Seel, o Herr, muss loben dich (EG 308) oder Hoch hebt den Herrn mein Herz (EG 309)
Antiphon:
Selig bist du, die du geglaubt hast! [sprach Elisabeth zu Maria.] Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. (EGb, Lk 1, 45) oder
Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel. Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. (Ps 48, 10.11a)
Halleluja-Vers:
Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. (EGb, Ps 98, 1) oder
Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. (Ps 84, 12)
Bach-Kantaten:
BWV 10 - Meine Seel erhebt den Herren BWV 147 - Herz und Mund und Tat und Leben