Es sei darauf hingewiesen, dass es sich bei diesem Tag um
einen Vorschlag von mir handelt, der (bisher) von keiner der Landeskirchen angenommen
wurde. Ich möchte Sie bitten, den folgenden Text gründlich durchzulesen,
um zu verstehen, warum ich das Gedenken an die Jüngerinnen Jesu für wichtig
und richtig halte.
Das Proprium dieses Tages kann z.B. am Muttertag angewendet werden. Eine andere Möglichkeit wäre der Ostermontag, da es die
Jüngerinnen Jesu waren, die die Auferstehung des Herrn als erste bezeugten. Das hier vorgeschlagene Datum (8. März) ist das
Datum des Weltfrauentages, zu dem auf diese Weise eine Beziehung hergestellt werden kann.
Es ist gewiß an der Zeit, den Jüngerinnen Jesu eine
zentralere Stellung im gottesdienstlichen Handeln der Kirche einzuräumen. Während
sie über fast 2000 Jahre hinweg systematisch zur Seite gedrängt wurden,
hat sich in den letzten Jahren ein Trend zur Anerkennung gezeigt, der mit diesem
Tag unterstützt werden soll.
Frauen haben im Leben Jesu eine zentrale Rolle gespielt. Die Verehrung
Marias ist gewiß richtig, hat aber in der protestantischen Kirche aufgrund
der römischen Praxis oft an Bedeutung verloren. Außerdem stellt ihre
Bedeutung als Gottesmutter sie über alle übrigen Frauen, womit sie nicht
wirklich repräsentativ sein kann.
Wir finden dennoch zahlreiche biblische Berichte, wo Frauen eine
zentrale Rolle spielen. So haben wir z.B. das Zeugnis des Glaubens der syrophoenizischen
(Mk 7, 24-30 Par.) oder der blutflüssigen Frau (Mk 5, 21-34 Par.). Maria und
Marta, die Schwestern des Lazarus, haben offensichtlich eine enge Beziehung zu Jesus
(Joh 11, vor allem Vers 5). Die Frau, die Jesus in Betanien salbt, ist die einzige,
die sein Leiden voraussieht (Mk 14, 3-9). Wichtiger noch ist gewiß die Tatsache,
dass nur die Jüngerinnen Jesu unter dem Kreuz standen (nur Johannes berichtet
auch von dem "Jünger, den Jesus lieb hatte") und so ihre Treue zum
Herrn deutlich kundmachten. Außerdem erkennen wir die Tatsache, dass
die ersten Zeugen von Jesu Auferstehung nicht etwa die Männer, die um Jesus
waren, sind, sondern die Frauen. Und schließlich gibt es eindeutige Zeugnisse
dafür, dass auch erste Gemeinden von Frauen geleitet wurden. (z.B. Lydia
in Apg 16, 40, oder Phöbe in Röm 16, 1)
Dass die biblische Sprachweise meist nur von Brüdern
redet, bedeutet nicht, dass Frauen nicht eingeschlossen wären. Es war
damals üblich, von Brüdern zu reden, damit aber die Frauen einzuschließen
(interessant ist, dass Phoebe als "Diakon", also mit der männlichen
Berufsbezeichnung, betitelt wird). Die 12-Zahl der Jünger in den Apostelreihen
hat symbolischen Charakter (die 12 Apostel stehen für die Stammväter des
neuen Gottesvolkes, da das alte Gottesvolk aus 12 Stämmen bestand), und die
Nichterwähnung der Frauen, die ebenfalls eng um Jesus gelebt haben, ist auf
diese Symbolik zurückzuführen und nicht auf die Annahme, dass Jesus
nur Männer im engsten Kreis um sich gehabt hat.
Während die biblischen Texte, die von diesen Frauen berichten, auch teilweise
in den Perikopenreihen vorkommen, so sind die Schwerpunkte meist anders gelegt,
so dass die Frauen selbst wieder als Randfiguren erscheinen. Im Zusammenhang
dieses Tages soll der Schwerpunkt der Auslegung allerdings auf das Handeln der Frauen
gelegt werden.
Die liturgische Farbe für diesen Tag ist Rot,
die Farbe des Blutes der Märtyrer, denn viele Frauen haben ihr Leben für
Jesus dahingegeben, und des Feuers des Heiligen Geistes.
Eingangsvotum:
Der obige Text kann ganz oder teilweise als Eingangsvotum verwendet werden.
Wochenspruch:
Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. (1. Mose 1, 27)
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jes 66, 13)
Halleluja-Vers:
In der Fastenzeit entfällt das Halleluja!
Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn. (1. Sam 2, 1a)
Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung:
Es wäre sicher sinnvoll, diesen Gottesdienst von Frauen gestalten zu lassen. Dabei sollte es aber bewusst kein Frauengottesdienst
werden, denn es geht hier ja auch darum, das Bewusstsein dafür zu wecken, dass das Evangelium ohne die Frauen gar nicht zu denken wäre.
Anmerkungen:
Wenn der Tag auf einen Sonntag fällt, wird er auf den Vortag oder in die Woche des Sonntags verlegt. Das Proprium dieses Tages
kann auch zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr begangen werden.