das Kirchenjahr

14. Sonntag nach Trinitatis

Gebt Gott die Ehre

Predigtanregung

Der 14. Sonntag nach Trinitatis redet von der heilenden Kraft Gottes. Das Thema dieses Sonntags ist diesmal von der Epistel her abgeleitet. Die anderen Texte haben wenig mit dem Thema zu tun. Es wird schwierig sein, die Thematik durchzuziehen, man sollte es aber versuchen. Von daher ist eine Vertiefung in die Epistel bei der Studie des aktuellen Predigttextes ratsam.

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II - Lk 19, 1-10

Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.
7Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. 10Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Die Erzählung von der Begegnung Jesu mit dem Zöllner Zachäus eignet sich gut für den Kindergottesdienst. Der Hinweis auf seine geringe Körpergröße stellt einen Bezug zu den Kindern her. Allerdings bewegt sich das Geschehen im Erwachsenenmilieu, und es geht um knallharte Realitäten. Zachäus arbeitet als Zöllner für die Römer. Ihm ist freigestellt, mehr als den vorgeschriebenen Zoll zu nehmen, um seinen eigenen Lebensunterhalt zu gewährleisten. Das ist also auch in Ordnung. Allerdings kollaboriert er mit der Besatzungsmacht, was natürlich in der jüdischen Bevölkerung nicht gut ankommt. Darüber hinaus kann es durchaus sein, dass er mehr Geld genommen hat, als zur Deckung seines Lebensunterhalts notwendig gewesen wäre. Zumindest waren Zöllner dafür bekannt, dass sie die Macht der Römer im Rücken dazu nutzten, sich selbst zu bereichern. Aber vor Verallgemeinerungen sollten wir uns hüten – auch Jesus schreckt schließlich nicht davor zurück, sich selbst bei einem solchen Menschen einzuladen.
Diese Unvoreingenommenheit Jesu ist wichtig. Natürlich weiß Jesus deutlich mehr als wir, was ihm einen Vorteil uns gegenüber verschafft. Er weiß, was geschehen wird. Aber so ganz dann doch nicht. Denn er überlässt es Zachäus, die Selbsteinladung Jesu zu deuten. Er geht völlig offen auf den Zöllner zu und teilt mit ihm die Liebe Gottes.
Als Jesus dann bei ihm zu Tisch sitzt, haben sie sich sicher auch unterhalten, aber darüber lesen wir nichts, weswegen man nicht zuviel hineinlesen sollte. Es ist aber zu vermuten, dass die Person Jesu auf Zachäus einen starken Eindruck machte, schließlich hatte er ja schon zuvor ein starkes Verlangen gehabt, Jesus zu sehen. Und nun, da Jesus bei ihm am Tisch sitzt, ihm, dessen Haus sonst kein Jude betreten würde, ist er überwältigt. Er spürt die Liebe, die durch Jesus hindurch ihm gilt. Für Zachäus gab es darum nur zwei Möglichkeiten: so weitermachen wie bisher oder sein Leben völlig neu zu ordnen. Er entscheidet sich für die zweite Option und spricht Jesus direkt an. Die Hälfte seines Besitzes soll den Armen gehören, vom Rest will er denen, die er übervorteilt hat, das Vierfache zurückzahlen. Diese Aussage legt nahe, dass er sich tatsächlich kräftig bereichert hat als Zöllner, aber vielleicht ist sein Reichtum auch durch geschickte Geldanlage usw. entstanden. Wichtig ist: Zachäus interessiert nicht mehr, was am Ende für ihn übrig bleibt. Er weiß, dass er Schaden wiedergutmachen muss, und er weiß, dass sein Reichtum nicht dazu da ist, ihm ein schönes Leben zu ermöglichen, sondern damit armen Menschen zu helfen.
In einer Zeit, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, hat dies noch eine besondere Brisanz. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass in der Gemeinde, die die Predigt hört, Menschen sitzen, die ihre Möglichkeiten ausgenutzt haben, um andere Menschen auszubeuten. Darum sollte die Predigt das Wirken der Liebe Gottes in den Mittelpunkt stellen: die Unvoreingenommenheit, mit der Jesus dem (bösen) Zöllner begegnet, hat diesen Menschen verwandelt.
Hier beginnt die Aufgabe der Gemeinde. Sie ist gerufen, auf Menschen zuzugehen, die am Rand der Gesellschaft stehen, die geächtet werden, vielleicht besonders deshalb, weil man meint, sie hätten ihren Status nur durch schmutzige Geschäfte erreicht. Auch solche Menschen sind von Gott geliebt, und es liegt nicht an uns, über sie den Stab zu brechen, sondern ihnen die Liebe Gottes zu verkünden. Was sie dann daraus machen, liegt in ihrer Hand, so wie Jesus es dem Zachäus überließ, zu entscheiden, wie er sein Leben in Zukunft gestalten wolle.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang liegt darin, dass in unserem Verhalten gegenüber Menschen, die in einer ähnlichen Situation wie Zachäus sind, deutlich wird, ob wir Gott die Ehre zu geben bereit sind oder nicht. Denn nur wenn wir der Liebe Gottes Raum geben, wenn wir bereit sind, anzunehmen, dass diese Liebe allen Menschen gilt, geben wir auch Gott die Ehre, die ihm gebührt. Wenn wir allerdings selber den Stab über andere Menschen brechen und meinen, denen sei nicht zu helfen, verachten wir Gott selbst.
Mit anderen Worten: die Predigt sollte darauf hinwirken, dass die Gemeinde sich davor hütet, in die Rolle derer zu schlüpfen, die in Vers 7 angesprochen werden: Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.. Ja, genau da, denn Gott sucht den Sünder, um ihn zu erlösen.

Liedvorschläge:

Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232)
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
Jesus nimmt die Sünder an (EG 353)
Jesu, meine Freude (EG 396)
Bei dir, Jesu, will ich bleiben (EG 406)

Fürbittengebet

Herr, allmächtiger Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus gehst du uns nach und willst uns dein Heil widerfahren lassen. Wir bitten dich:
Lass die Sehnsucht nach dir in uns wach bleiben, damit du uns erkennst. Rühre uns an, damit Liebe wachsen kann unter den Menschen, die diese Welt spärbar verändert.
Wir bitten dich für die Menschen, die Verantwortung tragen in Politik und Wirtschaft: lass sie deinen Ruf vernehmen, dass sie sich einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden in der ganzen Welt. Führe sie neue Wege, damit sie frei werden von der Macht des Geldes.
Wir bitten dich für die Menschen, die sich von deiner Gemeinde abgewandt haben: rufe sie mit Namen. Lass sie nicht verbittern, sondern deine Liebe spüren, die frei macht und verbindet.
Wende dich denen zu, die keine Hoffnung mehr haben, die am Leben verzweifeln. Sei du ihre Hoffnung. Öffne ihre Augen und Herzen, dass sie dich erkennen und Sehnsucht nach deiner Liebe verspüren.
Lass nicht zu, dass Armut ihre Herrschaft ausbreitet und immer mehr Menschen unter ihre Gewalt bringt, während andere danach streben, ihren Überfluss ins Unermessliche zu steigern.
Lass die Kranken dein Heil erfahren, indem du Menschen an ihre Seite stellst, die sich um Leib und Seele kümmern.
Lass uns Gemeinde sein, indem wir uns auf deinen Geist einlassen und uns von ihm antreiben lassen, Liebe zu üben, damit Friede werde.
Das bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen