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Kantate
Die singende Gemeinde - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

Der Name des Sonntags Kantate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Cantate Domino canticum novum, quia mirabilia fecit!. (Ps 98, 1a; deutsch s. Antiphon).
Der Sonntag Kantate ist der Singesonntag, was allerdings nicht durch das Evangelium deutlich wird. Andere Perikopen gehen schon eher auf die singende Antwort der Gemeinde auf Gottes Taten ein, d.h. sie berichten vom Lobpreis der Gemeinde. Der Sonntag Kantate befasst sich, so wie schon der Sonntag Jubilate, mit einer Form der Antwort der Gemeinde, was im Gottesdienst dann auch zum Tragen kommen soll.

Zu den Perikopen

  1. Apg 16, 23-34

    Paulus und Silas in Gefangenschaft. Die Geschichte bietet viele Möglichkeiten der Auslegung, indem man sich auf einzelne Personen konzentriert: Paulus zusammen mit Silas stellen die Kraft des Glaubens vor: selbst im Gefängnis, in Ketten gelegt, loben und preisen sie Gott, wohl weil sie darin eine missionarische Gelegenheit sehen. Der Gefängniswärter, der zum Glauben findet angesichts des großen Wuinders. Man könnte vielleicht auch über die anderen, hier nicht erwähnten Gefängnisinsassen nachdenken.
    Die Geschichte ist eine von den Wundergeschichten, die sich in der Urkirche ereignen, nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Oft verleiten solche Geschichten zu einer Art Nostalgie: so müsste es doch auch heute sein. Warum geschehen solche Wunder nicht auch unter uns? Und über dieser Nostalgie werden dann all die Wunder missachtet, die sich auch heute in unseren Gemeinden ereignen. Kleine Wunder vielleicht, aber dennoch werden sie oft als Wunder erfahren: wenn es einem Menschen besser geht, der Wochen und Monate krank lag. Wenn eine Familie auf der Urlaubsreise in einen Unfall verwickelt wurde, aber alle unverletzt blieben; wenn Menschen, die jahrelang zerstritten waren, wieder zusammenfinden, usw. Jeder kann aus seiner Erfahrung sicherlich zu dieser Liste beisteuern. Aber diese Wunder sind meist nicht so spektakulär wie das, was in der Bibel geschildert wird, wobei man freilich die Frage zulassen muss, was nach wissenschaftlichem Standard der Wahrheit entspricht und was nicht.
    Aber diese Frage zu erörtern, wäre müßig, denn letztlich geht es hier wie in allen Wundererzählungen um ein Glaubensereignis, das sich wissenschaftlich sowieso nicht manifestieren lässt.
    Sicherlich ist es die Hinwendung des Gefängniswärters zu Gott, die im Mittelpunkt dieser Geschichte steht. Dass er sich "mit den Seinen sogleich taufen" lässt, ist ein Schritt, den heute so keiner mehr vollziehen würde: jeder hat sein individuelles Recht auf Entscheidung. Aber es wird hier deutlich, dass die Taufe nicht von einer Glaubenserfahrung und Glaubensentscheidung des Individuums abhängt. Wohl findet der Gefängniswärter zum Glauben, dies lässt sich aber nicht von seiner Familie sagen. Dennoch wird sie ohne Diskussion getauft.
    So interessant dieses Element der Geschichte ist, so wenig darf sie an diesem Tage im Mittelpunkt stehen. Denn der Sonntag hat ein anderes Thema: Die singende Gemeinde! Und zu diesem Thema passt eigentlich nur der Vers 25. Es ist der Lobpreis der Gefangenen, der letztlich das Wunder auslöst.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang der Perikope ist dadurch zwar nicht sehr stark, aber er ist erkenntlich. Die Wirkung des Lobpreises (man kann wohl davon ausgehen, dass Paulus und Silas sangen) ist vielfältig; auf jeden Fall hat er auf die anderen Gefangenen gewirkt. Man mag sich fragen, wie sie reagierten, denn es war ja schließlich Mitternacht. Es scheint jedenfalls, dass sie nicht verärgert waren. Vielleicht hat dieser Lobpreis, der vielen sicher vertraut war (es ist zumindest wahrscheinlich, dass es sich um Psalmen handelte) sie sogar beruhigt. Das Motiv des Lobpreises bleibt im Hintergrund. Darüber kann die Predigt spekulieren. Wichtig ist aber sicherlich der Aspekt, dass Paulus und Silas sich von dem Elend, in das sie geraten sind, nicht kleinkriegen lassen, sondern vielmehr Gott angesichts ihrer Situation noch zu preisen vermögen. Die Predigt sollte dies aufgreifen und dazu ermutigen, Gott zu danken und zu loben selbst dann, wenn es einem schlecht geht.

