Der letzte Sonntag nach Epiphanias hat eine besondere Bedeutung, die sich auch im Thema dieses Sonntages widerspiegelt. Es stellt die Verbindung her mit Traditionen anderer Kirchen, die am Epiphaniasfest die Verklärung Jesu feierten. In der Verklärung wird Jesus, während er noch auf Erden weilt, für eine kurze Zeit den Jüngern gegenüber in seiner Herrlichkeit als der Sohn Gottes dargestellt. Es ist dies das einzige Mal, wo die Jünger die Nähe des Himmels durch Jesus physisch erfahren, und es begeistert sie so, dass sie darin bleiben wollen. Die Erzählung endet jedoch damit, dass es zurück in diese Welt geht, in der die Jünger zwar nun hoffen können, aber doch auch wieder der Not und dem Elend dieser Welt ausgesetzt sind. So stellt der letzte Sonntag nach Epiphanias die Verbindung her zwischen der Herrlichkeit des Sohnes Gottes und seinem Tod, durch den die Erlösung der Menschheit erwirkt wird, indem er selbst eben nicht von seiner Gottessohnschaft Gebrauch macht, sondern sich als Mensch opfert.
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II - Offb 1, 9-18Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der
Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus.
10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte
hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune,
11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende
es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach
Philadelphia und nach Laodizea.
12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir
redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter
13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn
gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.
14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle,
wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme
15 und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht,
und seine Stimme wie großes Wasserrauschen;
16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem
Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.
17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und
er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von
Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
Zur Auswahl: Stücke aus der
Offenbarung auszulegen, ist ein recht schwieriges Unterfangen. Zu leicht
verliert man sich in den zahlreichen Details der Visionen, während doch
die Offenbarung eigentlich als einheitliche Komposition – vom ersten bis zum
letzten Wort – angesehen werden müsste.
Der vorliegende Abschnitt
wurde sicherlich deswegen in die Perikopenreihe aufgenommen, weil hier eine
Vision Jesu beschrieben wird, wie er im Himmel thront. Diese Vision passt zum
Thema der Verklärung, auch wenn es sich nicht um eine Verklärung
handelt. Denn die Verklärung selbst erlaubte den Jüngern ja, Jesus in
seiner Herrlichkeit als der Sohn Gottes zu schauen.
Zum
Predigttext: Man kann im Text zwei Abschnitte erkennen: die
Vorstellung des Propheten selbst (9–11), in der er auch erklärt, warum er
dieses Buch (die Offenbarung) geschrieben hat, und dann die erste Vision
(12–18). Sicherlich kann man den ersten Abschnitt getrost vernachlässigen.
Es könnte aber auch interessant sein, gerade dieser Person des Johannes
nachzugehen und zu fragen, was für eine Geschichte er selbst durchgemacht
hat und ob diese Erfahrungen evtl. selbst Motivation für die Verfassung
der Offenbarung sind. Dabei würde dann allerdings pauschal in Frage
gestellt, ob diese Visionen nun wirklich von Gott her kommen.
Nicht ganz
unbedeutend, allerdings wohl mehr für die exegetische Arbeit und für
die Gesamtheit der Offenbarung, ist die Aufzählung der sieben Gemeinden.
Was hebt diese Gemeinden hervor, was macht sie zu etwas Besonderem, warum wird
gerade an sie diese Offenbarung gerichtet?
Vom
kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang her ist der Schwerpunkt
wohl auf die Vision selbst zu legen. Die Gestalt wird sehr detailliert
beschrieben, viele Symbole werden genannt (die Zahl 7, das zweischneidige
Schwert, weißes Haar, goldener Gürtel...), die, wie schon gesagt,
leicht den Blick vom Wesentlichen ablenken. Noch einmal taucht in der Vision
der Prophet selbst auf, der sich auf den Boden wirft, wohl weil ihm mindestens
schwindelig wurde angesichts dieses Anblicks. Aber dann spricht ihn der, der
einem Menschensohn gleicht, an und macht ihm Mut: Fürchte dich nicht!
Wie dieser sich dann selbst beschreibt, mag das Wesentliche dieses Textes sein:
„Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.” Diese drei Eigenschaften
nebeneinander sagen über ihn aus, dass er der Schöpfer und der
Richter ist, der offenbar nicht nur an diesen Eckpunkten in Aktion tritt,
sondern auch „zwischendurch”, weil er der Lebendige ist, der nicht schläft
noch schlummert. Mit dem letzten Satz identifiziert sich der Gesehene indirekt
als Jesus: „Ich war tot.” Nun hat er gesiegt, er ist lebendig, und hat die
Schlüssel des Todes und der Hölle in Händen.
Diese Vision
ist ganz eindeutig keine Schreckensvision. Jesus (nun davon ausgehend, dass der
Gesehene Jesus ist) will Johannes nicht erschrecken, sondern ihm Mut machen.
Darum gibt er sich ja zu erkennen. Sonst hätte die schönste und
wunderbarste Vision immer auch mit Zweifel zu tun.
Zur
Predigt: Ich könnte mir vorstellen, dass eine Predigt zu diesem
Text versucht, das Wunderbare der Vision zu schildern. Vielleicht nicht mit so
vielen Symbolen, sondern einfach nur so, dass man die Möglichkeit hat,
staunend dazustehen und voll Dankbarkeit und Freude Gott zu loben. Es bietet
sich an, die Predigt mit Hilfe von Liedstrophen zu gliedern. Es sollte in
dieser Predigt kein moralischer Zeigefinger erhoben werden. Die Gemeinde soll
sich wohlfühlen, ihr soll die Furcht genommen werden, denn Jesus ist der
Lebendige, der um unseretwillen den Tod überwunden hat.
Der Morgenstern ist aufgedrungen (EG 69)
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
Herzlich tut mich erfreuen (EG 148)
O Christe, Morgensterne (EG 158)
Wie herrlich gibst du, Herr, dich zu erkennen (EG 271, 1.6-8)
Christus, das Licht der Welt (EG 410)
Gott's Wort, du bist der Morgenstern (EG 442, 4-9)