das Kirchenjahr

Letzter Sonntag nach Epiphanias

Die Verklärung

Predigtanregung

Der letzte Sonntag nach Epiphanias hat eine besondere Bedeutung, die sich auch im Thema dieses Sonntages widerspiegelt. Es stellt die Verbindung her mit Traditionen anderer Kirchen, die am Epiphaniasfest die Verklärung Jesu feierten. In der Verklärung wird Jesus, während er noch auf Erden weilt, für eine kurze Zeit den Jüngern gegenüber in seiner Herrlichkeit als der Sohn Gottes dargestellt. Es ist dies das einzige Mal, wo die Jünger die Nähe des Himmels durch Jesus physisch erfahren, und es begeistert sie so, dass sie darin bleiben wollen. Die Erzählung endet jedoch damit, dass es zurück in diese Welt geht, in der die Jünger zwar nun hoffen können, aber doch auch wieder der Not und dem Elend dieser Welt ausgesetzt sind. So stellt der letzte Sonntag nach Epiphanias die Verbindung her zwischen der Herrlichkeit des Sohnes Gottes und seinem Tod, durch den die Erlösung der Menschheit erwirkt wird, indem er selbst eben nicht von seiner Gottessohnschaft Gebrauch macht, sondern sich als Mensch opfert.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

IV - Ex 34, 29-35

Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte. 30 Als aber Aaron und ganz Israel sahen, dass die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, ihm zu nahen. 31 Da rief sie Mose und sie wandten sich wieder zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde, und er redete mit ihnen. 32 Danach nahten sich ihm auch alle Israeliten. Und er gebot ihnen alles, was der HERR mit ihm geredet hatte auf dem Berge Sinai.
33 Und als er dies alles mit ihnen geredet hatte, legte er eine Decke auf sein Angesicht. 34 Und wenn er hineinging vor den HERRN, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging. Und wenn er herauskam und zu den Israeliten redete, was ihm geboten war, 35 sahen die Israeliten, wie die Haut seines Angesichts glänzte. Dann tat er die Decke auf sein Angesicht, bis er wieder hineinging, mit ihm zu reden.

Es ist das zweite Mal, dass Mose die Gesetzestafeln vom Berg Sinai herunterholt, weswegen das Volk Israel hier auch nicht um das goldene Kalb tanzend dargestellt wird. Diese Episode ist bereits Geschichte und hat ein, gelinde gesagt, unangenehmes Gericht nach sich gezogen. Hier erlebt das Volk, das dieses Mal bereitwillig gewartet hatte, die Begegnung mit dem Göttlichen durch einen Menschen, nämlich Mose. Das Glänzen, das von seinem Gesicht ausgeht, steht nicht für ein verklärtes Lächeln oder ein fröhliches „Strahlen”, sondern es ist so hell, dass das Volk Angst hat, ihm zu nahe zu kommen. Denn die Menschen verstehen sofort, dass Mose nicht nur auf den Berg gestiegen ist, sondern Gott wahrhaftig begegnet ist. Die Furcht bezieht sich also nicht unbedingt darauf, dass sie evtl. geblendet werden könnten, sondern darauf, dass Gott so unmittelbar bei und mit Mose ist, dass eine Annäherung an Mose einer Annäherung an Gott entsprechen könnte. Und eine solche Annäherung kann den eigenen Tod bedeuten, denn allen ist bewusst (oder sollte es sein), dass sie vor Gott nicht bestehen können - man würde als Unheiliger dem Heiligen begegnen, und solch ein Miteinander ist undenkbar.
Aus christlicher Sicht ist diese Erzählung ein klassisches Beispiel dafür, dass der Mensch des ersten Bundes (des Alten Testamentes) ganz unter das Gesetz getan ist, also nur dann vor Gott bestehen kann, wenn er alle Gebote gewissenhaft und nicht nur äußerlich erfüllt. Dass dies keinem Menschen möglich ist, hat Jesus Christus durch seine Antithesen in der Bergpredigt deutlich gemacht. Zugleich ist durch ihn (Jesus), indem er sich kreuzigen ließ, das Gesetz erfüllt und damit alle, die an ihn glauben, zu Gottes Kindern gemacht worden. Die Angst, die in der vorliegenden Erzählung seitens des Volkes Israel beschrieben wird, brauchen Christen nicht zu haben. Und dennoch muss uns diese Erzählung zur Mahnung dienen, denn Gott gebührt Ehre und Lob, selbst dann, wenn uns Schlimmes widerfährt und wir der Ansicht sind, dass Gott das doch hätte verhindern können oder gar sollen. Aber er bleibt in Allem der Souverän, dessen Handeln wir beim besten Willen nicht durchschauen können. Das Geschenk der Gnade, das er uns durch Jesus Christus machte, befreit uns von unserer Sünde, aber es muss uns umso ehrfürchtiger machen vor dem, der uns so befreit hat.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich aus der Begegnung mit dem Göttlichen, die auch den Jüngern bei der Verklärung widerfuhr. Aber dort scheinen die Jünger ganz unbefangen, denn sie begreifen nicht, was sie da erleben. Erst als sie die Stimme Gottes hören, erschrecken sie und fallen zu Boden.
Es ist zunehmend erlebbar, dass Räume, die früher einzig der Begegnung mit Gott gewidmet waren, (teil-)säkularisiert werden (Nutzung für Veranstaltungen jeglicher Art bis hin zum Kabarett, das sich über den Glauben oder die Kirche (als Institution) lustig macht. Das hat sicher auch gute Gründe, aber es ist ein Zeichen dafür, dass wir immer weniger in der Lage sind, Gott als den Allmächtigen und Erhabenen anzusehen, dem Respekt und Ehre gebührt. Nun sind natürlich z.B. Kirchenräume nur Räume, sie sind nicht der Wohnort Gottes. Aber ihre wichtigste und eigentlich einzige Aufgabe ist, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit Gott ins Gespräch zu treten, also ihm zu begegnen. Das wird mitunter durch Fremdnutzung erschwert oder gar unmöglich gemacht.
Die Predigt sollte versuchen, das Besondere der Begegnung mit Gott so zu vermitteln, dass sich eine freudige Erwartung auf solche Begegnung hin entwickelt. Es kann also nicht, auch wenn der Predigttext das eher hergibt, Angst vor dieser Begegnung geschürt werden. Vielmehr muss das freundliche Antlitz Christi, das Antlitz der Gnade und Güte Gottes, erkennbar werden. Durch ihn sind wir zu Kindern Gottes geworden, weswegen es keinen Grund zur Furcht mehr gibt (auch wenn sich manchmal Kinder vor der Begegnung mit dem Vater fürchten, weil sie etwas ausgefressen haben - aber doch immer zu ihm zurück kehren).

Liedvorschläge zur Predigt:


Wunderbarer Gnadenthron (EG 38)
Liebster Jesu, wir sind hier (EG 161)
Großer Gott, wir loben dich (EG 331)
Du höchstes Licht, du ewger Schein (EG 441)
Freuet euch der schönen Erde (EG 510)



Buchempfehlungen:
  • In tiefster Nacht erschienenWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Advents- und Weihnachtszeit v. Christiane Nadj&eacut;-Wirth. Neukirchender Verlag 2018, 132 S. - 1. Auflage.
    Sorgfältig ausformulierte Gottesdienstentwürfe und Predigten von Advent bis Epiphanias werden in diesem Band angeboten. Es enthält auch eine Auswahl an Texten zum Vorlesen oder für den Gemeindebrief.
  • NEU UND AKTUELL!
    Er ist unser Friede. 1. Advent 2022 bis Pfingstmontag 2023Wenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Lesepredigten zur Perikopenreihe V vom 1. Advent 2022 bis Pfingstmontag 2023 v. Maike Schult u.a. (Hg.). Ev. Verlagsanstalt 2022, 296 S. - 1. Auflage.
    Die Lesepredigten für alle Sonn- und Gedenktage des Kirchenjahres sind eine in der Praxis bewährte Arbeitshilfe für eine zeitgemäße, anspruchsvolle und ansprechende Verkündigung. Ehrenamtliche Lektorinnen und Lektoren, Prädikantinnen und Prädikanten sowie Pfarrerinnen und Pfarrer finden hier - je nach Bedarf - ausformulierte Predigten und Anregungen für die eigene homiletische Arbeit. Textbasis ist die jeweils empfohlene Predigtreihe. Ergänzt werden die Lesepredigten durch passende Liedvorschläge und Fürbittgebete. Die Texte werden auch als Download zur Verfügung gestellt (Link im Buch).
Weitere Buchvorschläge rund um den Gottesdienst...