das Kirchenjahr

Christian Heinrich Zeller

* 29.3.1774, † 18.5.1860

Lebenslauf

Christian Heinrich Zeller wurde 1779 auf dem Schlossgut Hohentringen bei Tübingen geboren. Sein Vater war gelernter Jurist, hatte sich aber der Landwirtschaft zugewandt. Auf Wunsch seines Vaters studierte Christian Heinrich bis 1800 Jura und war dann als Rechtsanwalt in Ludwigsburg, wo seine Eltern seit 1785 mit ihrer großen Kinderschar lebten, tätig. Weil er aber die Parteien lieber zu Vergleichen überedete als lange Prozesse zu führen, sah auch sein Vater ein, dass er nicht zum Advokaten taugte.
Seine Leidenschaft galt der Erziehung der Jugend. 1801 erhielt er eine erste Stelle als Hofmeister und Erzieher in Augsburg. Als er erkannte, dass seine Bemühungen, den Kindern eine gute Ausbildung zukommen zu lassen, durch die Eltern immer wieder geschmälert wurden, wandte er sich in die Schweiz, um bei Johann Heinrich Pestalozzi dessen neue Erziehungsmethoden kennenzulernen.
1803 wurde Zeller an eine kleine, neue Schule in St. Gallen berufen. Von dort aus konnte er Kontakt zu Pestalozzi halten und sich dessen Ideen und Methodik aneignen. 1809 wandte er sich nach Zofingen als Leiter des dortigen Schulwesens. Hier rief er die Lehrerschaft allwöchentlich in seine Wohnung und lehrte sie die Grundlagen der Pädagogik Pestalozzis. Auch die Mütter lehrte er in wöchentlichen Zusammenkünften, was eine gute und kindgerechte Erziehung sei.
Eine Lesepredigt des Bischofs Loskiel (Brüdergemeine) führte ihn 1818 zum Glauben.
Zusammen mit Friedrich Spittler, der sich vor allem um die Missionsarbeit mühte, entwickelte er den Plan, eine Anstalt zur Ausbildung christlicher Lehrer zu schaffen, und setzte diesen Plan ab 1819 in die Tat um. Ein altes Ordenshaus in Beuggen (Baden) sollte die Anstalt beherbergen, doch war viel Arbeit nötig, bevor das Haus für den Zweck genutzt werden konnte. Schon Ostern 1820 war es so weit, dass Zeller dort mit seiner Familie einziehen konnte, und bald wurde die Arbeit aufgenommen, wobei die Frau Zellers eine wesentliche Rolle als Hausmutter übernahm. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod bildete Zeller 250 Lehrer aus und gab 600 Kindern ein Zuhause. Er starb am 18. Mai 1860 in Beuggen.
Zeller konnte dank zahlreicher Spenden die Vision Pestalozzis, dessen eigene Unternehmungen am Geldmangel scheiterten, weitgehend verwirklichen. Unter seinem Einfluss entstanden 22 weitere Rettungshäuser in Württemberg, von denenen mehrere heute noch bestehen.
Quellen:
Deutsche Biographie
Wikipedia
Jörg Erb, Die Wolke der Zeugen, Band 1, 2. Auflage 1952, S. 433ff
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