Der 9. Sonntag nach Trinitatis wird durch das Evangelium von den anvertrauten Zentnern bestimmt. Gott hat uns etwas gegeben, das zu vermehren durch unseren eigenen Einsatz möglich ist. Wir werden daran gemessen werden, wie wir diese "Gaben" fruchtbar einsetzen. Der Sonntag soll uns auch daran erinnern, dass was wir sind und haben, wir unserem himmlischen Vater zu verdanken haben.
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II - Jer 1, 4-10Und des HERRN Wort geschah zu mir: 5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: «Ich bin zu jung», sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. 9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.
Diese Berufungserzählung des Propheten Jeremia unterscheidet
sich von der des Jesaja vor allem durch das Fehlen der himmlischen Vision. Zwar
sieht Jeremia offenbar den Herrn, aber der "Hofstaat" wird an keiner Stelle
beschrieben. Nach dieser Erzählung geht es dann gleich los mit dem Wirken des
Jeremia.
An dieser Berufung fallen verschiedene Dinge auf: Gott macht deutlich, dass er Jeremia
"im Mutterleibe bereitete", was nicht heißt, dass er ihn gezeugt,
sondern aus den kleinen Zellen den Menschen geschaffen hat. Diese Stelle mag schon
ein Argument in der Diskussion um die Abtreibung liefern. Wichtiger ist wohl der
Aspekt, dass hier deutlich gemacht wird, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes
ist und dessen volle Aufmerksamkeit hat.
Schon im Mutterleibe hat Gott offenbar den Jeremia auserwählt, dass er Prophet
werden sollte, hat ihm also den Beruf (->Berufung) offenbar in die Wiege gelegt.
Jeremia wehrt sich dagegen, er hält sich für zu jung. Tatsächlich
stand zu erwarten, dass er nicht ernst genommen würde aufgrund seines geringen
Alters. Damals galt hohes Alter noch als Garantie für großes Wissen aufgrund
des umfangreichen Erfahrungsschatzes.
Gott lässt dieses Argument nicht gelten, denn er selbst sendet ihn ja, und
die Autorität Gottes kann letztlich keiner anzweifeln. Wie bei Jesaja wird
auch hier der Mund des Berufenen berührt, aber nun nicht mit Kohle. Offenbar
soll damit die Berufung zum Propheten tatsächlich erfolgen.
Die Verantwortung des Jeremia ist groß. Nicht nur Israel, sondern allen Völkern
und Königreichen soll er das Wort Gottes sagen. Dass es Jeremia da etwas mulmig
wird, ist gut zu verstehen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist deutlich: Gott legt
Jeremia seinen Beruf in die Wiege, es ist die Gabe, die Gott ihm anvertraut hat
und mit der er nun umzugehen lernen muss. Die Aufgabe ist überwältigend,
er hat noch nicht den Mut dazu, aber er fügt sich letztlich.
Die Predigt sollte deutlich hervorheben, dass Gott jedem Menschen Gaben mitgibt,
die er entfalten kann und soll. Angesichts unserer Konsumgesellschaft werden einem
oft die eigenen Gaben gar nicht mehr bewusst. Diese Gaben können vielfältig
sein; letztlich wird Gott bei der Entfaltung dieser Gaben mithelfen, niemand wird
damit alleingelassen.
Es ist durchaus auch angemessen, darauf einzugehen, dass Gott jedes Menschenleben
schon vor der Geburt kennt und bis zum Tod begleitet. Diese Tatsache ist heute vielen
Menschen nicht mehr bewusst.
O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)
Nicht wir haben dich erwählet (EG 256, 2)
Fürchte dich nicht (EG 612, NB-EG 595)
Unser Gott, wir suchen uns selbst - und fragen nach uns... Lass uns
zuerst nach dir fragen: Durch deine Weisheit mach uns klug, durch deine Stärke
gib uns Kraft, und gib uns teil an dem Reichtum deiner Barmherzigkeit, deines
Rechts und deiner Gerechtigkeit. Lass uns erkennen, was vor dir und deiner
Ewigkeit Bestand hat. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Lass uns zuerst nach dir fragen, dass unser Leben durch dich Gestalt
gewinne - getragen von deiner Liebe. Lass uns zuerst nach dir fragen,
dass wir frei werden von der Angst, unser Leben zu verpassen. Bewahre
uns vor Eigenruhm - und gib uns die Freiheit, dich zu rühmen. Wir rufen
zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Lass die Welt erkennen, dass du, Gott, der Herr bist - und dass alle
Zukunft dir gehört. Lass sie es erkennen auch durch unser Leben und
Handeln. Gib uns Weisheit und Stärke und Reichtum zu helfen, wo Not
ist - und Verantwortung auf uns zu nehmen - für uns und andere Menschen.
Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Lass die vielen Leiden enden in unserer Welt. Gib den Hungernden Brot
und den Friedlosen Frieden. Schaffe den Entrechteten und Verfolgten Hilfe.
Befreie die Süchtigen aus ihren Zwängen. Führe die Verzweifelten zur
Hoffnung. Tröste die Traurigen. Heile die Kranken. Und lass die Gestorbenen
geborgen sein in dir. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Tritt für uns ein, erbarmender Gott, wenn wir scheitern. Richte uns auf,
wenn wir verzagt sind. Gib uns den Frieden, der allein von dir kommen kann,
und leite uns auf den Weg der Wahrheit. Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen