das Kirchenjahr

2. Sonntag nach Trinitatis

Die Einladung

Predigtanregung

Der 2. Sonntag nach Trinitatis hat „die Einladung” zum Thema. Es leitet sich ab vom Evangelium vom großen Abendmahl - der Einladung, die von den Wohlhabenden abgelehnt wird, woraufhin die Einladung an die Außenseiter und Ausgestoßenen ergeht, die sie freudig annehmen. Es geht an diesem Sonntag wohl mehr darum, darüber nachzudenken, wo Gottes Einladung an uns ergeht und wie wir darauf antworten. Die übrigen Perikopen nehmen das Thema in vielfältiger Weise auf.

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II - Mt 11, 25-30

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. 26Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
28Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Der sogenannte „Heilandsruf” gehört sicher zu den vertrauteren Texten der Bibel. So schön die Einladung auch ist und so wohltuend die Zusage, Ruhe für die Seele zu finden, auch ist, so ist der Weg dahin alles andere als leicht. Denn es geht darum, ein Joch zu tragen - eine Last, die nicht weiter definiert ist außer dadurch, dass dies das Joch Jesu ist. Und wenn wir auf sein Leben schauen, müssen wir erkennen und annehmen, dass diese Last überaus schwer ist, denn sie ist nichts weniger als die Sünde der Welt. Kann das gemeint sein?
Die Aufforderung, von Jesus zu lernen, führt in eine etwas andere Richtung: die Sanftmut und Demut Jesu machen selbst große Lasten tragbar.
Es geht in dem Heilandsruf zunächst darum, zu erkennen und zuzugeben, dass wir selbst schuldig werden und sind (Kommt her zu mir, d.h. kehrt um). Niemand ist frei von Sünde, das hat Jesus sehr drastisch in den Antithesen (Mt 5) dargestellt. Die Neigung, sich selbst als gut und mitunter auch als besser als andere darzustellen, widerspricht dieser Erkenntnis. Darum werden wir hier aufgefordert, uns zu unseren Sünden zu stellen und sie zu bekennen, das Joch also auf uns zu nehmen. Wenn dazu die Liebe Gottes, die in Jesus offenbar wurde, tritt, dann wird das Joch in der Tat leicht zu tragen sein, auch wenn wir, je ehrlicher wir zu uns selbst sind, das Joch immer größer wird. Aber bei Jesus verliert das Joch gleichzeitig sein Gewicht, weil wir wissen, dass er es mit uns, ja, für uns trägt.
Die Predigt wird versuchen, diesen Weg nachzugehen, der aus mehreren Schritten besteht:

  1. Die Erkenntnis der eigenen Sünde
  2. Das Bekenntnis der eigenen Sünde
  3. Die Hinwendung zu Jesus als dem, der alle Sünde auf sich nimmt

Am Ende dieses Weges steht die Gemeinschaft mit Jesus, die versprochene Ruhe für die Seele.
Das vorangestellt Gebet Jesu gehört zwar zum Text, scheint aber ganz neue Dimensionen zu eröffnen. Da werden die Weisen und Klugen den Unmündigen gegenübergestellt, was die Frage aufwirft, zu welchen man sich selbst (bzw. die Predigthörer) zuordnen möchte. Niemand möchte als unmündig gelten, aber genausowenig möchte man sich selbst als klug und weise (und damit als Angeber) hinstellen. Allerdings kann dieser einleitende Satz helfen, den Weg zur Selbsterkenntnis zu ebnen. Es geht ja darum, dass wir Gottes Handeln nicht mit unserem Verstand nachvollziehen können. Gott handelt aus Liebe, und die ist nun mal unvernünftig. Um das zu erkennen, bedarf es der Unmündigkeit, d.h. der Bereitschaft, die Selbstkontrolle, die man üblicherweise ja doch ausübt, fallen zu lassen. Erst dann sind wir offen für das Handeln Gottes, weil wir dann bereit sind, das Unerwartete zu erwarten und anzunehmen. In der Begegnung mit Jesus wird uns die Liebe Gottes offenbart.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich durch den Charakter der Einladung mit den ersten Worten des Heilandsrufs: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid.".

Liedvorschläge:

Jesus Christus herrscht als König (EG 123)
Lasset uns mit Jesus ziehen (EG 384)
Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn (EG 363)
„Mir nach”, spricht Christus, unser Held (EG 385)
Kommt, Kinder, lasst uns gehen (EG 393)