das Kirchenjahr

Namengebung und Beschneidung Jesu

1. Januar

Predigtanregung

Nach jüdischer Sitte wurde der acht Tage alte Jesus beschnitten und erhielt dabei seinen Namen (s. 1. Mose 17, 12 und Lk 2, 21). Das Thema der Beschneidung ist auch für Prediger/innen nicht gerade ein willkommenes Thema, weswegen man dann auch, wenn man das Proprium des Tages berücksichtigen will, eher die Namengebung in den Mittelpunkt stellt. Indem man so handelt, lehnt man im Grunde die Wurzeln Jesu ab und nährt im schlimmsten Fall antisemitische Neigungen. Denn die Beschneidung ist der zentrale Bestandteil des Bundes Gottes mit seinem Volk Israel. Darüber nicht auch predigen zu wollen bedeutet, die Berufung Israels als Volk Gottes nicht anzuerkennen. Es gab in der Vergangenheit oft die Tendenz, das Volk der Christenheit an die Stelle des Gottesvolkes Israel zu setzen, wie man auch an manchen Kirchenliedern erkennen kann. Allerdings wird nun gerade durch diesen Tag ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Jesus in diesen Bund hineingenommen wird. Er ist der Messias des jüdischen Volkes, und es ist einzig dem Gnadenwillen Gottes zu verdanken, dass wir, die Heiden, auch hinzugenommen wurden. Es bleibt also wichtig, dass wir uns mit Jesu Zugehörigkeit zum jüdischen Volk auseinandersetzen, wozu kaum ein Tag besser geeignet ist als der 1. Januar.

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IV - Apg 4, 8-12

Petrus, voll des Heiligen Geistes, sprach zu ihnen: Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten! 9 Wenn wir heute verhört werden wegen dieser Wohltat an dem kranken Menschen, durch wen er gesund geworden ist, 10 so sei euch und dem ganzen Volk Israel kundgetan: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. 11 Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. 12 Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.

Der Predigttext steht am Anfang der Geschichte der Gemeinde Jesu Christi. Nachdem durch die Apostel die ersten Wunder gewirkt worden waren, mussten sie sich vor dem Hohen Rat verteidigen. Petrus ist dabei der Wortführer. Trotz seiner Schwächen, die allen anderen Aposteln bewusst sind, hat er sich schnell das Vertrauen aller erworben. Nun legt er vor dem Hohen Rat dar, wie es dazu kommt, dass die Apostel Heilungen vollbringen können. Er weist dabei auf den „Namen Jesu Christi von Nazareth” hin und spricht auch an, dass der Hohe Rat für seinen Tod Verantwortung trägt. Der Abschnitt schließt sogar mit der Feststellung, dass nur durch diesen Namen die Menschen selig werden können.
Auch wenn dieses Geschehen konstruiert wirkt, so gibt der Text doch eine tiefe Wahrheit wieder, die der Urgrund christlichen Glaubens ist: Jesus Christus ist das Heil der Welt! Dieses Bekenntnis, das Petrus vor dem Hohen Rat von sich gibt, ist zugleich Vergewisserung. Was immer geschieht, es dient zu meinem Heil.
In der Predigt wird man diese Kernaussage hineintragen in das neue Jahr, alle Befürchtungen und Ängste, aber auch alle Hoffnungen und Freuden hier ein- und unterordnen: in keinem andern ist das Heil. Alles, was wir tun, denken und planen, läuft darauf hinaus, dass es vor Jesus Christus Bestand hat.
Man könnte auch an die Bewegung erinnern, die dazu ermuntert, die Frage zu stellen, was Jesus tun würde (What Would Jesus Do - WWJD). Dabei darf nicht vergessen werden, dass wir uns nicht wirklich in Jesus hinein versetzen können. Wir können nur z.B. durch die Worte der Bergpredigt ahnen, wie er sich ein Leben vorstellt, das sich ganz unter seinen Namen stellt. Es ist aber ein guter Start in das neue Jahr, wenn wir durch die Predigt dazu ermutigt werden, das zu tun.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich aus der Betonung des Namens, da ja an diesem Tag die Namensgebung erinnert wird. Der zweite Aspekt der Beschneidung fällt im Zusammenhang mit dieser Perikope nur scheinbar unter den Tisch. Dadurch, dass die Worte Petri an den Hohen Rat gerichtet sind, wird erneut deutlich, wie eng Jesus Christus und die christliche Gemeinde mit dem jüdischen Volk verbunden ist, auch wenn die spätere Trennung zwischen Christen und Juden hier schon beginnt, sich abzuzeichnen. Man kann aber auch anders an das Thema herangehen, indem man das Bemühen Petri um die Akzeptanz des Evangeliums innerhalb seines, des jüdischen Volkes, in den Vordergrund rückt.

Liedvorschläge zur Predigt:


Jesus soll die Losung sein (EG 62 - Wochenlied)
Komm, o komm, du Geist des Lebens (EG 134)
Christi Blut und Gerechtigkeit (EG 350)
Es ist in keinem andern Heil (EG 356)
Ich weiß, woran ich glaube (EG 357)



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