Der Name des Sonntags Jubilate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon
ab: Jubilate Deo, omnis terra!. (Ps 66, 1; deutsch s. Antiphon).
Am Sonntag Jubilate wird das Evangelium von Jesus als dem Weinstock
gelesen. Das Thema "Die neue Schöpfung" wird jedoch nicht ohne weiteres
in diesem Evangelium deutlich, sondern in den anderen Lesungen, worin auf die Veränderungen
hingewiesen wird, die durch Jesu Auferstehung bewirkt wurden und werden. Interessant
ist die Wahl der priesterlichen Schöpfungsgeschichte als alttestamentlicher
Lesung: hier wird das, was das Volk Israel schon lange erkannt hat, aufgegriffen:
Gott hat die Schöpfung gut geschaffen, ohne Fehl und Tadel. Das zahlreiche Elend
ist auf das Versagen des Menschen zurückzuführen, den Willen Gottes auszuführen.
Durch Christus sind wir nun dazu befähigt.
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II - Joh 15, 1-8Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. 2Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. 7Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Das Bild vom Weinstock und den Reben ist leicht nachvollziehbar, auch
wenn es nicht überall Weinberge gibt. Es wird ja schon in dem Text selbst gut
erklärt. Allerdings fällt es manchem sicher schwer, in der Predigt
die Konsequenz der Worte Jesu nachzuvollziehen. Immerhin wird ausdrücklich auch, und das
gleich zu Beginn, davon gesprochen, dass der Weinstock gereinigt wird, d.h. Reben,
die keine Frucht bringen, entfernt werden. Dieser Aspekt wird zum Ende
des Predigttextes erneut aufgenommen und mit dem Verbrennen im Feuer noch verstärkt.
Nun wäre es falsch,
diesen Text dahin zu verkürzen, dass man den Eindruck gewinnt, jede Rebe bleibe
am Weinstock, egal, ob sie Ertrag bringt oder nicht, also das Evangelium
gewissermaßen nochmal als Filter dieses Evangeliums angewandt wird. Denn dadurch
würden die Worte Jesu relativiert, ja, das biblische Zeugnis würde
unglaubwürdig. Es muss also vielmehr deutlich
gemacht werden, dass es eine Reinigung gibt. Das schuldet der Prediger oder die
Predigerin auch denen, die sich mühen und das Gefühl
haben, von Gott nicht ausreichend gewürdigt zu werden, weil sie in ihrem Leben
weniger Erfolg haben als diejenigen, die sich von Christus
abgewandt haben. Denn so sehr wir durch die Gnade, derer wir durch Christus teilhaftig
geworden sind, auch Frieden für unsere Seele haben können,
so oft geschieht es, dass wir dem Schema von Ursache und Wirkung verhaftet bleiben.
Diese Sichtweise gilt es zu durchbrechen. Jesus selbst sagt, dass Gott es über
Gute und Böse gleichermaßen regnen lässt. Die Seligpreisungen zeigen,
dass man nicht damit rechnen kann, dass das eigene Verhalten die Konsequenzen hat,
die man sich wünscht. Nicht Werke sind es, die uns retten, sondern
allein die Gnade Christi. Diese muss aber angenommen werden. Das meint der Predigttext,
wenn er davon redet, in Christus zu bleiben, also alle Kraft
aus Christus zu schöpfen. Er ist uns ja auch im Leiden ein Vorbild.
Erneut stoßen wir aber vor ein Problem, wenn wir auf Vers 7 blicken. Wie oft
geschah trotz aufrichtigen Gebetes nichts? Wie oft trat vielmehr
das Gegenteil ein? Am deutlichsten erleben wir dies wohl, wenn wir für einen
lieben Menschen um Heilung bitten und statt dessen den Tod erleben.
Ist es genug, darauf zu verweisen, dass Gott oft Gebete nicht in der Weise erhört,
wie wir es uns wünschen, sondern er seine eigenen Wege geht?
