Der 16. Sonntag nach Trinitatis ist geprägt vom Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. In dieser Geschichte sowie in den Epistellesungen wird deutlich, dass mit Jesus weit mehr gekommen ist als nur ein großer Prediger und Menschenfreund. Er hat das Leben in diese Welt gebracht und den Tod besiegt. Dieser Sieg wird schon durch sein Handeln auf Erden deutlich sichtbar.
Zu den Perikopen
Präfamen:
Das Leben ist kurz. Wir fragen uns, ob das alles sein kann - 70 oder 80 Jahre, manchmal noch ein paar Jahre mehr, manchmal
weniger. Wer denkt noch an uns in 100 Jahren? Darum versuchen wir, etwas aus unserem Leben zu machen, ihm eine Bedeutung, einen
Sinn zu geben. Einen Sinn hat uns Gott gegeben: er hat den Tod besiegt, diese scheinbar unüberwindliche Grenze. Und er hat es uns
gezeigt, nicht nur in der Auferstehung Jesu, sondern auch schon zuvor. So hört die Erzählung von der Auferweckung des Lazarus, wie sie
geschrieben steht im Evangelium nach Johannes im 11. Kapitel:
oder:
Der Tod scheint eine unüberwindliche Grenze darzustellen. So war es, bis Jesus diese Vorstellung auf den Kopf gestellt hat. Plötzlich
war der Tod nicht mehr das Letzte, sondern die Kraft Gottes wurde in Jesus Christus offenbar: er erweckte Menschen von den Toten, er besiegte den Tod.
Eindrücklich schildert uns Johannes, wie Jesus Lazarus auferweckt, der schon drei Tage tot ist. So steht geschrieben in seinem Evangelium im 11. Kapitel:
Es lag aber einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta.
2Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und seine
Füße mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank.
3Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr,
siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.
17Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen.
18Betanien aber war nahe bei Jerusalem, etwa eine halbe Stunde entfernt.
19Und viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, sie zu trösten wegen
ihres Bruders.
20Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria
aber blieb daheim sitzen.
21Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre
nicht gestorben.
22Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben.
23Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
24Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der
Auferstehung am Jüngsten Tage.
25Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt,
der wird leben, auch wenn er stirbt;
26und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?
27Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes,
der in die Welt gekommen ist.
28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich
und sprach zu ihr: Der Meister ist da und ruft dich.
29Als Maria das hörte, stand sie eilend auf und kam zu ihm.
30Jesus aber war noch nicht in das Dorf gekommen, sondern war noch dort, wo ihm Marta
begegnet war.
31Als die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, dass Maria
eilend aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie dachten: Sie geht zum Grab, um dort zu weinen.
32Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und sah ihn, fiel sie ihm zu
Füßen und sprach zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.
33Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen
waren, ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt
34und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh es!
35Und Jesus gingen die Augen über.
36Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn lieb gehabt!
37Einige aber unter ihnen sprachen: Er hat dem Blinden die Augen aufgetan; konnte er
nicht auch machen, dass dieser nicht sterben musste?
38Da ergrimmte Jesus abermals und kam zum Grab.
Es war aber eine Höhle und ein Stein lag davor.
39Jesus sprach: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des
Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen.
40Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du
die Herrlichkeit Gottes sehen?
41Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater,
ich danke dir, dass du mich erhört hast.
42Ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen,
das umhersteht, sage ich's, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.
43Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
44Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen
und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn
gehen!
45Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat,
glaubten an ihn.
Präfamen:
Christen sind keine Angsthasen, denn Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen. Darum fürchten sie sich nicht, weiter zu sagen,
was sie von ihren Vorfahren gelernt haben. Sie geben den Glauben weiter, getrieben von dem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
So schreibt der Apostel Paulus im 2. Brief an Timotheus im 1. Kapitel:
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes. 9Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
Präfamen:
Wenn Menschen in Not sind, beginnen sie wieder, nach Gott zu fragen. Das Volk Israel hat sich in solchen Situationen immer wieder
gesagt: Gott ist da, er ist treu, denn er hat mit uns einen Bund geschlossen, von dem er nicht abweichen wird, selbst dann nicht, wenn wir untreu
werden. Diese Treue hat Gott tatsächlich gehalten, eben weil das Volk Israel sich immer wieder an den Bund erinnert hat. So hört, wie geschrieben
steht im Buch der Klagelieder Jeremias im 3. Kapitel:
oder:
Geduld ist eine Tugend. Wenn es scheint, dass Gott auf sich warten lässt, dann ist es gut, sich bewusst zu machen, dass er uns auch in kleinen
Dingen ganz nahe sein kann. Und auch, wenn wir uns in Not befinden und Gottes Hilfe und Schutz erbitten, dann ist es gut, sich auf seine große
Güte zu verlassen und ihm zu vertrauen. So lesen wir in den Klageliedern des Jeremia im 3. Kapitel:
Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, 23sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. 24Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. 25Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. 26Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. 31Denn der Herr verstößt nicht ewig; 32sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.
Und es begab sich danach, dass Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen
mit ihm und eine große Menge.
12Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus,
der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr.
13Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn und er sprach zu ihr: Weine nicht!
14Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und
er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf!
15Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter.
16Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein
großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht.
17Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen umliegenden Land.
Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. 36 Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. 37»Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben. 38Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm« (Habakuk 2,3.4). 39Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten.
Ein güldenes Kleinod Davids.
Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.
2Ich habe gesagt zu dem Herrn:
Du bist ja der Herr! / Ich weiß von keinem Gut außer dir.
3An den Heiligen, die auf Erden sind, / an den Herrlichen hab ich all mein Gefallen.
4Aber jene, die einem andern nachlaufen, / werden viel Herzeleid haben.
Ich will das Blut ihrer Trankopfer nicht opfern / noch ihren Namen in meinem Munde führen.
5Der Herr ist mein Gut und mein Teil; /
du erhältst mir mein Erbteil.
6Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; /
mir ist ein schönes Erbteil geworden.
7Ich lobe den Herrn, der mich beraten hat; /
auch mahnt mich mein Herz des Nachts.
8Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; /
steht er mir zur Rechten, so werde ich festbleiben.
9Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; /
auch mein Leib wird sicher liegen.
10Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen /
und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.
11Du tust mir kund den Weg zum Leben: /
Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.
Apg 12, 1-11
früher:
Jes 38, 9-20
Röm 4, 18-25
2. Kön 4, 18-37:
Als aber das Kind groß wurde, begab es sich, dass es hinaus zu seinem Vater
zu den Schnittern ging
19und sprach zu seinem Vater: O mein Kopf, mein Kopf! Er sprach zu einem Knecht:
Bringe ihn zu seiner Mutter!
20Und der nahm ihn und brachte ihn hinein zu seiner Mutter und sie setzte ihn auf
ihren Schoß bis zum Mittag; da starb er.
21Und sie ging hinauf und legte ihn aufs Bett des Mannes Gottes, schloss zu und
ging hinaus
22und rief ihren Mann und sprach: Schicke mir einen der Knechte und eine Eselin;
ich will eilends zu dem Mann Gottes und bald zurückkommen.
23Er sprach: Warum willst du zu ihm? Ist doch heute weder Neumond noch Sabbat.
Sie sprach: Lass es gut sein!
24Und sie sattelte die Eselin und sprach zum Knecht: Treib an und halte mich nicht
auf beim Reiten, bis ich dir's sage!
25So zog sie hin und kam zu dem Mann Gottes auf den Berg Karmel.
Als aber der Mann Gottes sie kommen sah, sprach er zu seinem Diener Gehasi: Siehe, die Schunemiterin ist da!
26So lauf ihr nun entgegen und frage sie, ob es ihr, ihrem Mann und ihrem Sohn
gut gehe. Sie sprach: Gut!
27Als sie aber zu dem Mann Gottes auf den Berg kam, umfing sie seine Füße;
Gehasi aber trat herzu, um sie wegzustoßen. Aber der Mann Gottes sprach: Lass sie, denn ihre Seele ist betrübt, und der
Herr hat mir's verborgen und nicht kundgetan!
28Sie sprach: Wann hab ich einen Sohn erbeten von meinem Herrn? Sagte ich nicht,
du solltest mich nicht täuschen?
29Er sprach zu Gehasi: Gürte deine Lenden und nimm meinen Stab in deine Hand
und geh hin, und wenn dir jemand begegnet, so grüße ihn nicht, und grüßt dich jemand, so danke ihm nicht, und lege
meinen Stab auf des Knaben Antlitz.
30Aber die Mutter des Knaben sprach: So wahr der Herr
lebt und so wahr du lebst: Ich lasse nicht von dir! Da machte er sich auf und ging ihr nach.
31Gehasi aber ging vor ihnen hin und legte den Stab dem Knaben aufs Antlitz: da war
aber keine Stimme und kein Empfinden. Und er ging zurück Elisa entgegen und sagte ihm: Der Knabe ist nicht aufgewacht.
32Und als Elisa ins Haus kam, siehe, da lag der Knabe tot auf seinem Bett.
33Und er ging hinein und schloss die Tür hinter sich zu und betete zu dem
Herrn
34und stieg aufs Bett und legte sich auf das Kind und legte seinen Mund auf des Kindes
Mund und seine Augen auf dessen Augen und seine Hände auf dessen Hände und breitete sich so über ihn; da wurde des Kindes Leib
warm.
35Er aber stand wieder auf und ging im Haus einmal hierhin und dahin und stieg wieder
aufs Bett und breitete sich über ihn. Da nieste der Knabe sieben Mal; danach tat der Knabe seine Augen auf.
36Und Elisa rief Gehasi und sprach: Ruf die Schunemiterin! Und als er sie rief, kam
sie hinein zu ihm. Er sprach: Da, nimm hin deinen Sohn!
37Da kam sie und fiel nieder zu seinen Füßen und neigte sich zur Erde und
nahm ihren Sohn und ging hinaus.
Apg 12, 1-11:
Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu mißhandeln.
2Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.
3Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus
gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote.
4Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und
überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen.
5So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne
Aufhören für ihn zu Gott.
6Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus
zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis.
7Und siehe, der Engel des Herrn kam herein, und Licht leuchtete auf in dem Raum;
und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.
8Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat
es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!
9Und er ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, dass ihm das wahrhaftig
geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen.
10Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor,
das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, und alsbald verließ
ihn der Engel.
11Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig,
dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.