das Kirchenjahr

Erntedanktag

Dank für Gottes Schöpfung

Predigtanregung

Seit dem 5. Jahrhundert feiert die Kirche einen Erntedanktag. Häufig fiel dieser mit dem Michaelistag zusammen, da hier das Wirken Gottes durch die Engelmächte, das in der Natur sichtbar werden kann, bedacht wurde. Der Tag wurde später auf den Sonntag nach Michaelis verlegt. In der südlichen Hemisphäre wäre es wohl angebracht, diesen Tag nicht an Michaelis zu orientieren, sondern in die Nähe der Erntezeit zu rücken.
Seit der Perikopenrevision 2018, aber auch schon vorher ist man dazu übergegangen, das Erntedankfest auf den 1. Sonntag im Oktober zu legen. Dies entspricht auch in den meisten Fällen der Orientierung am Michaelisfest. Durch diese Vereinfachung der Festlegung geht aber der Bezug zum Michaelisfest gänzlich verloren, weswegen ich diese Besonderheit auf meiner Webseite beibehalte und, falls der Kalender es zulässt, das Erntedankfest auch für den 30. September anzeige.
Das Erntedankfest lässt den Menschen dankbar auf die Schöpfung blicken, die ihm gegeben ist, sein irdisches Leben zu erhalten.
Das Erntedankfest liegt in der Nähe zum Ende des Kirchenjahres. Es ist ein traditionsreiches Fest, in dem der Schwerpunkt auf dem Danken liegt für Gottes vielfältige Gaben, mit denen er uns versorgt. Der Dank äußert sich auch darin, dass wir bereit sind zum Teilen dessen, was letztlich ohnehin nicht uns gehört.

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V - Lk 12, (13-14)15-21

Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile. 14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt? 15 Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.
16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. 17 Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. 18 Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte 19 und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! 20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? 21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Das Erntedankfest bietet die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass alles, was wir sind und haben, nicht unser eigenes Verdienst ist. Es wird uns von Gott geschenkt. Darum spielt es auch keine Rolle, ob man in einer Stadtgemeinde lebt oder auf dem Land. Der Altar muss auch nicht mit Lebensmittel geschmückt werden, schon gar nicht muss sich der Altarschmuck auf landwirtschaftliche Produkte beschränken - es wäre durchaus denkbar, auch Geräte, Bücher und andere von Menschen produzierte Dinge am Altar zu platzieren. Denn für all das danken wir, weil wir es letztlich doch von dem einen empfangen haben, der uns geschaffen hat.
Das Gleichnis, das wir hier von Jesus als Antwort auf die Bitte, er möge als Erbschlichter eintreten, erzählt, macht uns dies ganz deutlich: Man kann noch so viel in seinem Leben erwerben, das Leben selbst ist einem geschenkt und kann jederzeit genommen werden. Daran wird sich nie etwas ändern. Das Leben kommt aus Gottes Hand, in der es auch liegt und in die es zurückkehrt. Dem reichen Kornbauern nützt sein Reichtum nichts.
Schade nur, dass sich die Reichen heutzutage nur selten unter der Kanzel versammeln. Aber auch denen, die sich hier versammeln und im Gottesdienst Erntedank feiern wollen, kann man natürlich raten, sich daran zu erinnern, woher sie alles haben, und aus dieser Erkenntnis dann auch Konsequenzen zu ziehen. Man muss nicht vorsorgen. Es ist nicht nötig, im Ruhestand den gleichen Lebensstandard zu halten wie zuvor. Anstelle dessen sollte man ernsthaft erwägen, die am eigenen, wenn auch vielleicht kleinen, Reichtum teilhaben zu lassen, die im Grunde keinen Anlass haben, zu danken.
Dabei sollte man nicht nur die Keule schwingen, sondern tatsächlich auch und gerade zur Dankbarkeit aufrufen. Nur wer dankbar ist, kann auch mit Freuden abgeben. Es ist gut, zu versuchen, bewusst zu machen, dass man, was auch immer in eines Menschen Leben geschehen ist und noch geschieht, gewollt ist - nicht (nur) von den Eltern, sondern gerade und immer von Gott. Gott schenkt das Leben, er schenkt uns unsere Fähigkeiten, und er gibt uns unsere Möglichkeiten. Daraus gestalten wir unser eigenes Leben. Dafür danken wir.

Liedvorschläge:

Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)
Aller Augen warten auf dich, Herre (EG 461)
*Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit (EG 502)
O Gott, du frommer Gott (EG 495, 1-2.5-8)
Dies alles wird zerrinnen (EG 527, 4-8.10)



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