Sicher müsste man dann auch folgern können, dass es eigentlich gar keiner
Gebete bedarf, weil sowieso nur das geschieht, was Gott will.
Das Gebet und seine Erhörung ist ein sehr schwieriges Thema, weswegen ich
vorschlage, den Schwerpunkt auf unser Verhältnis zu Christus
zu legen. Denn daraus ergibt sich alles andere und darf als Verheißung
verstanden werden, deren ERfüllung der erlebt, der in Christus bleibt.
Was das bedeutet (in Christus bleiben), das sollte in der Predigt eingehend
verdeutlicht werden. Denn es ist weit mehr als nur getauft zu sein.
Es ist eine aktive und bewusste Lebenshaltung, die unseren Blick auf unsere
Umwelt und unsere Mitmenschen nachhaltig verändert.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich allerdings aus der
Verbindung zur Taufe, in der das Leben der neuen Schöpfung beginnt. Indem wir
durch die Taufe Jesu Tod und Auferstehung gewissermaßen anziehen, sind wir
auch neue Geschöpfe, neu- bzw. wiedergeboren (wobei ich diesen Begriff
wegen der Nähe zur hindusitischen Terminologie ungerne verwende). Das Bild
vom Weinstock und den Reben beschreibt das Leben der neuen Schöpfung
bzw. der neu Geschaffenen. Insofern fügt sich der Text ohne Probleme in das
Thema des Sonntags ein.
Auf, auf, mein Herz, mit Freuden (EG 112)
Lass mich dein sein und bleiben (EG 157)
Jubilate Deo (EG 181.7)
Wie lieblich schön, Herr Zebaoth (EG 282)
"Eins ist Not!" Ach Herr, dies Eine (EG 386)
Bei dir, Jesu, will ich bleiben (EG 406)
Wir danken dir, unser Gott, dass du unsere Kraft und unsere Freude bist. Wir danken dir, dass du uns zu Reben an deinem
Weinstock gemacht hast, und bitten dich: zeige uns, welche Frucht die rechte ist, damit wir unsere Kräfte nicht umsonst verbrauchen.
Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Du willst, dass wir Frucht bringen, indem wir Frieden suchen dort, wo Krieg Elend und Tod gebracht hat und noch bringt. Darum bitten
wir dich: verwandle die Herzen all derer, die glauben, mit Gewalt die Probleme in unserer Welt lösen zu können. Mache sie zu friedfertigen
Menschen. Hilf uns, dafür einzutreten, dass keine neue Waffen entwickelt werden. Lass die Regierenden erkennen, dass sie die einzigen
sind, die Krieg wollen und fördern, damit sie endlich aufhören. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Du willst, dass wir Frucht bringen, indem wir einander lieben und vergeben, wo Schuld scheinbar unüberwindbare Mauern hat entstehen
lassen. Darum bitten wir dich: lass uns erkennen, wie sehr unsere Mitmenschen sich nach Liebe sehnen. Zeige uns, wie wir diese Sehnsucht
stillen können, indem wir von deiner Liebe zeugen und selbst aus deiner Liebe heraus leben. Mache uns bereit, zu vergeben, und vergib uns,
wo wir schuldig werden an unseren Mitmenschen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Du willst, dass wir Frucht bringen, indem wir für Gerechtigkeit in dieser Welt eintreten. Darum bitten wir dich: lass nicht zu, dass Geld unser
Leben bestimmt. Verwandle die Herzen derer, die in der Wirtschaft Verantwortung tragen, und gib, dass sie nicht mehr nur auf Profit aus sind,
sondern das Wohl derer suchen, die für sie arbeiten. Dabei denken wir vor allem an die, die keinen Schutz vor Ausbeutung und Sklaverei
genießen. Lass nicht zu, dass unsere Firmen diese Situation ausnutzen, um uns ihre Produkte billiger verkaufen zu können. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Herr, wir können Frucht bringen, weil du uns die Kraft dazu gibst. Dafür sei dir Lob und Preis von nun an bis in Ewigkeit. Amen