  2. 2. Chr 5, 2-5(6-11)12-14

    folgt später

  3. Lk 19, 37-40

    folgt später

  4. Kol 3, 12-17

    Paulus verwendet ein schönes, brauchbares Bild, auch wenn man natürlich kritisch anmerken könnte, dass man Kleidung auch jederzeit ausziehen kann. Sie ist nicht wie eine zweite Haut mit einem Menschen fest verbunden. Man wechselt sie vielmehr nach Belieben, passend zur Situation, oder nach Notwendigkeit. Aber mit dieser Kritik überfrachtet man das Bild, denn natürlich geht ja Paulus auch nicht davon aus, dass man sich Socken, Unterwäsche, Hose und Hemd oder Bluse und Kleid anzieht, sondern er hat den Umhang im Blick, den Kaftan, das einzige Kleidungsstück der damaligen Zeit. Und so schlägt er vor, sich einen nach dem anderen überzuwerfen, natürlich nur symbolisch - es würde ja doch viel zu warm werden.
    Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld - die wichtigsten Eigenschaften im Umgang miteinander. Einander ertragen, und nicht nur das, sondern auch einander vergeben. Zusammengebunden werden all diese Eigenschaften mit der Liebe. Man fragt sich unweigerlich, ob man diese Eigenschaften so einfach anziehen kann, besonders wenn es um die Liebe geht, über die man nicht so einfach verfügen kann. Es dürfte aber dem leichter fallen, die Liebe an zu ziehen, der die Liebe Gottes bereits am eigenen Leib erfahren hat. Paulus schreibt auch vom Frieden Christi, der unsere Herzen regieren soll. Dieser Friede kann nur von Christus her kommen. Aber wer diesen Frieden erfährt, muss doch zwangsläufig all das ablegen, das Streit und Hass verursacht.
    Letztlich aber wird der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang hergestellt durch den Vers 16, indem zum gemeinsamen Singen zum Lobe Gottes aufgefordert wird. Und gewiss ist es so, dass auch das gemeinsame Singen mit dazu beiträgt, dass die Gemeinde miteinander in Frieden und Vollkommenheit lebt, ohne Streit oder Missgunst oder gar Hass.
    Letztlich beschreibt Paulus in diesem Abschnitt den Weg zum Gottesdienst genauso wie die Frucht des Gottesdienstes. Denn wer auf das Wort Gottes hört und die darin anklingende Ermahnung annimmt, wird auch im Alltag danach handeln. Wer sich aber dem Gottesdienst entzieht, vergisst mit der Zeit, was es bedeutet, als Christ zu leben.
    Es wird schwierig sein, diesen Gedanken zu verdeutlichen, denn letztlich stellt der Prediger damit sich selbst in den Mittelpunkt der Gemeinde, was heutzutage immer weniger gewünscht wird. Und doch ist es ja der Pfarrer, der diese Aufgabe hat, der Gemeinde das Wort so zu vermitteln, dass sie eine Leitlinie für ihr gemeinsames Leben und Wirken vor Augen hat.

