das Kirchenjahr

11. Sonntag nach Trinitatis

Pharisäer und Zöllner

Predigtanregung

Der 11. Sonntag nach Trinitatis widmet sich unserer Einstellung zu Gott und zu seinem Gnadenhandeln. Dafür werden im Evangelium die zwei völlig unterschiedlichen Charaktere des Pharisäers und des Zöllners einander gegenüber gestellt. Die übrigen Texte weisen mehr in die Richtung des "Seligwerdens aus Gnade" und nicht aus Werken. Unsere Einstellung zu der Gnade Gottes ist entscheidend dafür, ob wir sie auch empfangen werden.

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II - Lk 18, 9-14

Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Merkwürdig. Dieses Gleichnis fordert regelrecht dazu auf, genau das zu tun, wovor es warnt. Das liegt daran, dass das Gleichnis gewissermaßen eine Bedienungsanleitung mitliefert, wie man sich im Angesicht Gottes zu verhalten hat. Sobald man sich an diese Anleitung hält, macht man es aber gleich wieder falsch. Denn das Gleichnis prangert das Sich-Verlassen auf die eigene Gerechtigkeit, auf die Richtigkeit des eigenen Handelns, an; indem man sich wie der Zöllner verhält, um als gerecht zu gelten, hat man aber genau diese Haltung wieder eingenommen.
Es ist also längst nicht so einfach, wie es scheint. Mit dem bloßen Schuldbekenntnis und der Bitte um Erbarmen ist es nicht getan. Es geht um die innere Haltung, die niemand einstudieren kann. Der Zöllner ist nur deswegen auf der richtigen Spur, weil er sich selbstkritisch beurteilt und dabei zu dem Schluss kommt: was ich mache, ist falsch, mein Leben kann nur dann wieder auf die richtige Bahn kommen, wenn ich Gottes Hilfe erbitte und in Anspruch nehme.
Beachtenswert ist immerhin, dass der Zöllner überhaupt in die Synagoge geht, wo er doch so ein sündiger Mensch ist, dem Gott egal zu sein scheint. Aber genau das ist der Punkt: ihm ist Gott nicht egal. Die Selbstkritik, die er übt, führt ihn wieder zu Gott.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist von diesem Evangelium bestimmt. Es geht um den Unterschied zwischen den Beiden: dem Selbstgerechten, der Gott im Grunde nicht braucht, und dem Selbstkritischen, der erkennt, wie nötig er Gott hat.
In der Predigt kann man versuchen, diesen Kontrast lebendig werden zu lassen, etwa indem man sich bemüht, die Motivation der Gemeindeglieder, warum sie in den Gottesdienst gehen, herauszufinden und dann zu hinterfragen, ohne dabei persönlich zu werden. Es käme darauf an, deutlich zu machen, dass Gott nicht ein kosmetisches Mittel zur Gestaltung des eigenen Lebens ist, sondern ein existenzieller Bestandteil des Lebens, ohne den Leben nicht möglich ist. Mit anderen Worten: Erst wenn es zu einer frontalen Begegnung mit Gott kommt, die einem klar macht, wie bedürftig das eigene Leben doch ist, kommt man zu der Haltung des Zöllners.
Ein Vorschlag wäre, die erzählung weiter zu spinnen. Wie reagieren die Menschen, die die Worte Jesu hören? Es sind alles Fromme, so wie die Menschen, die den Gottesdienst besuchen und die Predigt hören. In den Reaktionen der Menschen könnte man auch die Elemente aufnehmen, die unsere Frömmigkeit ausmachen, und zugleich das Problem der Selbstgerechtigkeit deutlich machen.

Liedvorschläge:

Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (EG 146)
Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232)
Ach Gott und Herr, wie groß und schwer (EG 233)
O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten (EG 235)
Ohren gabst du mir (EG 236)
Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren (EG 279)
Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299)
Alles ist an Gottes Segen (EG 352)
Jesus nimmt die Sünder an (EG 353)
Ich habe nun den Grund gefunden (EG 354)
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
Gott wohnt in einem Lichte (EG 379)
Ich steh vor dir mit leeren Händen (EG 382)

Fürbittengebet

Himmlischer Vater, Sünder sind wir und nicht wert, vor dich zu treten und zu dir zu beten. Und doch hast du uns befreit von unserer Schuld durch das Opfer deines lieben Sohnes, damit wir zu dir kommen können als deine geliebten Kinder. Wir bitten dich: führe uns auf den Weg des Friedens. Zeige uns, wo wir gefehlt haben, und eröffne uns Möglichkeiten, dass wir mit deiner Hilfe an deinem Reich mitbauen können. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich... (178,11)
Gott, sei uns gnädig, denn wir haben uns nicht genug eingesetzt für eine gerechtere Politik in unserem Land und in der ganzen Welt; wir sind abgestumpft angesichts des vielfältigen Elends in der ganzen Welt, das wir tagtäglich in den Medien aufgetischt bekommen, und bemühen uns nicht genug um Abhilfe. Lass uns damit beginnen, diese Welt so zu gestalten, dass sich alle Menschen auf ihr wohlfühlen können. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich... (178,11)
Gott, sei uns gnädig, denn es fehlt uns an Erbarmen, wenn Menschen uns um Hilfe bitten; wir sehen weg, wenn Menschen, Frauen und Kinder, misshandelt werden; es ist uns gleichgültig, was mit unseren Mitmenschen geschieht. Schenke uns deine Barmherzigkeit, damit wir selbst barmherzig werden. Lass deine Liebe uns durchdringen, damit wir selbst lieben und zur Liebe anstiften. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich... (178,11)
Gott, sei uns gnädig, denn wir wollen unsere Ruhe haben , obwohl es unruhig ist um uns herum; wir haben keine Hoffnung, obwohl wir deine Kinder sind; wir haben vergessen, was es bedeutet, nach deinem Bild geschaffen zu sein. Schenke uns deine Ruhe, damit wir in der Unruhe zu Ruhestiftern werden. Lass uns die Hoffnung nicht aufgeben, dass du kommst, bald, vielleicht schon morgen, um uns heimzuholen. Lass uns unsere Würde wiedergewinnen, damit wir die Verantwortung, die du uns übertragen hast, in rechter Weise wahrnehmen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich... (178,11)
Dich rühmen wir, denn du lässt uns menschlich werden, weil du selbst Mensch geworden bist. Dir sei Ruhm und Ehre in Ewigkeit. Amen
(Dieses Gebet ist auch für andere Perikopen an diesem Sonntag geeignet)