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Letzter Sonntag im Kirchenjahr
Die ewige Stadt - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Predigten

Der Letzte Sonntag im Kirchenjahr kann in zweifacher Weise begangen werden: als Ewigkeitssonntag oder als Gedenktag der Entschlafenen (Totensonntag). Eine Kombination beider ist nicht abwegig. Hier wird noch getrennt, weil dies auch vom neuen Evangelischen Gottesdienstbuch so vorgesehen wird.
Als Ewigkeitssonntag schauen die Perikopen dieses Tages in die Zukunft, die jenseits unserer Vorstellungen liegt. Dabei ist wichtig, diese wunderbare Zukunft nicht als rein geistige Realität zu erfahren und zu vermitteln. Denn durch Jesus Christus ist Ewigkeit in unser Leben hineingedrungen und kann so auch in unserer Realität schon greifbar werden.

Zu den Perikopen

  1. Mt 25, 1-13
    Rev. 2014: 2. Petr 3, (3-7)8-13 (s. Reihe VI)

    Jesus nimmt die Pointe des Gleichnisses vorweg, indem er die fünf Jungfrauen, die keinen Ölvorrat mitnehmen, von Anfang an als "töricht" bezeichnet. Man weiß schon, dass sie es sind, die alles falsch machen. Dennoch will man wissen, wie die Geschichte zu Ende geht, denn so ganz weiß man ja noch nicht, warum dieses Handeln töricht ist. Und tatsächlich ergibt sich eine zweite Dummheit aus der ersten: als der Bräutigam angekündigt wird, versuchen sie noch schnell, zu mitternächtlicher Stunde Öl zu kaufen (ein Wunder, dass es ihnen tatsächlich gelungen ist!), und verpassen so natürlich die Ankunft des Bräutigams.
    Die Frage, die sich erhebt, ist, was diese fünf Jungfrauen hätten überhaupt tun können, um ihr Schicksal zum Guten zu wenden. Die einzige Alternative wäre doch gewesen, dass sie dablieben und um Vergebung gebeten hätten dafür, dass sie kein Öl mehr hatten. Aber offensichtlich war die Funktion der Lampen so wichtig, dass dies genauso wenig möglich war wie das Teilen des restlichen Öls.
    Aber das Ganze bleibt etwas merkwürdig. Das liegt wohl daran, dass es auf diese Einleitung gar nicht so sehr ankommt wie auf den Schluss in den Versen 12 und 13, in denen der Hausherr ihnen den Zugang verbietet, ohne jegliche Begründung. Sie kommen schlicht zu spät, sie sind nicht fertig gewesen, sie haben ihre Chance verpasst.

  2. Offb 21, 1-7
    Offb 21, 1-7 (8) (W)
    Rev. 2014: Mk 13, 28-37 (s. auch Reihe V)

    folgt später

  3. Lk 12, 42-48
    Rev. 2014: Mt 25, 1-13 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

    Diese Perikope hat zwei Schwerpunkte: zum Einen die Warnung davor, zu glauben, der Herr komme noch lange nicht, und zum Anderen die interessante Feststellung, dass der, der $quot;den Willen des Herrn nicht kennt$quot;, eine geringere Strafe erhalten wird dafür, dass er den Willen des Herrn nicht tut.
    Der erste Abschnitt bedarf keiner besonderen Ausführung: unsere Gesellschaft ist dermaßen auf Absicherung für die Zukunft ausgerichtet, dass ein Leben mit der Erwartung der unmittelbaren Ankunft des Herrn gar nicht möglich erscheint. Die Strafe, die in dieser Perikope angedroht wird, ist freilich brutal und extrem: der Knecht, der den Herrn nicht erwartet und deswegen auch seinen Willen nicht mehr befolgt, wird in Stücke gehackt werden.
    Während Vorsicht geboten ist bei der Predigt solcher Strafandrohungen, darf man nicht davor zurückschrecken, auf die Schuld hinzuweisen, die wir immer wieder in vielfältiger Weise auf uns laden. Dies wird ohnehin wichtiger sein, denn heutzutage fällt es immer schwerer, sich einer Schuld bewusst zu sein, schon deswegen, weil man immer weniger unmittelbar mit anderen Menschen zu tun hat. Das Schuldigwerden am Nachbarn wäre zwar offensichtlich, aber für viele nicht nachvollziehbar. Die Schuld, die an ganzen Völkern durch das rücksichtslose Vertreten unserer Wirtschaftsinteressen entsteht und an der wir alle indirekt beteiligt sind, ist nur wenigen Menschen im Bewußtsein. Solche Schuld aufzuweisen, kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein. Weil aber Jesus Christus für unsere Schuld gestorben ist, wäre es wichtig, auch diese elementare christliche Botschaft zu verkündigen, aus der heraus dann die Bereitschaft, am schuldhaften Verhalten etwas zu ändern, erwachsen kann.
    Der zweite Abschnitt der Perikope enthält Überraschungen: Zunächst einmal, dass die Strafe für diejenigen, die den Willen des Herrn (=Jesus) nicht kennen, schwächer ausfällt. Dann aber auch die Möglichkeit, dass der, der den Willen des Herrn nicht kennt, dennoch das Richtige tun kann und darum überhaupt nicht bestraft werden wird. Diese Möglichkeit erwächst aus der Formulierung: Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient... Also hätte er auch tun können, was keine Schläge verdient. Spinnt man diesen Gedanken weiter, käme man zu der Schlussfolgerung, dass auch andere Religionen, die das Christentum gar nicht kennen, auch von Gott als Wege zu ihm anerkannt werden; vorausgesetzt, sie erfüllen seinen Willen. Freilich lässt sich dieser Gedanke in einer Predigt zum Ewigkeitssonntag wohl kaum vertiefen.
    Bleibt vom Predigttext eigentlich nur der Abschnitt 42-46(47) übrig, denn davon auszugehen, dass es unter den Gottesdienstbesuchern welche gibt, die $quot;den Willen des Herrn nicht kennen$quot;, wäre kaum angebracht.

  4. Jes 65, 17-19 (20-22) 23-25
    Rev. 2014: Offb 21, 1-7 (Epistellesung - s. Reihe II)

    Eine wunderschöne Vision des Propheten Jesaja, kurz vor dem Ende seines Buches. Die Klammer um die Verse 20-22 ist dadurch gerechtfertigt, dass der Inhalt dieser 3 Verse im 23. Vers nochmals aufgenommen wird, allerdings in wesentlich komprimierterer Form. Es tut dem Verständnis keinen Abbruch, diese Verse wegzulassen, aber es kann nützlich sein, sie beizubehalten.
    Die Vision sieht Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, ein Vorgang, den wir zweifelsfrei noch nicht erlebt haben. $quot;Himmel und Erde$quot; meint immer die Erlebniswelt der Menschen, und darum hätten es schon alle merken müssen, wenn diese Erschaffung einer neuen Welt erfolgt wäre.
    Diese neue Welt kennzeichnet sich besonders durch Gerechtigkeit aus: alle Menschen leben in Frieden miteinander, keiner lebt auf die Kosten anderer, es gibt keinen plötzlichen, frühen Tod mehr, ja sogar wilde Tiere, die sonst einander Feind sind, leben friedlich miteinander. Das schönste an allem mag sein, dass Gott sofort hört, wenn wir ihn bitten, und dass es so nie mehr die Frage geben kann: Warum lässt Gott so etwas zu?
    Der Predigttext verstärkt, was wir empfinden: dass diese Welt ungerecht ist. Man neigt leicht dazu, diesen Zustand Gott in die Schuhe zu schieben, zumal Gott ja immer wieder verspricht, dass sich der, der sich ihm zuwendet, nicht zu sorgen braucht. Die Erfahrung lehrt, dass es keine Rolle spielt, ob man fromm ist oder Atheist; die Ungerechtigkeit dieser Welt nimmt ihren Lauf.
    Nun beginnt eine Gratwanderung: Der Text lässt sich leicht dazu nutzen, aufs Jenseits zu vertrösten. 'Gebt euch zufrieden mit dem, was ihr hier habt, erduldet und erleidet, und freut euch auf das, was Gott für euch bereithält - nur leider nicht in dieser Welt.' Es stimmt zwar, aber das alleine kann es nicht sein. Die Hoffnung auf diese neue Welt, die Gott für uns bereit hält, ändert auch unser Leben. Gott weiß, wonach wir uns sehnen; er hat seine Gründe, warum er unser Sehnen jetzt noch nicht erfüllt, aber wir wissen auch, dass er es tun wird. Und darum begegnen wir der Ungerechtigkeit dieser Welt anders, wir können sie gelassener hinnehmen. Weil das nicht immer und ohne weiteres gelingt, ist Grund für unsere Predigt. Denn die Predigt soll die Tatsache, dass Gott unser Leid kennt und darum damit ein Ende machen wird, deutlich in die Herzen der Hörer einprägen.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang hilft uns weiter: die $quot;Ewige Stadt$quot; ist ja nicht erst ein Gebilde der Zukunft. 'Ewig' bedeutet ohne Ende und ohne Anfang. Gott hat sie schon längst gebaut. Darum ist unsere Hoffnung nicht vage, sondern klar und deutlich, sie schaut nicht nur auf einen Plan, sondern auf die Realität Gottes.

  5. Mk 13, 31-35
    Rev. 2014: Jes 65, 17-19(20-22)23-25 (alttestamentliche Lesung - s. Reihe IV)

    Dieser Text gehört zu der letzten großen, ausführlichen Rede Jesu, die eine Antwort auf die Frage nach dem Ende der Zeiten (der Zerstörung des Tempels, Verse 1-3). Direkt an diese Perikope nun schließt sich die Leidensgeschichte Jesu an.
    Dies ist gewissermaßen Jesu Vermächtnis, dass die Jünger wachsam bleiben. Der Vergleich aber mit dem Hausherrn wirft Probleme auf. Die Wachen wachen ja nicht, um das Kommen des Herrn anzukündigen (das wäre nur ein Nebeneffekt ihrer Wachsamkeit), sondern um zu verhindern, dass in das Haus eingebrochen wird. Nun wird diese wichtigere Funktion flugs zur Nebensache. Dennoch geht es nur um dies eine, denn damit schließt Jesus seine Rede ab: Wachet! Seid wachsam! Lasst diesen so wichtigen Augenblick nicht an euch vorüberziehen.
    Dabei ist auch wichtig, was einleitend in unserer Perikope geasgt wird: Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Hier macht Jesus seine Gottheit ganz sichtbar, er lässt im Grunde keinen Zweifel. Am Ende wird auf dieses Wort aufgebaut, indem betont wird, dass dies sein Wort ist: 'Wachet!'
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird nicht deutlich. Wo entsteht hier eine Verbindung zur himmlischen Stadt? Sicher sehnen wir uns nach diesem Ort, aber das steht hier gar nicht im Mittelpunkt, sondern einzig die Wachsamkeit, die erforderlich ist, um das Kommen des Herrn nicht zu verpassen. Er wird kommen, um sein Volk zum himmlischen Jerusalem heimzuführen - hier können wir eine Verbindung erkennen. Aber das würde wohl zu weit vom Predigttext wegführen.
    Der mahnt uns zur Wachsamkeit. Wie sich diese Wachsamkeit gestalten kann, bleibt aber unklar. Hier ist der Prediger/die Predigerin gefordert. Wachsamkeit ist sicher nicht das ängstliche Ausharren. Das Reich Gottes kann nur dann Wirklichkeit werden, wenn wir uns selbst dafür stark machen. Auch das gehört zur Wachsamkeit dazu. Wachsamkeit darf uns nicht in einer Richtung festlegen, denn wo er her kommt und wie er kommt, das wissen wir ja letztlich auch nicht. Es sind alles vage Vorstellungen, die wir haben. Und da mag man sich fragen, ob er nicht vielleicht doch schon da ist, dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind?

  6. 2. Petr 3, (3-7) 8-13
    Rev. 2014: Ps 126

    Ich halte es wieder für angebracht, trotz ihrer mangelnden Popularität die Verse 3-7 mit in die Predigt einzuschließen, denn mehr denn je brauchen wir heute das mahnende Wort, das in diesen Versen erklingt. Auch wenn die geschichtlichen bezüge für uns längst nicht mehr nachvollziehbar sind (die Sintflut ereignete sich vermutlich nur in einem kleineren Bereich und überflutete mit Sicherheit nicht die ganze Welt), so ist doch die Intention des Textes klar und durchaus vertretbar.
    Man könnte mit diesem Text schöne Fronten aufbauen, denn offensichtlich lässt er sich gut auf unsere gegenwärtige Situation beziehen. Als Christen sind wir Wartende. Wir erwarten das Kommen des Herrn. Wenn wir aber heute auf Jesus Christus hinweisen als den, der kommen wird, nicht nur als niedliches Kindlein in der Krippe, sondern auch als der Richter dieser Welt, dann werden wir meist nur müde belächelt. Wer so etwas glaubt, ist doch selbst Schuld, dass er sich das Leben schwer macht. Die individuelle Freiheit will sich niemand nehmen lassen, schon gar nicht aufgrund vager Drohungen, die sich seit 2000 Jahren nicht bewahrheitet haben. Viele Menschen stimmen gerne in die modern gewordene Kritik mit ein, die Kirche habe die Lehre von Hölle und Fegefeuer nur darum entwickelt, um die Menschen besser kontrollieren zu können.
    Tatsächlich wurde dieser Teil christlicher Lehre auch so genutzt. Die Frage ist, ob es richtig ist, dann auf ihn zu verzichten. Die Antwort, die unser Predigttext gibt, ist klar: Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.
    Nun kann man auf verschiedene Art und Weise warten. Manche sagen, das Warten ist dann am einfachsten, wenn man seinen alltäglichen Aufgaben nachgeht. Andere legen die Hände in den Schoß, denn sie wollen die Ankunft ja nicht verpassen. Und wieder andere gehen dem Kommenden entgegen, obwohl sie gar nicht genau wissen, aus welcher Richtung er oder sie kommen wird. Es gibt sicher noch andere Formen des Wartens, oder Vermischungen dieser drei "Grundformen".
    Der Predigttext macht uns deutlich, dass wir unser Leben in der ständigen Erwartung des Kommens Christi führen und gestalten müssen. Im Kommen Jesu ist auch das Gericht inbegriffen, weswegen wir uns sicher bemühen werden, seinen Willen zu erfüllen. Nur dass es eben nicht so sein kann, dass, wenn wir alles richtig gemacht haben, der Freispruch automatisch folgt - es muss jeder, der dieses Urteil erhofft, zu der Erkenntnis gelangt sein, dass er dazu nur durch die Gnade Gottes kommen kann.
    Aber gerade darum muss unser Warten ein aktives Warten sein. Wir erkennen die Unvollkommenheit unserer Welt und sehnen uns nach einer vollkommenen Welt. Dieses Sehnen ist da und muss vielleicht nur artikuliert werden. Es wird deutlich in der Klage über erlittene Not, nicht nur eigene, sondern auch die anderer Menschen. Wir erkennen die Ungerechtigkeit dieser Welt und sehen uns nach der gerechten.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist offensichtlich, es geht um die ewige Stadt, nach der wir uns sehnen und auf die hin unser Predigttext zielt, auch wenn nicht explizit von ihr die Rede ist. Die ewige Stadt ist hier die neue Erde und der neue Himmel - eine Welt der Gemeinschaft mit Gott, so wie sie auch in der Offenbarung, der Epistellesung für diesen Sonntag, beschrieben ist. Es ist eine Welt der Gerechtigkeit.
    Die Predigt kann zunächst die Unvollkommenheit unserer Welt vor Augen führen und die Sehnsucht, die jede(r) hegt, diese Unvollkommenheit zurückzulassen. Die überwiegend älteren Besucher werden sich schon intensiver mit dem Tod beschäftigt haben - ihnen gilt es, die Verheißung von der Gnade Gottes ins Herz zu legen.



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Zuletzt überarbeitet: 20 November 2016
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