  5. 1. Sam 16, 14-23

    folgt später

  6. Offb 15, 2-4

    Die Offenbarung gibt uns meist Rätsel auf, und wer sie liest, neigt dazu, sie zu einem Orakelbuch zu degradieren. Dabei ist sie alles andere als das. Nur können wir mit den Bildern, die in ihr auftauchen, meist wenig anfangen. So kann es auch den Hörern dieser Perikope ergehen. Die Vorstellung vom gläsernen Meer, mit Feuer vermengt, ist für uns nicht nachvollziehbar. Eigentlich handelt es sich hier wohl um einen Vergleich: es sah gläsern aus, und zugleich leuchtete es wie Feuer, und es spannte sich unendlich weit aus, so wie das Meer.
    Es sind Menschen da an diesem "Meer", die "den Sieg behalten hatten über das Tier". Es ist wohl kaum nötig, herauszufinden, worum es sich bei dem Tier gehandelt haben mag; fest steht, dass es einige (viele?) Menschen daran gehindert hat, in die Nähe Gottes zu gelangen, und dass man kämpfen muss, um es zu überwinden und letztlich in die Gegenwart Gottes, an dieses "gläserne Meer", zu gelangen.
    Wieder merkwürdig erscheint die Erwähnung von "Gottes Harfen" - um was für Instrumente handelt es sich? Da sie von Gott stammen, also von ihm gemacht sind, kann man wohl erwarten, dass es perfekte Instrumente sind, die einen wunderschönen Klang haben. Sie singen zum Spiel dieser Harfen (wie man wohl vermuten kann) ein Loblied, das als Lied des Mose bezeichnet wird. Zwar lässt sich dieses Lied nicht in den Büchern Mose nachlesen, zumindest nicht in wörtlicher Form. Aber die Bezeichnung als Lied des Mose soll wohl eher darauf hinweisen, dass dies das Lied des Volkes Gottes ist, das von Mose durch die Wüste geführt wurde. Wichtig ist auch die Ergänzung, dass es sich auch um das Lied des Lammes handelt, denn dadurch wird dieser Lobgesang des allgewaltigen, unnahbaren Schöpfergottes etwas menschlicher - denn durch das Lamm ist uns dieser Gott ja ganz nah gekommen.
    Das Lied ist jedenfalls der wichtigere Teil dieser Perikope, was ja auch der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang nahelegt. Es geht, erstmal ganz banal, darum, dass bei Gott, in seiner Gegenwart, gesungen wird! Auf diese Weise wird er gepriesen, wird ihm der Ruhm zuteil, der ihm gebührt.
    Ich weiß nicht, ob damals, als dieser Text geschrieben wurde, generell mehr gesungen wurde als heute in einer Zeit, in der man eher singen lässt (und eigentlich ja auch selber singt, wenn man die allerorts hörbaren Schlager mitsingt). Jedenfalls wird dem Gesang längst nicht mehr so ein hoher Wert beigemessen, wie noch vor 50 Jahren - dass man mal in den Familien gemeinsam ein Lied singt, gehört schon zur großen Ausnahme. Auf der anderen Seite wird erkennbar, dass sich immer mehr Menschen scheuen, mitzusingen - auch im Gottesdienst - weil sie meinen, sie könnten es nicht. Man versteckt sich dann gerne "hinter der Orgel".
    In der Predigt könnte man versuchen, dem Gesang weiten Raum zu geben. Wäre es sehr abwegig, einige bekannte Loblieder ohne Orgelbegleitung singen zu lassen? Der Kantor könnte einspringen und die Gemeinde motivieren. Es muss nicht immer der Chor sein, der diesen Gottesdienst besonders ausgestaltet. Es ist ja schließlich, so legt es der Predigttext nahe, die Gemeinde der Gläubigen, die das Lob singen, und nicht ein Chor der Engel.



Buchempfehlungen:
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    Die Lesepredigten für alle Sonn- und Gedenktage des Kirchenjahres sind eine in der Praxis bewährte Arbeitshilfe für eine zeitgemäße, anspruchsvolle und ansprechende Verkündigung. Ehrenamtliche Lektorinnen und Lektoren, Prädikantinnen und Prädikanten sowie Pfarrerinnen und Pfarrer finden hier - je nach Bedarf - ausformulierte Predigten und Anregungen für die eigene homiletische Arbeit. Textbasis ist die jeweils empfohlene Predigtreihe. Ergänzt werden die Lesepredigten durch passende Liedvorschläge und Fürbittgebete.
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  • Zuletzt überarbeitet: 04 November 2018
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