Der 6. Sonntag nach Trinitatis konzentriert sich auf die Taufe als dem Beginn eines neuen Lebens.
Deshalb wird er auch Taufsonntag genannt. Im Zusammenhang mit dem Beginn eines neuen Lebens wird auch der Gedanke eines
„lebenslangen Bundes” aufgenommen.
Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als „Sakramentssonntage” bezeichnet werden, denn an
ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in seiner Bedeutung für das Leben des Christen gedacht.
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II - 5. Mose 7, 6-12[Denn] du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich
hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern,
die auf Erden sind. 7 Nicht hat euch der HERR angenommen
und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker
- denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, 8 sondern
weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern
geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und
hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs
von Ägypten. 9 So sollst du nun wissen, dass
der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit
bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten,
10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie
um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.
11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute
gebiete, dass du danach tust.
12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach
tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie
er deinen Vätern geschworen hat.
Dieser Text gilt dem Volk Israel und ist die positive Seite einer
Warnung vor „Götzendienst”. Die christliche Gemeinde hat sich diesen
Text schnell zu Eigen gemacht, zumal darin das Volk Israel als das kleinste Volk
(V. 7) bezeichnet wird, und in dieser Position befanden sich die Christen ja in
den ersten Jahrhunderten noch. Diesen Schuh kann sich die christliche Kirche in
Deutschland heute nicht mehr anziehen. Sie dominiert das Bild Deutschlands nicht
nur durch ihre Kirchenbauten. Davon abgesehen, ist es immer kritisch, einen Text
seinem ursprünglichen Adressaten zu entreißen.
Aber für wen könnte der Text heute gelten? Gewiß auch heute noch
dem Volk Israel. Es ist aber wohl doch unsere Aufgabe, diesen Text auch für
uns Christen fruchtbar zu machen. Man könnte also an Minderheiten denken (zu
denen wir als Christen eben nicht mehr gehören), die aber z.B. durch soziale
Probleme entstanden sind. Für diese Gruppen könnte dieser Text wieder
ein Wort der Verheißung werden. Dann muss die Gefahr, der sich dieser
Text zuwendet, ebenfalls ins Auge gefaßt werden: der Götzendienst. Vers
9 sagt es deutlich, dass es für Israel nur einen Gott gibt, der sich durch
Barmherzigkeit auszeichnet. Es ist Liebe, die Gott zur Erwählung dieses kleinen
Haufens veranlasst hat (Vers 8). Das ist schon bemerkenswert; die Drohung in
Vers 10 scheint weniger an Israel gerichtet, als an all die anderen, die eben nicht
dem Wort Gottes gehorchen bzw. die Gott hassen.
Natürlich erwartet Gott eine Gegenleistung,d.h. Gehorsam, aber wohl kaum für
seine Liebe. Die letzten Verse wirken fast wie eine Feststellung: weil ihr meine
Gebote befolgt, werde ich den Bund halten. Gottes Zuwendung ist in dem Sinne also
nicht konditional. Dieser positive Ton sollte in der Predigt spürbar werden.
Es bleibt die Frage, wie dieser Text in die Thematik des Sonntags
eingebunden werden kann. Das Wort „Taufe” taucht hier genauso wenig auf
wie das Wort „Wasser”. Einzig „Erwählung” (Vers 7) und
„Bund” (Vers 12) klingen an die Taufe an, in der Gott ebenfalls sich dem
Menschen zuwendet und mit ihm einen Bund eingeht. Freilich kann man hier (nicht
in der Predigt) einen Exkurs über die theologische Bedeutung und Wichtigkeit
der Taufe einlegen. Die übliche Frage: was geschieht mit den ungetauften Kindern,
die zu früh gestorben sind, als dass sie hätten getauft werden können?
steht da ganz im Vordergrund. Man sollte also Bund und Erwählung nicht kausal
mit der Taufe in Verbindung bringen. Die Taufe ist keine Grundbedingung für
die Zuwendung Gottes. Wohl aber verdeutlicht die Taufe diese Zuwendung in bildhafter
Weise und kann daher auch in diesem Text erkannt werden.
Lob Gott getrost mit Singen (EG 243)
Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293)
Wohl denen, die da wandeln (EG 295)
Danket Gott, denn er ist gut (EG 301)
Wir strecken uns nach dir (EG 625)